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David Storl begann seine sportliche Karriere als Mehrkämpfer beim VfA Rochlitzer Berg © getty

Nach Storls Sieg bei der Team-EM lobt ihn Ex-Olympiasieger Beyer über die Maßen. Kollege Bartels will aber nicht klein beigeben.

Stockholm/München - Das neue Gesicht unter den Siegertypen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ist noch ein Babyface.

David Storl (20), wirkt mit seinen 1,99 m Länge wie ein zu groß geratener 17-Jähriger.

Doch beim zweiten Platz des DLV bei der Team-EM am Wochenende in Stockholm (Bericht) war David schon ein echter Goliath.

"Für mich ist Storli der kommende Olympiasieger 2012", sagt kein Geringerer als Udo Beyer, der 1976 mit knapp 21 Jahren Gold bei den Sommerspielen in Montreal gewonnen hatte.

Der frühere Weltrekordler (zuletzt 22,64 m) aus Potsdam sagt gut zwei Monate vor dem Saisonhöhepunkt in Südkorea (24. August bis 4. September): "David wird schon in Daegu eine WM-Medaille holen."

"Ich war schön locker"

Sven Lang lacht angesichts dieser Worte.

"David ist Vorschusslorbeeren gewohnt. Es macht ihn nicht nervös", sagt der Trainer von Storl, der in Stockholm mit 20,81 m im letzten Versuch Polens Olympiasieger Tomasz Majewski (20,51) schlug.

"Ich war schön locker und habe die Nerven behalten", kommentiert Storl bescheiden.

Lang findet: "Der Sieg hat David vor der WM mental ein großes Stück nach vorn gebracht. Er wird auf den ersten Blick von vielen unterschätzt. Aber mit seinen 20 Jahren ist er schon ganz schön clever und souverän."

Storl hat noch Zeit

Nicht erst seit Stockholm. Der Youngster beweist dies schon Jahre unter Langs Regie: 2007 U18-Weltmeister, 2008 Junioren-Weltmeister, 2009 U20-Weltrekord und 2010 bei den Männern bereits EM-Fünfter.

2011 reihte sich Storl mit 21,03 m in den Kreis der 21-m-Stoßer ein.

Lang sagt nach der Prognose von Udo Beyer: "London 2012 ist sicher schon ein großes Thema für uns. Aber David ist eher ein Athlet für Olympia 2016 oder 2020. Erst mit 24 oder 25 Jahren erreicht ein Kugelstoßer seine Reife."

Im Bankdrücken ist noch Luft nach oben

Umso erstaunlicher, was der angehende Polizeimeister trotz bescheidener Kraftwerte schon zustande bringt.

"David hat einen ähnlich schnellen Arm wie Ulf Timmermann", sagt Lang und verglich Storl damit schon mit dem Udo-Beyer-Rivalen, der 1988 Olympiasieger und auch Weltrekordler (23,06) war.

Lang sagt: "Im Krafttraining trennen David Welten von den anderen. Statt 260 Kilo wie Ralf Bartels bringt er gerade mal 180 Kilo im Bankdrücken."

Bartel gibt sich kämpferisch

Hallen-Europameister Ralf Bartels ist der Mann, der ein Jahrzehnt als Synomym für Kugelstoßen in Deutschland stand.

Es passiert höchst selten, dass ein aktueller Medaillengewinner wie er (2010 EM-Dritter) von einem deutschen Disziplin-Kollegen förmlich aus der Nationalmannschaft "gestoßen" wird - und dann auch noch als deren Kapitän.

"Mir fehlt trotz guter Zubringer-Leistungen derzeit das Gefühl für die Kugel. Aber ich will gegen Storli nicht klein beigeben", sagt der 33-Jährige aus Neubrandenburg.

Bartels zieht ansonsten den Hut vor dem Youngster: "Er wird seinen Weg machen. Auch wenn es in Neuseeland ein 16 Jahre altes Supertalent namens Jacko Gill mit noch viel besseren Vergleichswerten gibt. Doch Olympiasiegerin Valeri Adams, die oft mit Gill trainierte, zweifelt angesichts seines enormen Krafttrainings schon, wie lange das noch gut geht."

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