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Wessinghage (M.) wurde 22-mal Deutscher Meister - seine Paradedisziplin: 1500 m © imago

Die Läuferlegende Thomas Wessinghage war nicht nur sportlich, sondern auch beruflich erfolgreich. Der Jubliar feiert Geburtstag.

München - Kluger Kopf auf schnellen Beinen: 15 Jahre lang zählte er als Läufer zur Weltklasse und ein Vierteljahrhundert nach Ende der Laufbahn ist sein deutscher 1500-m-Rekord noch immer ungebrochen.

Thomas Wessinghage, der 5000-m-Europameister von 1982, hat inzwischen auch als Arzt Karriere gemacht. (NEWS: Alles zur Leichtathletik)

Der Orthopäde brachte es zum Professor an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, ist Ärztlicher Direktor der Rehakliniken in Bad Wiessee am Tegernsee.

Am 22. Februar wird er 60 Jahre alt.

Laufen bleibt die Leidenschaft

Ein begeisterter Läufer ist Thomas Wessinghage geblieben.

"Fünfmal pro Woche jeweils 40 Minuten sind mein Ziel, aber ich schaffe es nicht immer", sagt der einstige Gegner der britischen Mittelstrecken-Weltrekordler Steve Ovett ("ihn habe ich über 2000 m mal geschlagen") und Sebastian Coe.

Es entspricht der Leidenschaft des einstigen Läuferstars, wenn er von den winterlichen Ausflügen in den oberbayerischen Schnee schwärmt und es zeugt auch vom damals stets spürbar gewordenen Ehrgeiz des viermaligen Hallen-Europameisters, wenn er sagt:

"Ich bin auch heute noch flott unterwegs, im Schnitt nicht viel langsamer als vier Minuten pro Kilometer."

Karriere als Mediziner

Thomas Wessinghage wollte schon immer schnell vorwärts kommen.

Neben seiner Leistungssport-Karriere war er schon mit 27 Jahren Arzt.

Später promovierte er passend zum Thema Laufen über "Verfahren zur Bestimmung der anaeroben Kapazität beim Menschen", sammelte als Orthopäde Erfahrung in einem Hospital in Los Angeles, einer Kölner Klinik, einer privatärztlichen Praxis und als Ärztlicher Leiter und Geschäftsführer einer Reha-Klinik in Norderstedt bei Hamburg.

Voller Terminkalender

Seit seiner Facharztausbildung im Bereich Physikalische und Rehabilitative Medizin ist Thomas Wessinghage Ärztlicher Direktor von Reha-Kliniken: Erst ab 1996 im saarländischen Mettlach-Orscholz, ab 2002 im schleswig-holsteinischen Damp und seit 2008 bei der Medical Park AG am Tegernsee.

Die Klinik ist auf neue Gelenke und Kardiologie spezialisiert und kooperiert mit dem Deutschen Ski-Verband.

Nebenbei veröffentlichte Wessinghage wissenschaftliche Arbeiten zu den Themen Präventivmedizin und übergewichtige Kinder, neun Bücher im Bereich Laufen/Gesundheit, hält Laufseminare und Vorträge.

Glücklos bei Olympia

Die berufliche Karriere scheint fast perfekter als die sportliche.

Denn trotz beachtlicher Erfolge hatten sich für den 22-maligen Deutschen Meister und Weltcupsieger von Montreal 1979 nicht alle Träume erfüllt.

Vor allem beim Thema Olympia hatte der Großneffe von Willi Daume, dem bedeutenden deutschen Sportführer und Chef-Organisator der Sommerspiele 1972 in München, kein Glück.

"Damals war ich bei meinen ersten Spielen zu jung, vier Jahre später in Montreal zu dumm, 1980 in Moskau durfte ich wegen des Boykotts nicht laufen und 1984 in Los Angeles war ich verletzt."

Sportliche Familie

Sportlich wuchsen auch seine drei Kinder auf, "aber Leistungssportler waren sie nie", sagt Thomas Wessinghage, dessen Ehe mit Ex-Läuferin Ellen Tittel, 1975 Deutschlands Sportlerin des Jahres, schon lange zu Ende ist:

Sohn Daniel (34) spielte Fußball, ist heute beim IT- und Beratungsunternehmen IBM tätig.

Ex-Volleyballerin Rebecca (29) arbeitet nach dem Studium der Filmwissenschaften im Bereich Kunst- und Event-Management, das einstige Tennis-Talent Markus (25) steht als Betriebswirt (MBA) vor dem Abschluss.

Ankämpfen gegen Imageverlust

"Ich bin zufrieden mit ihrer Entwicklung", sagt Thomas Wessinghage, den der älteste Filius bereits zum dreifachen Opa gemacht hat.

"Im kleinsten Kreis", will der Vater den runden Geburtstag feiern, "der 70. wird dann wieder größer zelebriert."

Nicht glücklich ist er als kritischer Geist allerdings mit dem Imageverlust seiner Sportart:

"Die Leichtathletik muss endlich alte Zöpfe abschneiden. An Traditionen festzuhalten reicht nicht", sagt Thomas Wessinghage, der vor Jahren schon einmal die Abschaffung der aus seiner Sicht unattraktiven Wurfdisziplinen gefordert hatte.

Hoffnung setzt er künftig in seinen einstigen Weggefährten Sebastian Coe, Chef-Organisator der Sommerspiele in London (27. Juli bis 12. August):

"Ich hoffe, dass er die Sportart künftig als Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF reformiert."

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