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Blanka Vlasic (M.) gewann 2007 und 2009 WM-Gold im Hochsprung © getty

Bei der Ehrung zur Leichtathletin des Jahres stiehlt die Hochspringerin der Adelsprominenz die Show. Auch ein Deutscher wird geehrt.

Monte Carlo - Ihre neun Zentimeter hohen High Heels hatte sich Blanka Vlasic vor einem Jahr gekauft, um bei der Ehrung der Welt-Leichtathleten 2009 selbst neben dem 1,96 m langen Superstar Usain Bolt die Größte auf der Bühne zu sein.

Doch dann machte 400-m-Weltmeisterin Sanya Richards (USA) neben dem Jamaikaner das Rennen.

In diesem Jahr schlug in Monte Carlo nun endlich die Stunde der 1,93 m langen kroatischen Hochsprung-Weltmeisterin. Am Sonntag überragte Blanka Vlasic mit künstlich geschaffenen 2,02 m Kenias 1,91 m langen 800-m-Weltrekordler David Rudisha ganz locker.

Und Fürst Albert von Monaco, der die fast 800 Gäste bei der festlichen Gala im feinen Sporting Club begrüßte, muss sich zwischen den Größen der Leichtathletik wie ein Zwerg im eigenen Zwergstaat vorgekommen sein.

2, 10 Meter angepeilt

"Hier oben als Welt-Leichtathletin zu stehen, das war einer meiner großen Träume", sagte die 27-jährige Vlasic, die deutlich machte, dass sie die endlich eroberte Bühne so schnell nicht wieder verlassen will.

"Ich kann mir vorstellen, auch 2016 noch dabei zu sein, falls meine Heimatstadt Split Ausrichter der Europameisterschaften werden sollte. Ich bin dann 32 und habe bis dahin noch zwei Chancen, nach dem Silber von Peking endlich Gold bei Olympia zu gewinnen", blickte sie in die Zukunft.

"Und den Weltrekordsprung über 2,10 m zu schaffen", fügte der Hochsprung-Star als weiteres Ziel an.

Rudisha träumt von Gold

David Rudisha, der auf Weltebene noch keine Medaille gewann, weil er 2009 bei der Berliner WM am falschen Rennverhalten scheiterte, hat Vlasic zumindest die Rekorde voraus.

Zweimal binnen einer Woche erzielte er zum Saisonende erst beim Berliner Istaf (1:41,09) und dann im italienischen Rieti (1:41,02) Bestmarken über 800 m.

"Klar, dass ich 2011 bei der WM in Daegu Gold anstrebe", sagt der 21-jährige Massai.

Legenden-Trio gibt sich die Ehre

In einer denkwürdigen Pressekonferenz traf Rudisha, dessen Vater Daniel bei Olympia 1968 in Mexico City mit Kenias 4x400-m-Staffel Silber hinter den USA gewonnen hatte, mit drei Legenden des 800-m-Laufs zusammen, die den Weltrekord binnen 34 Jahren nacheinander im Besitz hatten.

Kubas Alberto Juantorena, 1976 in Montreal erster Doppel-Olympiasieger über 400 und 800 m und seit Sonntag 60 Jahre alt, hielt die Bestmarke mit 1:43,5 bis zum Aufstieg des Briten Sebastian Coe.

Der heutige Chef-Olympier von London 2012 lief 1979 erstmals Weltrekord und zwei Jahre später in 1:41,73 Minuten für damalige Verhältnisse eine Fabelzeit. Er wurde erst 1997 von Wilson Kipketer abgelöst.

Der für Dänemark startende Kenianer setzte damals bei seiner dritten Bestmarke in Köln in 1:41,11 eine Marke, die 13 Jahre halten sollte - bis Rudisha kam.

Coe glaubt nicht an 100 Sekunden

"Es gibt keine Grenzen der Entwicklung, aber das kommt wohl noch zu früh", sagte Juantorena auf die Frage, ob Rudisha der erste Mann sein könnte, der die zwei Stadionrunden in weniger als 100 Sekunden absolviert.

"Eher nein", glaubt auch Coe. "Es wird sehr schwer für ihn", sagt Kipketer.

Und Rudisha selbst meint bescheiden: "Ich will erst einmal unter 1:41 laufen."

Speerwerfer Wöschler ausgezeichnet

Auch wenn es die vier deutschen Europameister von Barcelona wie erwartet nicht unter die fünf Besten schafften, stand am Ende doch noch ein Deutscher auf der Bühne.

Till Wöschler, das Zweibrücker Speerwurf-Talent, wurde nach Gold und der Glanzweite von 82,52 m bei der U20-WM im kanadischen Moncton als "Rising Star" der Leichtathletik ausgezeichnet.

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