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Christian Blum ist ein ehemaliger Schützling von Ewald K. © getty

Der langjährige Bundestrainer Ewald K. hat laut Staatsanwaltschaft ein Geständnis abgelegt. Seine Schützlinge sind überrascht.

München - Wegen dringenden Tatverdachts auf sexuellen Missbrauch von Kindern sitzt ein erfolgreicher deutscher Leichtathletik-Trainer in Untersuchungshaft.

Ewald K., der von 1999 bis 2005 Disziplintrainer der 110-m-Hürdenläufer im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) war, hat laut Staatsanwaltschaft inzwischen ein Geständnis abgelegt. Im Falle eines Schuldspruchs drohen ihm bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Der ermittelnde Staatsanwalt Rüdiger Hödl bestätigte der Süddeutschen Zeitung die Anzeige eines Betroffenen gegen den in München-Stadelheim inhaftierten Ewald K.

Zehn konkrete Fälle

Nach den Worten Hödls wurden "bisher zehn konkrete Fälle ermittelt mit Tatzeit, Tatort, Tathergang, Täter". Es gebe Geschädigte mit mehreren Fälle.

All dies soll sich zwischen 1985 und 2000 im Privathaus des Trainers im bayerischen Penzberg sowie in Trainingslagern zugetragen haben. "Wir ermitteln weiter. Wir sind erst am Anfang", sagt Hödl.

Auf seiner Internetseite erklärte der Bayerische Leichtathletik-Verband (BLV) am Dienstagabend, bislang werde dem BLV Akteneinsicht verweigert.

BLV zieht Konsequenzen

Das Arbeitsverhältnis von Ewald K. ruhe seit dem 18. November 2008. Die Gehaltszahlungen würden bis zur endgültigen juristischen Klärung des Sachverhaltes von diesem Tag an eingestellt.

Am 18. November hatten Kriminalbeamte Ewald K. in der Münchner Werner-von-Linde-Halle mitten im Training verhaftet. Namen der Geschädigten sind bisher nicht bekannt.

DLV-Präsident Clemens Prokop, im Hauptberuf Amtsgerichtsdirektor, wartet noch auf Fakten, die offenbar der Staatsanwaltschaft vorliegen: "Dann werden wir sofort alle möglichen Ermittlungen vornehmen."

Schützlinge entgeistert

Zwei Schützlinge von Trainer K. konnten die Vorwürfe nicht bestätigen. "Für mich ist das eher abwegig", kommentierte Christian Blum, einer der deutschen Spitzensprinter und Musterschüler des Trainers.

Auch Jan Schindzielorz, über Jahre erfolgreicher Hürdensprinter, sagt, er habe seit 1995 viele Trainingslager mit K. bestritten, teilweise das Hotelzimmer mit ihm geteilt: "Ich kann diese Vorwürfe aus meiner persönlichen Erfahrung nicht bestätigen."

Langjährige Trainererfahrung

Der Betroffene ist seit über 25 Jahren Trainer. 18 Jahre lang verdiente er sein Geld in der Gastronomie, als stellvertretender Restaurantleiter im Münchner Luxushotel Bayerischer Hof. Tätig war er als Trainer beim TSV Penzberg, später beim LAC Quelle Fürth, beim DLV und BLV.

Der BLV verweist darauf, dass die Vorwürfe gegen K. (1985 bis 2000) nach aktuellem Kenntnisstand in den Zeitraum vor Abschluss des Arbeitsvertrages mit dem BLV (1. Januar 2001) fallen.

Ansonsten sei der Trainingsbetrieb in der Linde-Halle nicht beeinträchtigt. Der BLV strebe eine schnellstmögliche Klärung der arbeitsrechtlichen Situation und eine Schließung der entstandenen personellen Lücke an.

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