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Samuel Wanjiru lief 2008 in Peking als erster Kenianer zu Marathon-Gold © getty

Marathon-Olympiasieger Sam Wanjiru stirbt nach einem Sprung vom Balkon. Von Selbstmord ist die Rede, ein Ehestreit geht voraus.

Nyahururu - Kenias Marathon-Olympiasieger Samuel Wanjiru ist am Sonntag nach einem Ehedrama vom Balkon seines Hauses aus in den Tod gesprungen.

"Er hat Selbstmord begangen", bestätigte am Montagmorgen Eric Kiraithe, Sprecher der kenianischen Polizei.

Bei dem Drama in Nyahururu, Kenias höchstgelegener Stadt im Rift Valley, spielten auch eine fremde Frau und offenbar hoher Alkoholkonsum eine Rolle.

Schädelbruch festgestellt

Der 24-jährige Wanjiru, der 2008 bei den Sommerspielen in Peking als erster Kenianer Olympia-Gold im Marathon gewonnen hatte, erlitt nach dem Sprung aus dem ersten Stock aus rund sechs Metern Höhe einen Schädelbruch und innere Verletzungen.

Offenbar schlug Wanjiru mit dem Gesicht direkt auf den Betonboden auf.

Polizeisprecher Jaspher Ombati sagte, Wanjiru sei offenbar nach einem Trinkgelage und dem Streit in einer Panikreaktion vom Balkon gesprungen.

Er hinterlässt eine Tochter

Er habe aus Mund und Nase geblutet und sei kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus gestorben.

"Sein Tod ist nicht nur für seine Familie und seine Freunde ein Verlust, sondern auch für Kenia und die Leichtathletik-Welt", sagte Kenias Premierminister Raila Odinga.

Wanjiru, den er als "eine der großen Hoffnungen für Olympia 2012 in London" gesehen hatte, hinterlässt eine Tochter.

Gebrselassie geschockt

"Total geschockt" meldete sich Äthiopiens Läuferstar Haile Gebrselassie via Twitter: "Wir konnten diese Tragödie als Läuferfamilie nicht verhindern."

Sein Landsmann und Nachfolger als 5000- und 10.000-m-Weltrekordler, Kenenisa Bekele, reagierte so:

"Er war ein großer Marathonläufer, und ich wollte künftig gegen ihn antreten."

Wanjiru hält Weltrekord

Wanjiru hatte 2008 und 2009 ebenso wie Irina Mikitenko (Gelnhausen) je zweimal 500.000 Dollar als weltbester Marathonläufer (WMM-Wertung) kassiert.

Ein Jahr vor dem Peking-Gold in olympischer Rekordzeit von 2:06:32 Stunden hatte der nur 1,63 m große und 51 Kilo leichte Lauf-Floh in Den Haag in 58:33 Minuten einen Halbmarathon-Weltrekord aufgestellt.

Seine Bestzeit über die 42,195 km erzielte Wanjiru 2009 als Sieger in 2:05:10 in London.

Autounfall im Januar

Seinen letzten Marathon bestritt der Kenianer am 10. Oktober 2010 in Chicago als Erster in 2:06:24.

Nach einem Autounfall im Januar 2011 hatte Wanjiru den Start im April in London wegen einer Knieverletzung abgesagt.

Streit mit Ehefrau

Der Tragödie im 150 km nordwestlich von Kenias Hauptstadt Nairobi gelegenen Nyahururu war offenbar ein heftiger Streit zwischen Wanjiru und seiner Ehefrau Triza Njeri vorausgegangen.

Ombati teilte mit, Njeri habe ihren Gatten nach ihrer überraschenden Heimkehr mit einer anderen Frau im Schlafzimmer erwischt und die beiden daraufhin eingeschlossen.

Einen Anlass zur Affekttat hatte Wanjiru nicht nur durch den aktuellen Streit mit der Ehefrau:

Klage wegen versuchten Mordes

Er sollte sich am kommenden Montag wegen illegalen Waffenbesitzes vor Gericht verantworten.

Im Dezember 2010 war der frühere Halbmarathon-Weltrekordler des versuchten Mordes an seiner Frau und seinem Bodyguard beschuldigt worden.

Während eines Streits hatte er die beiden mit einer Kalaschnikow bedroht.

Die Ehefrau hatte ihre Anschuldigung wegen versuchten Mordes später zurückgenommen, aber die Scheidung eingereicht.

Wanjiru wollte Therapie beginnen

Laut Trainer Claudio Berardelli war Wanjiru nach dem Olympiasieg "eine ganz andere Person".

Ex-Coach Robert Kioni: "Er trank exzessiv, hatte Affären mit Frauen, umgab sich mit den falschen Leuten."

Laut David Okeyo, Generalsekretär von Kenias Leichtathletik-Verband, sollte Wanjiru Ende des Monats zu einer Theraphie außer Landes gebracht werden.

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