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Carolin Nytra gewann 2010 in Barcelona Bronze über 100 Meter Hürden © dpa Picture Alliance

Nach Europameisterin Sailer muss auch die Hürdensprinterin für Daegu absagen. Das Läuferproblem des Verbandes verschärft sich.

München - Am Mittwoch hakte Carolin Nytra die WM in Daegu ab und setzte sich London 2012 als nächstes großes Ziel.

Ein Muskelfaserriss machte der Hallen-Europameisterin einen Strich durch die Rechnung, zudem schmerzt der Rücken.

Das verletzungsbedingte WM-Aus der Hürdensprinterin macht die Läufermisere in der deutschen Leichtathletik drastisch deutlich:

Während im Sprung, Wurf und Mehrkampf in insgesamt 18 Disziplinen 36 Männer und Frauen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) A-Normen für die WM in Südkorea (27. August bis 4. September) schafften, dürfen in 22 Laufdisziplinen gerade mal vier Deutsche beim Saisonhöhepunkt an den Start gehen.

Vier Sprinter qualifiziert

"Es gibt dennoch Fortschritte im Laufbereich. In eineinhalb Jahren werden wir die positiven Auswirkungen haben", sagt der für Sprinter, Mittel- und Langstreckler zuständige Cheftrainer Idriss Gonschinska.

Doch man muss den Aufwärtstrend schon mit der Lupe verfolgen, sonst wird er nicht augenfällig. Die Fakten sind erst einmal andere.

Eineinhalb Wochen vor der dem endgültigen Nominierungsschluss (14. August) für die WM haben gerade mal vier Sprinter die A-Norm geknackt. (64 Tickets für Daegu vergeben)

Hürden-Sprinter ziehen nach

Vor dem vergangenen Wochenende war Yasmin Kwadwo, bei der Kasseler DM im 100-m-Finale mit Fehlstart ausgeschieden, in 11,29 Sekunden, exakt der vom Weltverband IAAF geforderten Richtzeit, noch die Einzige.

Dann zogen drei Hürdensprinter nach: Willi Mathiszik (ebenfalls Wattenscheid) in 13,48, Erik Balnuweit in 13,49 und Cindy Roleder (beide Leipzig) in 12,91.

Lieber Geld statt WM

Zwar hat auch Irina Mikitenko (Gelnhausen) mit ihren 2:24:24 Stunden über 42,195 km die A-Norm erreicht, doch die zweimalige Siegerin der Marathon-Weltserie verzichtet in der heißesten Stadt Südkoreas auf den WM-Start und läuft lieber im Herbst einen lukrativen Stadt-Marathon.

2012 wird die dann 40 Jahre alt werdende Athletin ihre Karriere wahrscheinlich in London auf der längsten olympischen Laufdistanz ausklingen lassen. (BERICHT: Peinliche Panne überschattet WM-Nominierung)

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Zwei Mannheimer, zwei Verletzungen

Systematisch falsches Training scheint jedenfalls nicht hinter den Verletzungen von zwei Mannheimer Weltklasseläuferinnen zu stecken.

Denn drei Wochen vor Carolyn Nytra, bei der ein Muskelfaserriss und Rückenbeschwerden zum WM-Verzicht führten, hatte bereits ihre Klubkameradin Verena Sailer die Saison beendet.

Auch für die Überraschungs-Europameisterin von Barcelona 2010 war dies ein herber Rückschlag in der Karriere. Beide hoffen nun auf Olympia 2012.

Keine falschen Schlüsse ziehen

"Zwei unterschiedliche Athletinnen, zwei andere Disziplinen, zwei verschiedene Verletzungen - und zwei unabhängig voneinander arbeitende Trainer. Man kann daraus nicht den Schluss ziehen, dass in Mannheim falsch gearbeitet würde", meinte Nytras Trainer Rüdiger Harksen zum WM-Verzicht der 26-Jährigen, die 2010 über 100 m Hürden Bronze bei der Europameisterschaft in Barcelona gewonnen hatte.

Mit Gold und der Steigerung auf 11,10 Sekunden hatte dort die bei Valerij Bauer trainierende Verena Sailer überrascht.

Ziel ist Olympia in London

Carolin Nytra, die am 13. August in Mannheim die WM-Norm nachliefern wollte, streckte am Mittwoch endgültig die Waffen.

"Caro ist in den letzten zwei Jahren zur Weltklasseathletin gereift, noch im März dieses Jahres war sie als Hallen-Europameisterin zweitschnellste Hürdensprinterin in der Welt. Dieses Potenzial kann sie nur völlig gesund abrufen. Da sind wir wieder auf dem Weg. Ich bin sehr optimistisch, dass wir im Jahr 2012 das Ausgangsniveau 2010/2011 mindestens wieder erreichen werden", meinte Harksen über die Freundin von Weitsprung-Halleneuroparekordler Sebastian Bayer.

Auch der Hamburger muss erst noch die A-Norm (8,20) nachliefern, um bei der WM starten zu können.

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