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Henry Rono hielt auf vier Strecken die Weltrekorde © getty

Als Langstrecken-Weltrekordler wurde Rono in den Stadien gefeiert. Dann der Absturz. Jetzt wird der Kenianer wieder bejubelt.

Monte Carlo - Im Kölner ASV-Heim saß Henry Rono und schüttete sich das Bier in die Kehle. Ein Weltrekordler, der in den Wochen zuvor noch gefeiert wurde, erlebt seinen Absturz. Er wurde vom Läufer zum Säufer. "Am Morgen meines letzten Weltrekords wachte ich betrunken auf", sagt Henry Rono.

Er weiß nicht, wie oft er wegen Alkohol am Steuer verhaftet wurde, wie viele Entziehungskuren er abbrach, wo überall er in Obdachlosenheimen wohnte.

"Im Suff verlor ich die Kontonummern von Banken", gesteht er, und bis heute sind Gagen im sechsstelligen Dollarbereich in Zürich, Paris und London unerreichbar für den Mann, der sich am Wochenende erstmals wieder der Sportwelt präsentierte.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF, der Rono vor rund 20 Jahren sogar einmal aus dem Gefängnis freikaufen musste, vergab bei der Ehrung der Welt-Athleten 2008 in Monte Carlo einen Spezialpreis für den Mann, der durch die geglückte Rückkehr ins normale Leben zum Vorbild für andere Gescheiterte wurde.

Vier Weltrekorde in 81 Tagen

Der Mann, der vor 30 Jahren binnen 81 Tagen die beispiellose Zahl von vier Weltrekorden auf der Langstrecke aufstellte, wurde von 700 Gästen der Gala an der Cote d'Azur ähnlich mit Beifall überladen wie damals in den Arenen.

"Ich wurde vom Läufer zum Säufer und jetzt bin ich wieder ein Läufer", sagt der 56-Jährige, der heute als Trainer in Albuquerque/New Mexiko arbeitet und pro Woche 3-4 Mal rund eine Stunde läuft.

Vor wenigen Jahren war er dort noch Kofferträger am Flughafen, Parkwächter und wusch Autos. "Ich hatte viele miese Jobs in meiner schlimmen Zeit - und manchmal erhielt ich gar keinen. Ich ging durch die Hölle. Danach geht es entweder wieder aufwärts oder du bist tot", sagt der Kenianer vom Stamme der Nandi zum Desaster, das ihn zwischen 1986 und 1993 ereilte.

Rono scheiterte am Ruhm

Rono war nicht fertig geworden mit dem Ruhm, der 1978 über den nur in der Fachwelt bekannten 26-Jährigen hereinbrach.

Angefangen hatte seine unglaubliche Weltrekordserie am 8. April in Pullman/US-Bundesstaat Washington. Dort, wo er im Oktober 1976 ein später abgebrochenes Studium der Wirtschafts-Psychologie begonnen hatte, steigerte er den 5000-m-Weltrekord auf 13:08,4 Minuten.

Fünf Wochen später, am 13. Mai 1978, riss Rono trotz erbärmlicher Technik in 8:05,4 auch die Bestmarke über 3000 m Hindernis an sich.

Verfolgungswahn

Nach dem Wiener 10.000-m-Weltrekord von 27:22,5 am 11. Juni brach endgültig die Rono-Mania aus. Ende Juni vervollständigte er seine Serie mit den 7:32,1 über 3000 m in Oslo.

Fortan wurde Rono, der mit 21 in Kenias Armee zum Läufer geworden war und dann ein Stipendium aus Pulman erhielt, von allen Veranstaltern gejagt.

Den guten Rat von Freunden, höchstens einmal pro Woche zu starten, schlug er in den Wind und lief im 48-Stunden-Takt ins Desaster. Bald litt Rono unter Verfolgungswahn, glaubte, sein Trainer John Japlin wolle ihn umbringen. Kenias Olympiaboykott ersparte ihm 1980 in Moskau eine mögliche Blamage.

Geld verprasst

Dem großen Comeback 1981 mit dem 5000-m-Weltrekord von 13:06,2 Minuten in Knarvik/Norwegen folgte der brutale Absturz des Mannes, der sein Talent nie voll ausschöpfte, denn er hätte als erster Läufer schon damals über die Hindernisse unter acht und über 5000 m unter 13 Minuten bleiben können.

Das Geld war verprasst oder auf unbekannten Konten unerreichbar. Unter falschem Namen mietete er sich in Hotels ein und zahlte die Rechnungen nicht. Er wurde wegen Betruges verhaftet. Die Leidensgeschichte ist bekannt.

Dann endlich ließ sich Rono helfen durch Psychologen und Mediziner. Der Alkoholentzug gelang.

40 Kilo Übergewicht verloren

Nach und nach verlor er 30 bis 40 Kilo Übergewicht. Als er wieder trocken war, absolvierte er eine Ausbildung zum Sportlehrer und Trainer. Heute hat er selbst einen Klub, in dem er als Trainer arbeitet und ist für einige Stunden Lehrer an einer Highschool.

Er besitzt inzwischen wieder ein Haus. Doch Frau und zwei Kinder (Sohn 26, Tochter 23) leben in Kenia.

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