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Christina Obergföll holte 2010 bei der EM in Barcelona die Silbermedaille © intern

Die Speerwerferin kratzt an ihrer eigenen Bestmarke. Hürden-Ass Fleischhauer scheitert durch ein böses Malheur. WM-Normen fehlen.

Kassel - Speerwurf-Ass Christina Obergföll holte sich mit ihren 68,86 m fast die Jahresweltbestleistung zurück, doch ansonsten blieb der große Glanz bei den deutschen Meisterschaften aus.

Statt WM-Normen regnete es in Kassel zu oft Bindfäden bei den kältegeschädigten deutschen Leichtathletik-Meisterschaften.

Ein böses Malheur hat dagegen 400-m-Hürdenläufer Georg Fleischhauer den Titel gekostet: Weil die Trainerin des Dresdner es versäumt hatte, seine Startkarte rechtzeitig abzugeben, musste Fleischhauer beim Finale zuschauen.

Die schlechten Bedingungen blieben auch am zweiten Tag des nationalen Kräftemessens das Hauptthema - zum Leidwesen aller Beteiligter.

"Werden Athleten mit Zukunft nicht zuhause lassen"

"Wir werden Athleten mit Zukunft nicht zu Hause lassen, weil das schlechte Wetter hier mehr gute Leistungen verhinderte, sondern ihnen bei der Nominierung Chancen einräumen", erklärte Guenther Lohre als Vizepräsident Leistungssport.

Das gut 60-köpfigen vorläufigen WM-Team wir am Dienstag bekanntgegeben. In diesem stehen rund zehn Medaillenhoffnungen für die WM im südkoreanischen Daegu (27. August bis 4. September).

Die Mannschaft soll bis zum Meldeschluss des Weltverbandes IAAF am 14. August aufgestockt werden.

Obergföll zufrieden

"Wir hoffen, dann sind auch die verletzte Hürdenläuferin Karolin Nytra, Speerwerfer Till Wöschler und der aus privaten Gründen in Kassel fehlende Kugelstoßer Ralf Bartels wieder an Bord", erklärte DLV-Leistungssport-Direktor Thomas Kurschilgen bei den trotz widriger Bedingungen mit insgesamt 30.000 Zuschauern stimmungsvollen Titelkämpfen.

Zwei Tage nachdem sie ihre Saisonbestmarke (68,01) bei der Niederlage von Monte Carlo an Tschechiens Weltrekordlerin Barbora Spotakova (69,45) verloren hatte, konterte Christina Obergföll etwas zu kurz.

"Aber 68,86 m sind angesichts dieser Bedingungen stark", freute sich die Olympiadritte. Europameisterin Linda Stahl scheiterte mit 57,76 m erneut an der Norm und muss um den WM-Start bangen.

Fleischhauer ausgebremst

Hausgemachte Probleme bremsten dagegen Hürdenläufer Fleischhauer aus. Nach seinem Malheur unterbot David Gollnow in 49,56 Sekunden als zweiter Deutscher die B-Norm. Schafft keiner von beiden noch die A-Norm, fliegt nur einer zur WM.

"Er darf nicht starten, die Regel bietet keine Chance hierfür", erklärte Guenther Lohre, Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), in der Affäre um die rund 35 Minuten zu spät abgegebene Startkarte.

"Ich hoffe noch immer auf irgend eine Lösung durch die Jury. Aber die Chancen stehen nicht gut", hatte der 22 Jahre alte Sachse, der die bisher in 49,50 Sekunden knapp verpasste A-Norm für die WM (49,40) in Kassel nachholen wollte, am Vorabend gesagt.

Eine Bahn zu wenig

Das Problem entstand, weil seine mit der Dresdener 4x100-m-Staffel beschäftigte Trainerin Erika Falz vergessen hatte, die Startkarte für den 400-m-Hürden-Vorlauf rechtzeitig abzugeben.

Fleischhauer durfte zwar in Runde eins außer Konkurrenz laufen und war in 49,97 Schnellster von allen. Doch er war nicht regelkonform für das Finale qualifiziert, in dem nur acht Läufer starten können.

"Leider gibt es keine neun Bahnen. Darum hat Georg Fleischhauer keinen Startplatz im Finale. So sind leider die Regeln. Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft", sagte Thomas Kurschilgen, Sportdirektor des DLV.

Harting mit Mühe

Diskus-Weltmeister Robert Harting mühte sich am Sonntag zu 65,72 m. "Mein Training ist ganz auf die WM abgestellt" meinte der Berliner, der in dieser Saison mehrfach die Weltbesten schlug und mit 68,99 m Weltranglisten-Erster ist.

Nach seinem 15. Sieg in Serie seit dem 8. August 2010 zollte er dem Publikum Lob: "Schwierige Bedingungen, aber die Leute haben es wettgemacht."

Bei 12 Grad schraubte Hochspringer Raul Spank seinen "Kälterekord" auf respektable 2,31 m. Mit dem Stab holte sich der Weltranglistenvierte Malte Mohr mit 5,72 m den Titel.

Bei der WM fehlen wird Altmeister Tim Lobinger (Oberschenkelverletzung), der den Rudolf-Harbig-Preis erhielt (NEWS).

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