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Bisher konnte Christophe Lemaitre (r.) Usain Bolt (l.) noch nicht bezwingen © getty

Der Europameister geht bescheiden ins 200-m-Duell gegen Usain Bolt beim Meeting in Paris - von Heimvorteil im Vorfeld keine Spur.

Von Christian Akber-Sade

Paris - Schon bei der Präsentation der Athleten vor der Weltpresse in Paris wird deutlich, wie die Rollen vor dem Diamond League-Showdown am Freitagabend (20 Uhr LIVE auf SPORT1) verteilt sind.

Auf der einen Seite der Superstar: Usain Bolt. Für ihn wird eigens ein Konferenzsaal zur Medienbühne umgestaltet.

Auf der anderen Seite Europameister Christophe Lemaitre. Der Franzose muss sich einen Tag später zwischen zehn weitere Athleten drängeln und geduldig die Fragen der Pressevertreter beantworten. Nicht gerade das, was unter einem Heimvorteil verstanden werden könnte.

Lemaitre: 100 Meter unter 10 Sekunden

Nichtsdestotrotz wartet die Leichtathletikwelt gespannt auf das 200-Meter-Duell des lokalen Shootingstars mit dem Weltrekordhalter aus Jamaika, welches der Veranstalter pathetisch mit "Kampf der Kulturen" betitelt.

"Ich bin definitiv noch nicht auf einem Level mit Leuten wie Bolt oder Powell", meint Lemaitre bescheiden. Dabei hat der 21-Jährige bereits eine beeindruckende Vita vorzuweisen.

Er ist weltweit der erste hellhäutige Sprinter, der die 100 Meter unter 10 Sekunden gelaufen ist und mit der schwarzen Sprinterriege mithalten kann. Mit ihm stellt Frankreich den ersten Europameister über diese Distanz seit 1962.

"Ich bin stolz auf ihn"

"Er ist extrem gut drauf. Ich bin stolz auf ihn", sagt Bolt über Lemaitre und macht damit auf leicht arrogante Weise klar, wer unabhängig vom Nachnamen Meister und wer Schüler ist. Doch der Jamaikaner kann sich das durchaus leisten.

Gerade nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Tyson Gay ist er der absolute Topfavorit. Bolt selbst will aber nichts von einer Vorentscheidung wissen. "Für mich hat sich durch seinen Ausfall nichts geändert. Ich kann mich auch so nicht zurücklehnen", sagt der 24-Jährige mit Blick auf das Teilnehmerfeld über die 200-Meter-Distanz.

Neben Christophe Lemaitre dürften dort seine Landsleute Steve Mullings und Asafa Powell die stärksten Konkurrenten sein.

Bolt noch nicht in Topform

Zuletzt hatte Bolt eine Wettkampfpause eingelegt. Da sich trotz der Siege in Ostrau und Oslo keine richtige Topform einstellen wollte, trainierte der Olympiasieger intensiv mit seinem Trainer Glen Mills in der jamaikanischen Heimat.

Jetzt scheint er für seine Lieblingsstrecke gerüstet. "Ich habe getan, was getan werden musste, und fühle mich deutlich besser."

Deutsche Hoffnungen

Durch den alles überstrahlenden "Kampf der Kulturen" gerät leicht in Vergessenheit, dass es im Stade de France weitere hochklassige Leichtathletikwettkämpfe gibt. Die deutschen Hoffnungen ruhen hier vor allem auf Speerwerferin Christina Obergföll und Diskuswerfer Robert Harting.

Auch Hochspringer Raul Spank und Stabhochspringer Malte Mohr kämpfen um vordere Plätze mit. Seine Teilnahme in Paris absagen musste hingegen Sebastian Bayer. Den Hallen-Europameister im Weitsprung plagen Knieprobleme.

Höhepunkt wird jedoch trotzdem das 200-Meter-Rennen der Herren. Und sollte Christophe Lemaitre dem Superstar der Leichtathletikwelt Paroli bieten können, wartet in Zukunft vielleicht auch auf ihn ein eigens hergerichteter Pressesaal.

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