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Rico Freimuth (l.) und Pascal Behrenbruch vertreten den DLV bei der WM in Daegu © dpa Picture Alliance

Die deutschen Mehrkämpfer lassen die Schmach von Barcelona vergessen. Drei Athleten vertreten den DLV bei der WM in Daegu.

Ratingen - Die Renaissance des deutschen Zehnkampfes ist eng verbunden mit dem Namen Rico Freimuth.

Das Meeting in Ratingen zeichnete das noch unfertige Bild eines Mannes und Modell-Athleten, der 23 Jahre nach seiner Geburt im Rücktritts-Jahr seines Vaters Uwe wie einst dieser auf dem Weg zur Weltklasse ist.

Zusammen mit "JFK" Jan-Felix Knobel und Pascal Behrenbruch vertritt Freimuth die deutschen Farben bei den Weltmeisterschaften in Daegu und lässt damit ein wenig das Debakel von 2010 vergessen, als bei der EM in Barcelona erstmals kein deutscher Zehnkämpfer am Start war.

Jungen drängen nach

"Ja, man könnte von einem Generationenwechsel sprechen, wenn man sieht, wer jetzt in Daegu mit dabei ist und welche Jungs von hinten noch nachdrängen", sagte Rico Freimuth mit einem gewissen Stolz in den Augen.

Mit freiem Oberkörper stand der 1,95-m-Hüne aus Halle an der Saale nach dem besten Zehnkampf seines Lebens mit 8287 Punkten und dem WM-Ticket in der Tasche mitten auf dem grünen Rasen des Stadions in Ratingen (BERICHT: Deutsche Mehrkämpfer im Rausch: "Auf nach Daegu") und ließ erahnen, wie die Zukunft des deutschen Zehnkampfes aussehen könnte.

Starke Leistung unter Druck

"Ich bin noch in einem Reifeprozess, um mich selber zu finden", sagte Freimuth, im Laufe des Meetings hatte er davon gesprochen, "wenigstens ein halber Mann" zu sein. Der "harte Kampf" in Ratingen hatte den Himmelsstürmer auch Demut gelehrt und wurde keineswegs zum Selbstläufer.

So wackelte Freimuth bei 4,60 m im Stabhochsprung mit zwei Fehlversuchen und erlöste sich im Diskus- und Speerwerfen jeweils erst im letzten Durchgang. Dann aber richtig.

"Der dritte Versuch mit dem Speer war die pure Angst. Da habe ich alles reingelegt, es hat einen Ruck durch meinen ganzen Körper getan", sagte Freimuth, der seine Bestleistung um rund fünf Meter auf 65,04 m steigerte.

Neue Perspektiven

"Diese Leistung eröffnet wieder ganz neue Perspektiven. Sie zeigt aber auch, wie viele Reserven bei Rico noch da sind. Er hatte sicher gedacht, nach Götzis in der einen oder anderen Disziplin schon weiter zu sein", sagte Zehnkampf-Bundestrainer Rainer Pottel.

Der wollte zwar nicht von einem Generationenwechsel sprechen, weil "die Alten wie Michael Schrader oder Behrenbruch noch gar nicht so alt sind", freute sich aber trotzdem, dass die "jungen Leute von hinten drücken".

Viele Reserven bei Freimuth

Das Thema Barcelona ("Solche Tiefpunkte gibt es immer wieder") ist damit vom Tisch, der Blick geht Richtung Daegu und London 2012.

"Bei Rico hat es in diesem Jahr 'klick' gemacht, er hat begriffen, was es heißt, Zehnkämpfer zu sein. Er hat auch in seiner Persönlichkeit eine Entwicklung durchgemacht. Aber noch gibt es viele Reserven, noch ist er unfertig", sagt Freimuths Trainer Wolfgang Kühne.

Behrenbruch mit Aufholjagd

In Freimuths Schatten kämpfte sich auch der unberechenbare Behrenbruch zum WM-Ticket durch. Der "überglückliche" 26-Jährige erlebte ein Wechselbad der Gefühle, nach schwachen 4,40 m im Stabhochsprung wusste Pottel zwar, "dass Pascal das kann, aber geglaubt habe ich nicht mehr dran". (BERICHT: Zehnkampf-Duo mit WM-Rückenwind)

Doch Meeting-Rekord (71,40) mit dem Speer und ein beherzter 1500-m-Lauf ("Da hat er bewiesen, dass er sich durchbeißen kann") ebneten den Weg zu 8232 Punkten und nach Daegu. Dort soll es "mindestens Bestleistung" werden.

Auf den Spuren des Vaters

Als Lernender reist Freimuth ("Ich habe mich riesig für Pascal gefreut") nach Asien. An der Seite seines Freundes Knobel, der bereits in Götzis 8288 Punkte erzielt hatte, will Spätstarter Freimuth ("Habe erst mit 15 angefangen") bei der WM noch einmal eine Leistung wie in Ratingen abrufen.

In Südkorea schließt sich der Kreis. Uwe Freimuth, dessen Bestleistung von 8792 Punkten immer noch Platz zwei in der ewigen deutschen Rangliste bedeutet, beendete 1988 in Ricos Geburtsjahr seine aktive Karriere bei Olympia in Seoul.

In Daegu schreibt nun Rico Freimuth die Geschichte des deutschen Zehnkampfes weiter.

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