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Usain Bolt ist amtierender Welt- und Olympiasieger über 100 und 200 Meter © getty

Dem Sprint-Weltrekordler fehlt die Dominanz der letzten Jahre. Landsmann Powell setzt den Jamaikaner gehörig unter Druck.

München - Usain Bolt sucht seine Leichtigkeit, Asafa Powell sendet die nächste Kampfansage, und Christophe Lemaitre dringt in Sphären vor, die nie zuvor ein weißer Sprinter erreicht hat:

Einen Monat vor der Leichtathletik-WM in Daegu (27. August bis 4. September) rücken die schnellsten Männer der Welt zusehends ins Rampenlicht.

Immer stärker zeichnet sich dabei ab, dass Superstar Bolt in Südkorea möglicherweise nicht die gewohnte Rolle des unumstrittenen Dominators spielen wird.

Angst vor Verletzung

Beim Diamond-League-Meeting in Stockholm gewann der dreifache Olympiasieger aus Jamaika am Freitagabend zwar ungefährdet über 200 m, blieb in 20,03 Sekunden aber erneut weit hinter seinen eigenen Ansprüchen und der von ihm gehaltenen Jahresweltbestzeit (19,85) zurück.

"Technisch war es kein gutes Rennen, weil die Kurven hier recht eng sind und ich vor der WM keine Verletzung riskieren wollte", sagte Bolt, "aber insgesamt war der Lauf gut, auch wenn ich eine bessere Zeit wollte."

Nicht auf dem 2009-Level

Mit seinem Lauf im Stockholmer Olympiastadion unterstrich der 24-Jährige seine Aussage vom Meeting in Monte Carlo eine Woche zuvor.

"Ich bin nicht auf dem gleichen Level wie 2009, kann dieses Jahr keine Glanzzeiten laufen. An den Weltrekord denke ich erst wieder vor Olympia 2012 in London", meinte der Ausnahme-Sprinter.

Bei der WM in Berlin hatte Bolt über 100 (9,58) und 200 m (19,19) neue Maßstäbe gesetzt.

Powell schneller als Bolt

Rivale Powell, dem Landsmann Bolt 2008 den 100-m-Weltrekord entrissen hatte, bestätigte derweil seine aktuelle Topform.

Der 28-Jährige, mit 9,78 Sekunden schnellster 100-m-Sprinter der laufenden Saison, siegte beim Meeting in Budapest in 9,86 und blieb zwei Hundertstel unter Bolts Jahresbestmarke (9,88).

Schon im Vorlauf hatte Powell die Zehn-Sekunden-Marke deutlich unterboten (9,90). (BERICHT: Peinliche Panne überschattet WM-Nominierung)

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Lemaitre steigert eigene Bestzeit

Dreifach-Europameister Lemaitre steigerte derweil beim Meeting in Albi seinen französischen 100-m-Rekord bei optimalem Rückenwind von 2,0 Metern um drei Hundertstel auf 9,92 Sekunden.

In der ewigen europäischen Bestenliste liegen nur der gebürtige Nigerianer Francis Obikwelu (Portugal/9,86) und der Brite Linford Christie (9,87) vor Lemaitre, der im vergangenen Jahr als erster Weißer die Zehn-Sekunden-Marke geknackt hatte.

"Bei der WM will ich ins Finale und da unter die ersten Fünf. Ich will in die Sprint-Hierarchie reinplatzen", sagte Lemaitre.

Merritt meldet sich zurück

In Stockholm stand am Freitagabend neben Bolt vor allem das Comeback von LaShawn Merritt im Mittelpunkt. Nach 21 Monaten Dopingsperre unterlag der 400-m-Weltmeister aus den USA in 44,74 Sekunden Jamaikas Hoffnungsträger Jermaine Gonzales (44,69).

Merritt war 2009 das zur Potenzsteigerung eingenommene Mittel DHEA zum Verhängnis geworden. "Ich bin sauber. Meine Mutter und mein Team haben an mich geglaubt und werden das auch weiterhin tun", sagte Merrit, der als Titelverteidiger automatisch für die WM qualifiziert ist.

Thorkildsen steigert Jahres-Rekord

Für Jahresweltbestmarken sorgten in der schwedischen Hauptstadt Norwegens Speerwurf-Olympiasieger Andreas Thorkildsen mit 88,43 m, Australiens neue Weitsprung-Hoffnung Mitchell Watt mit Landesrekord von 8,54 m bei 1,7 m Rückenwind und die Kenianerin Vivian Cheruiyot in 14:20,87 Minuten über 5000 m.

Thorkildsen verwies wie bei der EM 2010 in Barcelona den Saarbrücker Matthias de Zordo (84,37) auf Rang zwei.

In Budapest setzte sich zudem der ungarische Diskuswerfer Zoltan Kövago an die Spitze der Weltrangliste. Der Olympiazweite von Athen blieb mit 69,50 m 51 cm über der Marke des derzeit verletzten Weltmeisters Robert Harting.

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