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Geoffrey Mutai gewann 2011 den New-York- und den Boston-Marathon © getty

Der Kenianer lässt für Berlin besser dotierte Angebote sausen. Auch Jan Fitschen peilt auf dem schnellen Kurs eine Top-Zeit an.

Berlin - Eine Million Fans an der Strecke, 40.000 Läufer auf den Beinen, Straßenkarneval in Tiergarten, Schöneberg und Kreuzberg - und mittendrin der Weltrekord-Mann.

Geoffrey Mutai will am Sonntag auf Berlins schnellem Kurs den Weltrekord knacken. Es wäre beim größten Marathon-Fest Deutschlands der fünfte Männer-Rekord in neun Jahren.

"Wenn alles perfekt ist und das Wetter mitspielt, ist eine Zeit unter 2:03 Stunden drin", sagt Mutai.

Im vergangenen Jahr hatte sein Landsmann Patrick Makau an der Spree für den Paukenschlag gesorgt. Makau lief den bis heute gültigen Weltrekord (2:03:38) und stahl dabei auch der äthiopischen Langlauf-Legende Haile Gebrselassie die Show.

Makau sagt ab

Diesmal sagte Makaus Management dessen Teilnahme ab. "Ich war bereit, meinen Titel in Berlin zu verteidigen", sagte Makau am Freitag in Nairobi: "Ich bin sehr enttäuscht."

Dafür will nun sein Landsmann Mutai im Mittelpunkt stehen.

"Er hat lukrative Angebote abgelehnt, um in Berlin in die Geschichtsbücher zu laufen. Bei einem Start in New York Anfang November hätte er wesentlich mehr Geld verdient, aber ihm geht es um den Rekord", sagt Renndirektor Mark Milde.

Kein Kontakt zu Doping-Ärzten

In Berlin könnte er im optimalen Fall 120.000 Euro gewinnen - keine Mega-Gage für den mittlerweile vermögenden Profi-Läufer aus Eldoret im kenianischen Hochland.

Das Eingeständnis eines Dopingproblems im Wunderläuferland durch Kenias Leichtathletik-Bosse am Donnerstag - Mediziner sollen systematisch verbotene Mittel angeboten und verabreicht haben - veranlasste Mutai zu einer Klarstellung.

"Ich hatte nie Kontakt zu Ärzten, die mir verbotene Mittel angeboten haben. Doping schadet der Leichtathletik."

Boston-Bestmarke zählt nicht

Eigentlich ist Mutai schon der Weltrekord-Mann, zumindest hält er die Bestmarke.

Beim Boston-Marathon im Frühjahr 2011 lief er sensationelle 2:03:02. Doch die Strecke in Bosten entspricht nicht den Kriterien des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), so dass die Zeit nicht als Weltrekord gewertet wurde. Das Gefälle in der US-Metropole ist mit 193 m viel zu groß.

Dennoch sorgte die Bostoner Zeit von Mutai für Aufsehen. Wenn der Ausnahme-Athlet schon auf so einem schwierigen Kurs eine Fabelzeit hinlegt, was passiert dann erst auf dem schnellen Berlin-Belag?

Der Vater zweier Töchter kam ausgeruht und fit nach Berlin, schließlich war er bei Olympia in London nicht am Start gewesen. Kenias Verband hatte ihn nicht nominiert.

Gute Wetter-Bedingungen

Sein Ehrgeiz dürfte brennen, schließlich musste Mutai in diesem Jahr einige Rückschläge einstecken. Beim Boston-Lauf im April kontrollierte der New-York-Sieger von 2011 das Rennen bis Kilometer 25, ehe er einer Tempoverschärfung zum Opfer fiel und aussteigen musste.

Nun soll die Wiedergutmachung gelingen und der Eintrag in die Geschichtsbücher endlich vollzogen werden.

Auch das Wetter wird wohl mitspielen. Bei acht bis zwölf Grad Celsius soll es milde und trocken bleiben.

Fitschen peilt 2:15 an

Aus deutscher Sicht steht der frühere 10.000-m-Europameister Jan Fitschen im Blickpunkt.

Ich möchte eine persönliche Bestzeit aufstellen, also schneller als 2:15 Stunden sein. Ich bin da ganz optimistisch", sagte der mehrfache Deutsche Meister über 5000 und 10.000 m vor seiner Premiere in Berlin.

Dass es nach seinem Wechsel auf die Straße bislang noch nicht so gut klappte, ist für Fitschen kein Problem: "Der Vergleich ist etwas weit hergeholt, doch selbst bei Haile Gebrselassie liefen die ersten Marathonrennen nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte."