King im Ring: Koloss Harting plant den ganz großen Wurf
Helsinki - Robert Harting hielt sich nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf. Seine starken 68,30 m im Regen von Helsinki? Technisch mittelprächtig, urteilte der Diskus-Riese.
Sein erstes EM-Gold? Im Vorbeigehen eingesammelt. Der Titel ( Bericht) ist für den Berliner nicht mehr als schmückendes Beiwerk und lange kein Grund, "groß die Sau rauszulassen". Für Harting zählen nur die Olympischen Spiele (DIASHOW: Die Bilder der EM).
"Ich habe 365 Tage für drei Titel. Zwei habe ich jetzt", sagte der 27-Jährige, "und in London habe ich die ganz große Chance auf den dritten. Was soll ich um den heißen Brei herumreden - ich erwarte das einfach von mir."
Jagd auf Schult und Riedel
Harting, der vergangenes Jahr in Daegu seinen zweiten Weltmeistertitel gewann, ist voll auf den Olympia-Sieg programmiert. Dann hätte er - wie die Altstars Jürgen Schult und Lars Riedel - alle drei großen Titel gewonnen, die es zu gewinnen gibt.
Der 2,01 Meter große und 134 Kilo schwere Koloss hat in diesem Jahr alles in seinem Leben auf diesen einen Moment am 7. August ausgerichtet. Dann steigt am Abend in London das Diskus-Finale.
Und Harting will, muss dann Gold holen, um sich zum absoluten King im Ring zu krönen. "Ich weiß was ich kann", sagte er, "in London muss man Eier zeigen."
Schmerzen sind "erträglich"
Er sehnt sich so sehr nach diesem Triumph, dieser wertvollsten aller Medaillen, denn ohne Olympiasieg bliebe die Karriere des Doppelweltmeisters unvollendet (DIASHOW: Weltrekorde der Leichtathletik).
Deshalb hat Harting die EM auch aus vollem Training heraus bestritten. Ganz bewusst "zerstörte" er in den vergangenen Wochen seine herausragende Form aus dem Frühjahr, als er erstmals die Schallmauer seiner Disziplin durchbrochen und sich auf 70,66 m gesteigert hatte.
"Ich befinde mich gerade im Tal und versuche den Berg hochzuklettern", sagte Harting, der seine Knieschmerzen in Folge einer Operation an der entzündeten Patellasehne als "erträglich" bezeichnete.
Seit zwei Jahren ungeschlagen
In Helsinki reichte es vor Estlands Olympiasieger Gerd Kanter (66,53) und Ungarns Zoltan Kovago (66,42) trotz lahmer Beine zum 28. Sieg in Serie.
Zuletzt musste Kunstliebhaber Harting vor zwei Jahren eine Niederlage einstecken, als er bei der EM in Barcelona gegen den Polen Piotr Malachowski verlor.
Damit diese beeindruckende Erfolgsgeschichte nicht ausgerechnet in London ein Ende nimmt, wird ihn Trainer Werner Goldmann noch einmal richtig quälen.
Gegner interessieren nicht
40 Tonnen Eisen wird der Berliner Bär pro Woche bewegen, rund 5000 Kalorien am Tag verbrauchen. Und natürlich versuchen, die verloren gegangene "Harmonie" für den anspruchsvollen Bewegungsablauf wiederzufinden.
Dass sich Altmeister Virgilijus Alekna, Olympiasieger 2000 und 2004, in diesem Jahr wieder auf 70,28 m gesteigert hat, beeindruckt Harting nicht.
"Die Konkurrenz lässt nicht nach, das belebt das Geschäft", sagte er, "und führt dazu, dass ich nicht nachlasse." Der Modellathlet wird vorbereitet sein. Für den ganz großen Wurf.
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