Hartings Diskus fliegt zum vierten deutschen Gold
Helsinki - Im Regen von Helsinki flog Robert Hartings Diskus zum vierten deutschen EM-Gold.
Mit 68,30 m setzte der zweimalige Weltmeister die Konkurrenz matt und die größte Siegesserie der aktuellen Weltklasse-Leichtathleten fort.
"Jetzt fehlt mir nur noch der Olympiasieg", sagte Robert Harting, als er nach Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch und den Kugelstoßern David Storl und Nadine Kleinert ein deutsches Gold-Quartett komplett gemacht hatte.
"Der 30. Sieg in Serie soll bei Olympia folgen", meinte Harting nach dem 28. Erfolg seit 2010.
Bronze für Möldner-Schmidt
Die achte deutsche Medaille gewann fast zur gleichen Zeit Antje Möldner-Schmidt (LC Cottbus), die in 9:36,37 Minuten Bronze beim Sieg der Türkin Gülcan Mingir über 3000 m Hindernis gewann.
Für Plakette Nummer neun sorgte Martina Strutz, die im Stabhochsprung holte. Die 30 Jahre alte Neubrandenburgerin gewann nach WM-Silber 2011 mit übersprungenen 4,60 m ihre zweite internationale Medaille. Den Titel sicherte sich die Tschechin Jirina Ptacnikova, Bronze ging an die Griechin Nikolia Kiriakopoulou (beide ebenfalls 4,60).
Nur Vierte wurde die Weltranglistenzweite und als Favoritin angereiste Silke Spiegelburg aus Leverkusen (4,50). Die Ludwigshafenerin Lisa Ryzih landete nach 4,40 auf Platz sieben.
"Sehr gute Bilanz"
"Das ist eine sehr gute Bilanz vor dem Finale. Wir hoffen auch am Sonntag noch auf einige Medaillen", meinte Thomas Kurschilgen, Sportdirektor im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) vor dem Auftritt der Weltranglisten-Spitzenreiter Malte Mohr (Wattenscheid/5,91) im Stabhochsprung und Nadine Müller (Halle/68, 89 m) im Diskuswurf.
Chancen haben dann neben Mohr Disziplinkollegen auch beide Sprintstaffeln (DIASHOW: Weltrekorde der Leichtathletik).
Siegesweite im vierten Versuch
"Es hat riesigen Spaß gemacht, die Zuschauer haben mich im Regen richtig toller unterstützt", meinte Harting, der am feuchten EM-Abend von Helsinki mit der im vierten Versuch erzielten Siegesweite den Mann in die Knie zwang, der 2008 in Peking die wertvollste aller Medaillen gewonnen hatte.
Doch 2012 scheint Estlands Olympiasieger Gerd Kanter (66,53) kein ernsthafter Rivale mehr für den neuen Leitwolf, der damals als Vierter Bronze um 70 Zentimeter verfehlte. EM-Bronze gewann mit 66,42 m der Ungar Zoltan Kovago, Neunter wurde Markus Münch (Wedel/Pinneberg) mit 61,25 m.
In Helsinki fehlten zwar Polens Titelverteidiger Robert Malachowski und Litauens zweimaliger Olympiasieger Virgilijus Alekna, weil sie sich ungestört auf Olympia vorbereiten können.
Wie hochkarätig das Starterfeld dennoch war, zeigt die Tatsache, dass ansonsten von den Top Ten Europas alle am Start waren.
"Einfach nur glücklich"
Antje Möldner-Schmidt, 2009 in Berlin Neunte über 3000 m Hindernis, setzte ihren Aufstieg in die internationale Spitzenklasse mit der ersten Medaille ihrer Karriere fort.
"Ich bin jetzt einfach nur glücklich", meinte die 28-Jährige, die ihr Talent spätestens 2005 als Dritte der U23-EM über 1500 m deutlich gemacht hatte.
65 bis 66 Meter reichen: Müller rechnet
Weitere Medaillen werden am Sonntag folgen. "Im Finale will ich zulegen, 65 bis 66 Meter müssten dann für eine Medaille reichen. Wahrscheinlich geht es zwischen der Kroatin Sandra Perkovic und mir um Gold", sagte Nadine Müller.
Mit 64,49 m erzielte sie die mit Abstand größte Weite aller Diskuswerferinnen in der Qualifikation, auch wenn sie erst am Freitag angereist war und Stunden zuvor noch in Halle ein anstrengendes Krafttraining absolviert hatte.
Schlangen im Vorlauf raus
In der Stab-Qualifikation reichten Mohr, der es spannend machte und die Höhe erst im dritten Versuch schaffte, 5,50 m zum Vorstoß in den Finalvorkampf am Sonntag.
Auf Anhieb schafften diese Höhe Björn Otto (Uerdingen-Dormagen) und Raphael Holzdeppe (Zweibrücken). Alle drei gelten im Kampf gegen Frankreichs Titelverteidiger Renaud Lavillenie als Medaillenhoffnungen.
Negativpunkt der Vorkämpfe war Carsten Schlangen. "Ich habe einen Tritt von hinten bekommen, bin aus dem Rhythmus gekommen, und dann war es vorbei", erklärte der Berliner nach Platz neun und Vorlauf-Aus über 1500 m.
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