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Betty Heidler gewann bei der Heim-WM 2009 in Berlin Silber © imago

Deutschland hat wieder eine Weltrekordlerin in einer Olympiadisziplin. Für die Hammerwerferin ist die Bestmarke keine Bürde.

Halle/Saale - Mit dem ersten deutschen Leichtathletik-Weltrekord in einer olympischen Disziplin seit der Vereinigung hat Hammerwerferin Betty Heidler Sportgeschichte geschrieben.

Die 27 Jahre alte Europameisterin streifte beim Saisondebüt in Halle/Saale im dritten Versuch mit fabelhaften 79,42 m die 80-m-Traumgrenze (Bericht).

Dabei steigerte die aus dem Osten Berlins stammende Polizei-Obermeisterin von der LG Frankfurt die gut ein Jahr alte Bestmarke der polnischen Weltmeisterin Anita Wlodarczyk (78,30) um über einen Meter.

"Ich war schockiert, ungläubig. Als der Hammer gelandet war, ging schon ein Raunen durch die Zuschauer und ich hatte geahnt, dass es sehr weit gegangen war. Aber dass es der erste deutsche Leichtathletik-Weltrekord seit der Wende ist, das macht mich zusätzlich stolz", meinte Heidler, die mit einem deutschen Rekord kalkuliert hatte, der ihr zum Auftakt mit 77,19 auch gelang.

Großes Lob an die Zuschauer

Betty Heidler, die nach ihrem WM-Sieg 2007 in Osaka/Japan vor zwei Jahren in ihrer Heimatstadt Berlin WM-Zweite gewesen war hinter der nun entthronten Wlodarczyk, steigerte ihre Bestmarke in Halle gleich um 2,30 m.

Wie so was möglich war?

"Supertolle Zuschauer, das Wetter war perfekt. Und ich war unheimlich locker. Das kommt aus der Sicherheit, die ich mir erarbeitet habe. Entscheidend bei der Technik ist der gute Rhythmusaufbau, der Gleichklang von Armen und Beinen. Dass ich jetzt erstmals das Tempo von der dritten zur vierten Drehung noch einmal erhöhen kann."

Favoritin auf WM-Titel

Kein Zweifel: Die 27-Jährige, die parallel zum zeitlich oft stark reduzierten Polizeidienst Jura studiert, gilt drei Monate vor dem Saisonhöhepunkt im südkoreanischen Daegu (26. August bis 4. September) als klare WM-Favoritin.

"Das war ich ohnehin schon. Ich spüre keinen besonderen Druck. Ziel bleibt unverändert eine WM-Medaille.", sagt Betty Heidler, die sich jetzt `erst einmal im Bereich über 76 m stabilisieren will."

Die Konkurrenz schätzt sie nicht so stark ein, dass sie den Verlust des Weltrekordes befürchten muss: "Da werfen nur ganz wenige über 77 m."

Stress-Tests im Training

In der Vergangenheit war die rotblonde Hobby-Reiterin oft ein Opfer ihrer Nerven geworden. Bei der WM 2005, der EM 2006 und Olympia 2008 in Peking blieb sie ohne Edelmetall.

Doch eine Sport-Psychologin und auch Trainer Michael Deyhle haben zusammen mit ihr offenbar erfolgreich am Beseitigen der Drucksituation gearbeitet. Deyhle simuliert im Training gern psychischen Stress.

Dann telefoniert er in nächster Nähe mit großem Vergnügen, während sich die Athletin neben ihm konzentrieren muss. Deyhle sagt: "Sie lässt sich heute nicht mehr irritieren. Früher hätte sie mir das Handy aus der Hand gerissen."

Auf den Spuren des Großvaters

Der jahrelange Lernprozess soll 2012 mit der wichtigsten aller Goldmedaillen enden. "Natürlich will ich Olympiasiegerin werden", sagt Betty Heidler, deren Großvater 1936 bei den Sommerspielen in Berlin Fackelträger war.

Sie selbst hätte 2004 in Athen bei ihren ersten Spielen als Newcomer fast eine Medaille gewonnen (4.), der Fehlschlag 2008 war ein Frusterlebnis, das nach Korrektur schreit.

Nachfolgerin von Felke

Letzte deutsche Weltrekordlerin vor Heidler war in einer Olympia-Disziplin Speerwurf-Olympiasiegerin Petra Felke aus Jena vor fast 23 Jahren.

Die Thüringerin erzielte am 9. September 1988 die Traumweite von 80,00 m und damit eine vermutlich "ewige" Bestmarke, denn durch die anschließenden Veränderungen des Speeres fliegen die Geräte nicht mehr so weit.

Den letzten Weltrekord bei den Männern hatte Kugelstoß-Olympiasieger Ulf Timmermann (Berlin) am 22. Mai 1988 mit 23,06 m erzielt.

Hartings Leistung verblasst

In Halle stellte Betty Heidler alles in den Schatten - auch die hochkarätigen 68,99 m, mit denen sich Diskus-Weltmeister Robert Harting (Berlin) an die Spitze der Weltrangliste setzte und dabei seine persönliche Bestleistung nur um 70 Zentimeter verfehlte.

Hinter ihm steigerte sich der Magdeburger Martin Wierig auf starke 67,21 m, bei den Frauen bot die EM-Sechste Nadine Müller (Halle) als Zweite gute 66,05 m.

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