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Beim Boston Marathon detonieren beim Zieleinlauf zwei Sprengkörper © twitter

Beim Traditionsevent detonieren zwei Sprengkörper, drei Menschen sterben. Das FBI hat Ermittlungen aufgenommen.

Boston - Nach den Bomben-Explosionen beim traditionellen Boston-Marathon hat sich die Zahl der Todesopfer erhöht.

Drei Menschen sind dabei nach offiziellen Angaben der Bostoner Polizei ums Leben gekommen, darunter offenbar ein achtjähriger Junge.

Nach amerikanischen Medienberichten gibt es über 130 Verletzte, es traf überwiegend Zuschauer. Der "Boston Globe" berichtet von etwa 30 Fällen lebensbedrohender Verwundungen.

Um 14.50 Uhr Ortszeit (20.50 Uhr MESZ) war es am Montag unweit des Zieleinlaufs im Abstand von etwa 15 Sekunden zu zwei Bomben-Explosionen gekommen.

Das FBI hat die Ermittlungen übernommen, die Sicherheitsvorkehrungen wurden landesweit verschärft.

Sprecher spricht von "Terrorakt"

US-Präsident Barack Obama drückte den Familien der Opfer in einer Ansprache sein Beileid aus und versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen: "Wir werden herausfinden, wer das getan hat. Wir werden herausfinden, warum. Jede verantwortliche Person, jede verantwortliche Gruppe wird das volle Gewicht der Gerechtigkeit spüren."

Er vermied aber, das Wort "Terror" in den Mund zu nehmen.

Allerdings äußerte ein Sprecher des Weißen Hauses, dass ein Angriff mit mehreren Sprengsätzen ein "Terrorakt" wäre und als solcher behandelt würde.

Kein Verdächtiger in Gewahrsam

Über "strafrechtliche Ermittlungen und mögliche Terrorermittlungen" spricht der leitende FBI-Ermittler Rick DesLauriers.

Nach Informationen der "New York Post" wurde ein Mann aus Saudi-Arabien mit Splitter-Wunden in einem Krankenhaus identifiziert und befragt, er wird aber nicht als Verdächtiger behandelt.

Polizeisprecherin Cheryl Fiandaca betonte um drei Uhr nachts deutscher Ortszeit allerdings, dass kein Verdächtiger in Gewahrsam sei. Ihr Chef Ed Davis spricht von "Leuten, mit denen wir uns unterhalten".

Sprengsätze selbstgebaut

Wie Einsatzleiter Ed Davis während einer Pressekonferenz bestätigte, detonierten zwei kleine selbstgebaute Bomben keine 100 Meter voneinander entfernt im nördlichen Teil der Boylston Street.

Zuvor war berichtet worden, die Sprengsätze seien in Mülleimern deponiert worden - am Unfallort wurde Sprengstoff gefunden.

Noch weitere Bomben-Funde

Zudem gab es Verwirrung um eine angeblich dritte Explosion in der John-F.-Kennedy-Bibliothek in einem anderen Bostoner Stadtteil.

Später erklärte der Direktor der Bücherei, dass es sich nur um ein Feuer gehandelt habe, das in keinem Zusammenhang zu den Explosionen stehte.

Medien berichten von bis zu fünf weiteren Sprengsatz-Funden, Behörden kommentierten diese Berichte nicht.

Grausige Bilder

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Rettungskräfte in der Stadt im Bundesstaat Massachusetts verwundete Menschen versorgten.

Augenzeugen berichteten davon, dass die Opfer Gliedmaßen verloren, viele davon Zuschauer des Marathons.

"Es gab eine Explosion. Polizei, Feuerwehr und Notärzte sind vor Ort", wurde ein Polizei-Sprecher zitiert. Die Ziellinie sei noch immer eine Gefahrenzone. "Die Situation ist weiter gefährlich und unklar. Bitte versammeln Sie sich nicht in Gruppen. Gehen Sie nach Hause oder in ihre Hotels. Bewahren Sie Ruhe", erklärte Polizeichef Davis.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen

US-Präsident Obama wurde von FBI-Direktor Robert Mueller und der Heimatschutzministerin Janet Napolitano über den Vorfall benachrichtigt, dazu evakuierten die Behörden in Boston Schulen, sperrten Teile des Luftraums.

