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Friedrich gewann bei den Halleneuropa- meisterschaften 2009 die Goldmedaille © getty

Die 27-Jährige kommt in der Reha langsam voran. Ein Comeback 2011 käme aber zu früh. Die Geschichte einer Schwedin macht Mut.

Frankfurt/Main - Ariane Friedrich verzieht das Gesicht, wuchtet ein letztes Mal den Medizinball in die Höhe und macht kurz darauf noch ein paar Klimmzüge.

Deutschlands Hochsprung-Star quält sich für sein Comeback. "Der Traum von einer Medaille bei Olympia 2012 in London lebt", sagt die Hallen-Europameisterin von 2009 mit Trotz in der Stimme und einem Funkeln in ihren Augen.

Am 22. Dezembar war bei der WM- und EM-Dritten die Achillessehne am linken Fuß gerissen.

"Es hat einen lauten Knall gegeben. Ich wusste gleich, dass die Sehne durch ist. Mir sind die Tränen in die Augen geschossen", erinnert sich Friedrich an jenen Unglückstag im Training.

(Auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Zehn Wochen später ist "das Trauma der Verletzung allmählich verblasst". Friedrich hat wieder Hoffnung und Mut gefasst.

Viele kleine Schritte

Auch wenn ein Wettkampf in diesem Jahr für sie "viel zu riskant" ist - Friedrich erfreut sich an jedem kleinen Erfolgserlebnis auf dem langen Weg zur Rückkehr.

In der kommenden Woche darf sie endlich ihren klobigen Spezialschuh beiseite legen, dann wird sie mit einem ein Zentimeter dicken Keil im Schuh laufen. Es ist ein weiterer kleiner Schritt vorwärts.

"Muckibude" und Aquajogging

Derzeit schuftet die 27-Jährige bis zu fünf Stunden pro Tag im Kraftraum.

Die "Muckibude" im Keller des Olympiastützpunktes in Frankfurt/Main nennt sie ihr "Wohnzimmer". Zudem stehen Aqua-Jogging, Radfahren und Physiotherapie auf dem Programm.

"Ich bin froh, dass ich das überhaupt schon alles machen kann", sagt Friedrich: "Und der Heilungsprozess verläuft gut."

Trainingslagger in Teneriffa

Auch ihr Trainer und Manager Günter Eisinger ist - wieder - guter Dinge.

"Im ersten Moment hatte ich gedacht: das war's. Diese Verletzung ist ja die Höchststrafe. Aber mittlerweile bin ich wieder optimistisch", sagt Eisinger.

Mitte April wird er mit Friedrich zum Trainingslager nach Teneriffa aufbrechen. "Das Training, die Sonne, die Wärme, all das wird ihr gut tun", sagt Eisinger.

Happy End bei Bergqvist

Auch Friedrich ist der Meinung, "die schlimmste Zeit" überstanden zu haben.

"Klar gibt es Augenblicke, in denen ich mich noch mies fühle. Aber es geht von Tag zu Tag aufwärts", sagt die Polizei-Kommissarin: "Ich bin froh, dass ich die Verletzung nicht bei einem Sprung erlitten habe. Das ist auch wichtig für meinen Kopf."

Hoffnung macht Friedrich auch das einstige Happy End von Kajsa Bergqvist. Die Schwedin hatte 2004 einen Achillessehnenriss erlitten. Ein Jahr später hatte sie WM-Gold gewonnen.

Die Motivation ist ungebrochen

Und Friedrich ist trotz ihrer schweren Verletzung weiterhin hoch motiviert.

"Mit dem Abstand merke ich, wie sehr ich den Hochsprung liebe. Mir fehlen die Wettkämpfe - aber ich werde mir die nötige Zeit geben", sagt die 1,79 m große Athletin.

"Ich möchte Ende des Jahres wieder auf dem Level sein wie vor meiner Verletzung. Dann habe ich bis Olympia noch genügend Zeit."

Teure Verletzungspause

Auch aus einem anderen Grund sehnt Friedrich ihr Comeback herbei.

"Ich konnte mir am vergangenen Wochenende nicht die Vorkämpfe bei der EM im Fernsehen anschauen, sondern bin lieber losgezogen, um eine neue Küche zu kaufen", erzählt sie: "Allzu lange darf ich nicht mehr ausfallen, sonst würde das einfach zu teuer."

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