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Rene Herms nahm 2004 an den olympischen Spielen in Athen teil © getty

800m-Läufer Rene Herms wird in seiner Wohnung tot aufgefunden: DLV und Familie trauern, die Umstände sind ungeklärt.

Berlin - Der mysteriöse Tod von 800-m-Läufer Rene Herms schockt die deutsche Leichtathletik.

Seine Schwiegermutter fand den leblosen Körper des 26 Jahre alten zwölfmaligen deutschen Meisters von der LG Braunschweig am Samstagvormittag in seiner Wohnung in Lohmen bei Prina in Sachsen.

Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den bereits am Freitagabend eingetretenen Tod feststellen.

Die Polizei hat Ermittlungen in alle Richtungen aufgenommen. "Bisher deutet nichts auf Fremdverschulden hin", sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Oberes Elbtal.

Nachdem es erst hieß, die Leiche sei bereits zur Klärung der Todesursache zur Obduktion freigegeben, stehe dahinter mittlerweile wieder ein Fragezeichen, berichtete Herms' Managerin Kerstin Pohlers.

DLV im Schockzustand

Beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) herrscht derweil Fassungslosigkeit. "Wir sind zutiefst betroffen. Es ist tragisch, wenn so ein junger Athlet stirbt, der fast das ganze Leben noch vor sich hat", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop.

Er bezeichnete Herms, der mit seiner Bestzeit von 1:44,14 Minuten (2004) fünfschnellster Deutscher der Geschichte ist, als Ausnahmetalent. "Sein Tod ist ein schwerer Verlust für die deutsche Leichtathletik. Unsere Gedanken sind bei seiner Ehefrau, und unser Mitgefühl gilt seiner gesamten Familie."

Ehefrau wird misstrauisch

Herms' Frau Steffi, um deren Hand er 2004 nach seinem Sieg bei der DM in Braunschweig öffentlich anhielt, hatte am Samstagmorgen ihre Mutter gebeten, in der gemeinsamen Wohnung in Lohmen nach Rene zu schauen.

Denn ihr Mann, mit dem sie wegen einer Arbeitsstelle in Hannover vorübergehend eine Fernbeziehung führte, war nicht zu erreichen. Erst blieb der übliche Gute-Nacht-Anruf aus, dann ging er auch am nächsten Morgen nicht ans Telefon. Zum Training erschien der ehemalige U20- und U23-Europameister ebenfalls nicht.

Noch tags zuvor hatte Wirtschaftsstudent Herms in Dresden trainiert. "Wir haben uns ganz normal verabschiedet. Es gab überhaupt keine Anzeichen", sagte sein Trainer Dietmar Jarosch der "Bild am Sonntag": "Wir sind total geschockt."

"Es ging ihm gut"

Sein Verein, die LG Braunschweig, schrieb in einer E-Mail an seine Athleten, die dem DLV-Internetportal vorliegt, Herms habe in den vergangenen Wochen einen grippalen Infekt gehabt.

Dies bestätigte auch Managerin Pohlers. "Ich habe noch am Montag mit ihm die komplette Hallensaison abgestimmt. Es ging ihm gut, es war alles okay, außer, dass seine Nase noch ein wenig verschnupft war."

Sein ehemaliger Trainer Klaus Müller berichtete, Herms wollte am 19. Januar mit Müllers Gruppe zusammen ins Trainingslager nach Kienbaum aufbrechen.

Träume ohne Doping verwirklichen

"Ich möchte später einmal sagen können, dass ich aus meinem Leben was gemacht habe, ohne dabei etwas zu bereuen", stand noch am Sonntag auf der Homepage von Rene Herms unter dem Punkt "mein Leben".

Seine sportlichen Ziele definierte er so: alles aus sich herauszuholen und seine Träume ohne Doping zu verwirklichen: "Auch wenn ich dadurch nicht immer ganz oben auf dem Siegerpodest stehen kann."

Große Erfolge im jungen Alter

Das gelang Herms schon früh. Noch als Jugendlicher gewann er 2001 bei den Aktiven den ersten DM-Titel, dem er im Freien bis 2006 fünf weitere folgen ließ und 2002 kaltschnäuzig Olympiasieger Nils Schumann auf der Zielgeraden abhängte.

Weitere sechsmal DM-Gold gewann er in der Halle. 2001 wurde Herms U20-Europameister, 2003 U23-Titelträger. In der Aktivenklasse blieb ihm der sportliche Durchbruch jedoch verwehrt. Seine besten Ergebnisse waren Platz sieben bei der EM 2002 in München und das Halbfinale von Athen 2004.

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