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Martina Strutz führt mit 4,78 Meter die Weltjahresbestenliste an © dpa Picture Alliance

Wenige Wochen vor der WM präsentieren sich Strutz und Spiegelburg in Top-Form. Die Olympiasiegerin verfällt in alte Muster.

Von Annette Bachert

München - Erst sechsmal wurden WM-Medaillen im Stabhochsprung der Frauen vergeben.

Nur ein einziges Mal davon durfte eine Deutsche Sportlerin auf dem Treppchen jubeln.

Das war bei der Weltmeisterschaft 2003 in Paris, als Annika Becker mit übersprungen 4,70 Meter Silber gewann.

Seitdem kam bei Welt-Titelkämpfen keine DLV-Athletin mehr aufs Podium.

In diesem Jahr soll alles anders werden. In Daegu bringt der Deutsche Leichtathletik-Verband drei erfolgsversprechende Stabhochspringerinnen an den Start (434833DIASHOW: Der DLV-Kader für die WM).

"Irgendwann war der Rekord fällig"

Allen voran die frischgebackene Deutsche Meisterin, deutsche Rekordhalterin und erste der Jahresbestenliste: Martina Strutz.

2011 kam die 29-Jährige nach Jahren in der Versenkung auf die Leichtathletik-Bühne zurück.

In mehreren Wettkämpfen übersprang sie 4,70 Meter und Mitte Juli dann 4,78 Meter. Damit knackte Strutz den deutschen Rekord von 4,77 Meter, den - wie sollte es auch anders sein - Annika Becker vor ziemlich genau neun Jahren aufgestellt hatte.

"Irgendwann war der Rekord fällig. Ich habe ihn ja lange genug versucht", sagte Strutz danach.

Mit Diät und Wurf-Coach zum Erfolg

Doch an solche Höhen war in den letzten Jahren bei der Schwerinerin nicht zu denken. 2005 noch EM-Fünfte und im Jahr darauf Deutsche Meisterin, ging es seitdem stetig bergab. Bis zu ihrem Tiefpunkt im Jahr 2010, als sie eine "Bestleistung" von 4,30 Meter sprang.

Doch dann wechselte die Stabhochspringerin den Verein, den Trainer, die Stäbe, blieb verletzungsfrei und stellte ihre Ernährung um. Etwa zehn Kilo soll sie laut Manager Jochen Wetter verloren haben.

"Manchmal muss man ungewöhnlich Dinge tun, um sich zu verbessern", so Strutz. Damit ist vor allem ihr neuer Coach Thomas Schult, ursprünglich ein Wurf-Trainer, gemeint.

Spiegelburg nicht interessiert

Zwar keinen Trainerwechsel, dennoch überragende Leistungen in dieser Saison hat auch die deutsche Nummer zwei, Silke Spiegelburg, vorzuweisen.

In der Diamond League entschied die Leverkusenerin zwei Meetings für sich und baute mit Rang zwei Ende Juli in Stockholm ihre Führung in der Gesamtwertung aus.

Mit Bestleistungen von 4,76 Meter in der Halle und 4,75 Meter im Freien ist sie eine der konstantesten Springerinnen in diesem Jahr.

Dass sie nun von der Konkurrenz aus dem eigenen Lager überflügelt wurde, interessiert die EM-Zweite nicht : "Alle reden von einem Duell, doch mich hat in dieser Saison der Rekord nicht interessiert. Ich komme eigentlich erst jetzt richtig in Fahrt."

Dennoch gibt sie sich vor dem Saisonhöhepunkt zurückhaltend: "Das kleinste Ziel ist, in Daegu das Finale zu erreichen."

Hingst als Ersatz-Frau

Die dritte im deutschen Bunde ist Kristina Gadschiew (64 Tickets für Daegu vergeben).

Die 27-Jährige übersprang in diesem Jahr bereits mehrfach die WM-Norm von 4,60 Meter und sichert sich damit das dritte Ticket für Daegu. Die Jahresbestleistung der WM-Zehnten von 2009 liegt bei 4,66 Meter.

Als Ersatz-Springerin für die WM steht Carolin Hingst auf der Liste des DLV.

Sieg beim Comeback

Die Weltrekordhalterin (5,06 Meter) und die Gejagte bei dieser WM ist wie so oft Jelena Issinbajewa.

Die Russin, die den Stabhochsprung der Frauen in den letzten Jahren dominierte wie keine Zweite, strahlt derzeit noch nicht wieder die Gefahr aus früheren Zeiten aus.

Nach ihrer selbstauferlegten 18-monatigen Pause absolvierte die Weltmeisterin von 2007 erst drei Wettkämpfe. Bei ihrem Comeback im belgischen Heusden-Zolder ließ wie in alten Zeiten alle Gegnerinnen hinter sich und siegte mit übersprungenen 4,60 Meter.

[kaltura id="0_wbnggyb9" class="full_size" title=""Zidane-ismus" in der Leichtathletik"]

Issinbajewa mit "Salto Nullo"

Doch nur drei Tage später fiel die 29-Jährige in ein ebenso altbekanntes Verhaltensmuster zurück:

Die Olympiasiegerin überschätze sich, scheiterte an ihrer Anfangshöhe von 4,60 Meter und belegte mit dem sogenannten "Salto Nullo" den letzten Platz beim Meeting in Lignano. Die Siegerin, Becky Holliday, gewann mit einem Sprung über 4,40 Meter.

Auch bei der WM 2009 in Berlin war die Weltrekordlerin an der Anfangshöhe gescheitert.

40.000 Dollar für Spiegelburg?

Vor wenigen Tagen traf Issinbajewa dann zum ersten Mal in dieser Saison auf die beiden deutschen Überfliegerinnen und siegte prompt.

Mit 4,76 Meter setzte die Russin ein Ausrufezeichen. Beim nächsten Diamond-League-Meeting in London (ab Fr., ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) wird Issinbajewa nicht an den Start gehen.

Dafür kann sich Silke Spiegelburg die 40.000 Dollar Prämie für den Sieg im Champions Race bereits sichern.

Und Martina Strutz kann einmal mehr beweisen, dass sie in 2011 die beste Stabhochspringerin der Welt ist.

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