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David Storl gewann bei der Weltmeisterschaft 2011 in Daegu die Goldmedaille © imago

WM, EM und Olympia: Kugelstoß-Weltmeister David Storl fühlt sich nach seiner Jahresbestleistung für höhere Aufgaben bereit.

Karlsruhe - Bevor David Storl explodiert, verrichtet er das immer gleiche Ritual.

Ruhig, fast lethargisch, schreitet dieser Zwei-Meter-Hüne durch seinen Ring, setzt den rechten Fuß millimetergenau an den Rand und sucht sein Gleichgewicht. Dann bricht der Sturm los.

Mit enormer Kraft beschleunigt er seinen massigen Körper, um sein 7,25 Kilo schweres Arbeitsgerät mehr als zwanzig Meter weit durch die Luft fliegen zu lassen.

Kein Kugelstoßer auf der Welt beherrscht die Technik, das Angleiten, im Moment so gut wie Storl. Er stößt elegant, explosiv, und vor allem ist er unglaublich schnell.

Storl setzt Bestmarke

Am Samstag wuchtete der Weltmeister die Kugel bei den deutschen Hallen-Meisterschaften auf starke 21,40 m - in Europa hat in diesem Jahr noch kein Athlet weiter gestoßen (BERICHT: Storl setzt Ausrufezeichen).

Nur drei Amerikaner waren bei ihren nationalen Meisterschaften noch besser.

Drehstoß-Techniker Reese Hoffa erzielte mit 21,87 m die gleiche Siegweite wie Storl beim WM-Gold 2011, dahinter schnappte Ryan Whiting mit 21,60 m dem Olympiazweiten Christian Cantwell (21,53) das zweite Ticket für die Hallen-WM weg.

"Noch kleine Fehler"

Aber das kümmert Storl nicht, ihn kann nichts aus der Ruhe bringen.

Und so bewertete der erst 21-jährige Chemnitzer seinen Auftritt, der ihm immerhin Platz vier in der "ewigen" deutschen Hallenbestenliste einbrachte, auch eher nüchtern - der Koloss ist kein Schwätzer.

"Ich wollte schauen, ob die Form stimmt", sagte Storl, "ich denke 'mal, sie ist ansteigend. Aber es gibt immer noch kleine Fehler in meiner Bewegung."

Etwas überschwänglicher fiel das Fazit von Bundestrainer Idriss Gonschinska aus: "Das war eine absolute Weltklasse-Leistung. David ist zuletzt viel stabiler geworden."

Fünf Favoriten

Genau diese Qualität will der jüngste Kugelstoß-Weltmeister der Geschichte jetzt auch bei der Hallen-WM in Istanbul (9. bis 11. März) unter Beweis stellen und um eine Medaille kämpfen. Aber Kampfansagen gibt es von ihm nicht.

"Es wird auf die Tagesform ankommen, denn fünf Athleten haben das Potenzial für eine Medaille", meinte Storl, "es haben noch nicht alle gezeigt, was sie drauf haben. Es wird schon schwer genug werden."

Deshalb wolle er noch eine Woche "ordentlich trainieren, dann wird ausgeruht."

EM und Olympia warten

Kräfte sammeln, Kräfte sparen - das könnte auch das Motto der Saison werden.

Schließlich stehen für Storl im Sommer mit den Europameisterschaften und Olympia in London gleich zwei Großereignisse auf dem Programm.

"Es dürfte kein Problem sein, den Sommer voll durchzuziehen", sagte der Bundespolizist, "ich bin ja noch ein junger Athlet."

"Bohnenstange" Storl

Für einen Weltklasse-Kugelstoßer ist er nicht nur sehr jung, sondern auch ein Leichtgewicht.

Neben seinen Konkurrenten, wie den Amerikanern Cantwell und Hoffa oder Olympiasieger Tomasz Majewski aus Polen, wirkt Storl fast wie eine Bohnenstange.

Ein bisschen mehr Muskelmasse dürfe es schon sein, meint Storl - ohne aber dabei die Schnellligkeit zu verlieren.

3 Kilogramm fehlen

125 Kilo hatte er sich für Istanbul vorgenommen und ordentlich Fleisch, Nudeln, Reis und Rührei gefuttert.

Im Krafttraining legte Storl nach dem WM-Gold auch noch einmal eine Schippe drauf. Trotzdem zeigt die Waage im Moment "nur" 122 Kilo an. "Aber wenn die Leistung stimmt, ist mir das eigentlich egal", sagte Storl.

Schließlich kann keiner so explodieren wie er.

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