In New York und Washington wurden zudem erhöhte Sicherheitsvorkehrungen getroffen, Hotels und bekannte Gebäude bewacht, das Weiße Haus in Washington abgeriegelt.

Wie "NBC" berichtete, wurden Teile des Luftraums über Boston gesperrt, dazu wurden die Mobilfunkverbindungen unterbrochen, um mögliche Fernzündungen zu unterbinden.

Mockenhaupt dabei

Die Top-Athleten hatten zu diesem Zeitpunkt bereits die Strecke verlassen, die deutsche Läuferin Sabrina Mockenhaupt war als Zehnte ebenfalls bereits rund drei Stunden vorher im Ziel.

Über den Kurznachrichtendienst "twitter" gab die 32-jährige Läuferin der LG Sieg Entwarnung: "Ich bin okay! Es ist schrecklich, was hier passiert ist."

"Ich bin nach dem Rennen in mein Hotelzimmer unter die Dusche gegangen. Als ich wieder zurück in die Hotellobby kam, war plötzlich alles anders", sagte Mockenhaupt der "WAZ". Sie habe "sehr viele Verletzte, Polizei und Helfer" gesehen, das Hotel durfte vorerst niemand verlassen.

Auch Frodeno betroffen

Der deutsche Olympiasieger Jan Frodeno zeigte sich von den Ereignissen ebenfalls betroffen.

"Bomben bei einer Sportveranstaltung? Das erste, was Menschen jeder Nation, Religion und Herkunft zusammenbringt? Das ist widerlich", so der Triathlet via "twitter".

"Laufen", schrieb Äthiopiens Sportlegende Haile Gebrselassie, "bringt die Menschen zusammen. Was aber gerade in Boston passiert ist, ist schrecklich. Meine Gedanken sind bei jedem Einzelnen."

Podolski und Boateng fühlen mit

"Ich bete für alle Menschen beim Boston-Marathon", schrieb Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski. Kevin-Prince Boateng vom AC Mailand fragte: "Was zur Hölle ist mit den Menschen los?"

Der sechsmalige Leichtathletik-Olympiasieger Usain Bolt fasste seine Bestürzung in kurze Worte: "Was für traurige Nachrichten. Ich bete für alle."

Und das gefallene Radsport-Idol Lance Armstrong teilte mit: "Ich bin gerade vom Rad gestiegen und habe die Nachrichten aus Boston erhalten. Meine Gedanken und Gebete sind bei allen Sportlern, allen Helfern."

Spielabsagen in NBA und NHL

Beinahe 27.000 Läufer waren beim ältesten Städtelauf der Welt, der seit 1897 ausgetragen wird, an den Start gegangen, den Angaben zufolge auch 247 Läufer mit deutscher Staatsbürgerschaft.

Mehr als 500.000 Menschen hatten in Boston die Straßen gesäumt. Die ersten Läufer hatten das Rennen bereits mehrere Stunden zuvor beendet. In Gedenken an die Opfer des Amoklaufs in Newtown im vergangenen Dezember hatten die Läufer vor dem Start eine Schweigeminute abgehalten.

Die nordamerikanische Eishockey-Profiliga NHL sagte die Begegnung zwischen den Boston Bruins um den deutschen Verteidiger Dennis Seidenberg und den Ottawa Senators kurzfristig ab, die Basketball-Liga NBA strich die Partie zwischen Rekordmeister Boston Celtics und den Indiana Pacers ersatzlos.

London-Marathon soll stattfinden

Auch die Organisatoren des London-Marathons wurden vor ihrer Veranstaltung am kommenden Sonntag in Alarmbereitschaft versetzt.

"Wir werden die Sicherheitsvorkehrungen in Zusammenarbeit mit den Organisatoren neu bewerten", teilte Julia Pendry von der Metropolitan Police mit. Die Veranstaltung in Großbritanniens Hauptstadt werde aber definitiv stattfinden, erklärte Nick Bitel, