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Der 2002 über 100 m aufgestellte Weltrekord von Tim Montgomery (r.) wurde annulliert © imago

In einem reumütigen TV-Interview räumt Tim Montgomery Doping vor Olympia 2000 ein. Das 4x100m-Staffelgold soll er zurückgeben.

München - In den Trümmern seiner Existenz hat der inhaftierte Ex-100-m-Weltrekordler Tim Montgomery auch mit seiner Doping-Vergangenheit aufgeräumt.

"Ich habe eine Goldmedaille, die ich nicht aus eigener Kraft gewonnen habe", sagte der frühere US-Sprintstar dem TV-Sender "HBO" im Gefängnis und gestand vor laufenden Kameras die verbotene Nutzung von Testosteron und dem Wachstumshormon HGH vor den Olympischen Spielen 2000 in Sydney.

Sein Schuldbekenntnis bedeutet für die USA über acht Jahre nach den Spielen "down under" voraussichtlich den Verlust des dritten Staffel-Goldes und des insgesamt fünften Olympiasieges.

Der heute 33-Jährige gehörte 2000 in einem Vorlauf zum später siegreichen 4x100m-Quartett der USA.

Auch 100m-Staffelgold pfutsch?

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte den USA zuletzt nach den Doping-Geständnissen von Jerome Young, Antonio Pettigrew und Montgomerys langjähriger Lebensgefährtin Marion Jones die Goldmedaillen der 4x400m-Staffeln ( US-Staffel verliert Gold) und Jones auch die über 100 und 200 m aberkannt.

Im wahrscheinlichen Fall einer Disqualifikation des US-Teams über 4x100 m winkt Brasiliens zweitplatzierter Staffel nachträglich Gold.

Reumütiger TV-Auftritt

Montgomery gab sich in dem Interview, das in den USA am Dienstag ausgestrahlt wird, wegen der mutmaßlichen Folgen für seine Sydney-Kollegen zerknirscht und reuig:

"Ich will anderen nichts wegnehmen, was sie erreicht haben. Ich spreche nur für mich und möchte mich bei den anderen Staffelmitgliedern entschuldigen."

Seiner eigenen Darstellung zufolge hat er vor Sydney neben Testosteron viermal monatlich auch Wachstumshormone eingenommen.

Kein positiver Test

Trotz nie verstummender Gerüchte war Montgomery in seiner Karriere niemals positiv getestet worden.

Wegen seiner Verwicklung in den Balco-Skandal allerdings wurde der Sprinter zunächst aus dem US-Kader für Olympia 2004 ausgeschlossen und im Dezember 2005 vom internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne für zwei Jahre gesperrt.

Die Richter annullierten außerdem seine Ergebnisse seit dem 31. März 2001 und damit auch seinen 2002 in Paris aufgestellten Fabel-Weltrekord von 9,78 Sekunden.

Montgomery soll Medaille freiwillig abgeben

Die Ausweitung von Montgomerys persönlicher Tragödie löste beim Nationalen Olympischen Komitee der USA (USOC) keinerlei Mitleid aus.

"Wenn er bei Olympia betrogen hat, sollte er aufstehen und seine Medaille freiwillig zurückgeben - so wie es andere aus unserem Sydney-Team auch getan haben", erklärte USOC-Sprecher Darryl Seibel:

"Er hat eine Verantwortung gegenüber dem Sport, seinen Konkurrenten von Sydney und allen Generationen von Leichtathleten, die auf ehrliche Weise ihr Bestes geben."

Nichts mehr zu verlieren

Für Montgomery kommt das Doping-Geständnis einem Befreiungsschlag gleich.

Schon nach seinen Verurteilungen wegen Geldwäsche und Scheckbetrugs einerseits sowie Heroinbesitzes und -handels andererseits hatte der Ex-Star nichts mehr zu verlieren.

Nach Ablauf seiner 46-monatigen Haftstrafe wegen der Finanzdelikte muss Montgomery aufgrund seiner Drogenvergehens noch fünf weitere Jahre im Gefängins verbringen (Fünf Jahre im Gefängnis).

Bei HBO machte Montgomery aus der Verbitterung über sein völlig aus den Fugen geratenes Leben kein Hehl:

"Warum ich das alles gemacht habe? Mit dieser Frage wache ich jeden Morgen auf und schlafe jeden Abend auch damit ein."

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