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Bei der Leichtathletik-WM in Daegu sollen alle 2000 Teilnehmer getestet werden © getty

Der IAAF kündigt an, alle Teilnehmer der Titelkämpfe in Daegu zu testen. Die deutschen Athleten reagieren mit Freude und Skepsis.

München/Monte Carlo - Novum im Weltsport: Der Leichtathletik-Weltverband IAAF sagt potenziellen Betrügern mit einer beispiellosen Aktion den Kampf an.

Als erster internationaler Fachverband wird die IAAF alle (rund 2000) WM-Teilnehmer per Bluttests auf Doping kontrollieren. 434833(Der DLV-Kader für die WM)

Dies kündigte der Verband 16 Tage vor dem WM-Auftakt im südkoreanischen Daegu (27. August bis 4. September) an. Die Aktion wird mindestens eine halbe Million Dollar kosten. Deutsche Spitzenathleten reagierten mit Freude und Skepsis.

Wie die IAAF bekannt gab, sollen die Proben in Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zunächst in Daegu und nach der WM im WADA-Labor in Lausanne auf Auffälligkeiten untersucht werden.

Ziel der Kontrollen, die zusätzlich zu den rund 500 regulären Urin-Proben vor und während der Wettkämpfe vorgenommen werden, ist die Erstellung und Pflege eines biologischen Passes sämtlicher Spitzenathleten, um Manipulationen unmöglich zu machen.

"Der Schritt kommt aber für die WM zu spät", sagte Betty Heidler, als Hammerwurf-Weltrekordlerin Favoritin für Daegu.

"Vielleicht hat es für einige abschreckende Wirkung", fand Kugelstoßer Ralf Bartels, oftmaliger Kapitän der Nationalmannschaft.

Funktionäre zufrieden

"Die IAAF investiert stark in ihre Glaubwürdigkeit. Ich begrüße das", erklärte DLV-Präsident Clemens Prokop nicht ohne den Hinweis, Blutkontrollen seien im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) längst auf breiter Front Usus.

Prokop glaubt, dass die Maßnahme mindestens 600.000 Euro erfordert. Er sagt: "Bei uns in Deutschland würden 2000 Kontrollen rund 800.000 kosten."

Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sagte während der Tagung der Chefs de Mission der Sommerspiele 2012 in London: "Jeder Fortschritt im internationalen Anti-Doping-Kampf ist hochwillkommen. Ich begrüße den Schritt der IAAF außerordentlich. Ich hoffe, dass das für mögliche Dopingtäter eine zusätzliche Warnlampe ist."

Heidler: Zu spät für die WM

Betty Heidler (LG Frankfurt), die im Mai mit 79,42 m Weltrekord warf, hatte erst am Montag im Training einen Bluttest.

Sie vermutet, dass trotz der angekündigten Kontrollen einige dubiose Athleten in Daegu antreten werden, denn sie sagt: "Die Bluttests hätten im Vorfeld stattfinden müssen. Da wären sie effektiver gewesen. Ich hoffe, dass dies keine einmalige Aktion der IAAF ist und auch künftig praktiziert wird."

Chancengleichheit erhofft

Für Hallen-Europameister Bartels (Neubrandenburg) ist wichtig, dass es durch die Bluttests erstmals Basisdaten von allen Athleten gibt und Abweichungen künftig Hinweise auf Manipulationen liefern könnten.

"Natürlich kommt dieser Schritt sehr spät. Aber vielleicht hat er auch eine abschreckende Wirkung. Ich hoffe, es ist kein Strohfeuer und führt zu mehr Gerechtigkeit. Denn es kann nicht sein, dass wir drei- bis viermal im Jahr Bluttests haben und einem die Konkurrenten erzählen, dass sowas bei ihnen gar nicht stattfindet", sagte der WM-Dritte.

Die Speer-Olympiadritte Christina Obergföll (Offenburg) äußert sich ähnlich.

"Ich hatte erst vor Tagen einen Bluttest. Bei uns wird ständig kontrolliert. Athleten anderer Länder erzählen, bei ihnen sei das ganz konträr. Ich hoffe, dass Daegu ein Schritt zu mehr Chancengleichheit ist."

Kleinert regt Schnelltest an

Hochspringer Raul Spank (Dresden), 2009 in Berlin WM-Dritter, macht jedoch deutlich: "Ich hatte noch nie eine Blutprobe, weil ich nicht aus einer Risikodisziplin komme. Ich kann mir nur vorstellen, dass die IAAF abschrecken will. Aber hilfreich sind nur mehrere Bluttests bei allen über das Jahr verteilt."

Kugelstoßerin Nadine Kleinert (Magdeburg) erhofft sich sogar eine weitere Verschärfung.

"Ich bin eh dafür, dass alle Athleten sich einem Schnelltest unterziehen müssen, bevor sie die Akkreditierung bekommen", sagte die WM-Zweite von Berlin.

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