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Gewinnt bei der WM 2007 Diskus-Silber: Robert Harting © getty

Auch als arbeitsloser Trainer will Werner Goldmann den Vize-Weltmeister im Diskuswerfen bei der WM 2009 zur Medaille führen.

Berlin - Auch als arbeitsloser Trainer will Werner Goldmann Vize-Weltmeister Robert Harting bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin (15. - 23. August) zur Medaille führen.

"Er hat kein Berufsverbot und wird seine Athletengruppe weiter betreuen", bestätigte Herbert Czingon als Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) am Montag.

Der 58 Jahre alte Goldmann lehnte dagegen jeden Kommentar ab, nachdem ihn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) als "Dopingtäter der früheren DDR" verurteilt und der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) zum 31. Dezember das Beschäftigungsverhältnis mit seinem verantwortlichen Kugelstoß-Coach beendet hatte.

Berliner Vereine wollen in Kürze die Finanzierung Goldmanns erörtern, der auch U-18-Weltmeisterin Julia Fischer und die U-23-EM-Siebte Jessica Kolotzi (beide Diskus) betreut.

Weitere Ermittlungen laufen noch

Laut Czingon soll einer jener beiden DLV-Trainer, gegen die momentan noch ähnliche Ermittlungen auf DOSB-Ebene laufen, kommissarisch den bisherigen Bereich von Goldmann übernehmen: Klaus Schneider (Magdeburg), der Kugelstoßerin Nadine Kleinert zu Olympia-Silber 2004 und WM-Bronze 2007 führte.

Er und Mehrkampftrainer Klaus Baarck (Neubrandenburg) müssen wie Schwimmtrainer Norbert Warnatzsch ebenfalls noch Konsequenzen durch die Dopingkommission des DOSB fürchten. Doch bei ihnen liegen bisher keine belastenden Aussagen vor.

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper erklärte am Montag, das Präsidium werde am 19. Januar die Ergebnisse der Doping-Kommission auswerten.

Wahrheitswidrige Erklärungen

Allerdings wolle er einer Entscheidung über die mögliche Rückzahlung der bei Olympia angefallenden Reise- und Aufenthaltskosten nicht vorgreifen, die das Bundesinnenministerium (BMI) in solchen Fällen normalerweise verlangt.

Dieser Punkt war auch Teil der Ehrenerklärung des DOSB, die Goldmann wie alle Betreuer unterschrieben hatte.

Darin hatte Goldmann offenbar wahrheitswidrig erklärt, zu keiner Zeit in Doping-Praktiken verstrickt gewesen zu sein.

Deutliche Kritik

Czingon übte deutliche Kritik im Umgang der deutschen Sportobrigkeit mit früheren DDR-Trainern.

Es sei irgendwie "heuchlerisch und nicht glaubwürdig", wenn man solche Mitarbeiter, die sich nach der Wende mehr als 15 Jahre tadellos bewährt hätten, von 1992 bis 2004 vier Mal zu Olympia mitgenommen habe, ihnen dies jedoch 2008 wegen 25 Jahre zurückliegender Vergehen vorweigere und sie mit dem Verlust des Arbeitsplatzes bestrafe.

Der in Mainz lebende Herbert Czingon, seit der Olympia-Pleite von Peking (nur einmal Bronze) im Bereich Sprung/Wurf/Mehrkampf neuer Cheftrainer zusammen mit dem für den Lauf verantwortlichen Rüdiger Harksen (Mannheim), sieht deutliche Versäumnisse beim einstigen Deutschen Sport-Bund (DSB).

"Job nicht richtig gemacht"

"Der hat damals seinen Job nicht richtig gemacht. Es war bekannt, dass in der DDR flächendeckend gedopt wurde. Dennoch wurden viele Trainer dieses Systems angestellt, auf welcher Grundlage auch immer. Es darf jetzt nicht sein, dass es nach so langer Zeit gegen Einzelne so schwerwiegende Entscheidungen gibt, zumal sie sich sehr lange bestens bewährt haben."

Die Trennung von Goldmann hatte der DLV im Deutschlandfunk bestätigt. "Der Arbeitsvertrag mit Werner Goldmann wird am 31. Dezember 2008 auslaufen", sagte Norbert Brenner, stellvertretender DLV-Generalsekretär.

In der "ZDF"-Sendung "Frontal 21" im Juli 2008 hatte der frühere DDR-Kugelstoßer Gerd Jacobs mitgeteilt, Anfang der 80er Jahre von Goldmann unter anderem mit dem Anabolikum Oral-Turinabol versorgt worden zu sein.

Herzplantation

Bei Jacobs, einem vom Bundesverwaltungsamt staatlich anerkannten Dopingopfer, war vor wenigen Jahren wegen einer starken Schädigung des Herzens eine Herztransplantation notwendig gewesen.

Die unabhängige Anti-Doping-Kommission des DOSB unter Vorsitz des Bundesverfassungsrichters a.D. Udo Steiner (mit Olympiasiegerin Heide Ecker-Rosendahl und dem Theologen und SPD-Bundestagspolitiker Steffen Reiche) hatte Trainer Goldmann und Dopingopfer Jacobs am 21. November angehört.

Strafverfahren eingestellt

Bereits Ende der 90er-Jahre hatten zwei ehemalige Athletinnen Goldmann vorgeworfen, ihnen als Minderjährige Dopingmittel gegeben zu haben.

Ein Strafverfahren gegen ihn wurde damals gegen Zahlung von 2000 Euro eingestellt.

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