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Auch Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch fordert die Rückkehr von Werner Goldmann © getty

Die Verbandsentscheidung, Goldmann zu entlassen wegen dessen Vergangenheit im DDR-Dopingsystem, löst heftige Proteste bei den Athleten aus.

Berlin - Knapp 19 Jahre nach der Wiedervereinigung steht der deutsche Sport wegen des staatlich verordneten Dopings in der ehemaligen DDR erneut vor einer Zerreißprobe.

20 führende deutsche Leichtathleten protestieren in einem offenen Brief gegen die zum Jahresende erfolgte Kündigung von Kugelstoß-Bundestrainer Werner Goldmann wegen dessen Vergangenheit im DDR-Dopingsystem.

Top-Athleten wie die dreimalige Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch, die Speer-Olympiadritte Christina Obergföll und Diskus-Vizeweltmeister Robert Harting beklagen eine "Bauernopferjagd" und fordern eine Wiedereinstellung.

Einem Trainer die Passion genommen

"Man nimmt hier nicht nur einem sehr guten Trainer einen Job weg, sondern zerstört ein Leben, welches einer Passion gewidmet ist, und erschwert einigen Athleten den Weg zu ihrer Passion."

Das schrieben die Sportler an das Bundesinnenministerium, den Deutschen Olympischen Sportbund, den Deutschen Leichtathletik-Verband und die Presse.

Dopingversorgung in der DDR

Der DLV hatte den Vertrag von Goldmann auf Empfehlung der unabhängigen Anti-Doping-Kommission des DOSB unter Vorsitz des Bundesverfassungsrichters a.D. Udo Steiner auslaufen lassen.

Im Juli hatte der frühere DDR-Kugelstoßer Gerd Jacobs gesagt, er sei Anfang der 80er Jahre von Goldmann unter anderem mit dem Anabolikum Oral-Turinabol versorgt worden.

Jacobs ist ein staatlich anerkanntes DDR-Dopingopfer.

Wie Entzug von Lebenselexier

"Wird jedem ehemaligen Sportler ohne Weiteres Glauben geschenkt, auch wenn es dafür keine Beweise gibt?", fragen die Athleten in ihrem Brief.

Die Kündigung Goldmanns gleiche einem "Entzug von Lebenselixieren": "Als würde man einem Musiker lebenslang Instrumentenverbot geben, einem Künstler die Farbtöpfe versiegeln oder dem Sänger die Stimmbänder lähmen."

Die Gründe für die Entscheidung lägen 25 Jahre zurück: "Mörder sind nach solchen Zeiten amnestiert, entlassen oder rehabilitiert, aber im Fall Goldmann gibt es keine Frist.

Entscheidung nicht nachvollziehbar

Kritisiert wird, dass keiner der nach der Wende von Goldmann betreuten Athleten wie der Diskus-WM-Zweite Harting oder Diskus-U18-Weltmeisterin Julia Fischer angehört worden ist.

"Wir hatten die Möglichkeit, uns ein umfassendes Bild von Goldi zu machen, und können nur sagen, dass wir diese Entscheidung absolut nicht nachvollziehen können." Sie mache betroffen und schüre Ängste.

Ehrenerklärung vor Peking

Scharf angegriffen wird der DOSB, der vor Olympia in Peking all seine Betreuer wie Goldmann eine Ehrenerklärung unterschreiben ließ. In dieser musste versichert werden, nicht in Doping-Praktiken verstrickt gewesen zu sein.

"Wie kann der DOSB einem sportverrückten Trainer eine Ehrenerklärung vorlegen, von der man weiß, dass sie nicht erfüllt werden kann?" Weil er trotzdem seine Unterschrift gab, muss Goldmann nun mit der Rückforderung der Reisekosten rechnen.

Strafverfahren eingestellt

Bereits Ende der 90er Jahre hatten zwei ehemalige Athletinnen Goldmann vorgeworfen, ihnen als Minderjährige Dopingmittel gegeben zu haben.

Ein Strafverfahren gegen ihn wurde damals gegen Zahlung von 2000 Euro eingestellt. Aus Sicht der Schreiber des offenen Briefs sind Trainer wie Goldmann seitdem "rechtlich rehabilitiert".

Kritik auch an Presse

Harsche Kritik üben sie auch an der Presse, die stets vor sportlichen Höhepunkten solche vermeintlichen Neuigkeiten aus dem Hut ziehe: "Warum wird immer wieder Unruhe und Stress in die Vorbereitung der Sportler gebracht, die ohnehin schon unter einem hohen Druck stehen?"

In diesem Zusammenhang wird eine Abhängigkeit von DOSB und DLV von der Presse beklagt: "Hätte es die Entlassung auch gegeben, wenn die Presse über diese Sache nicht berichtet hätte, oder war Goldi wirklich nur ein Bauneropfer?"

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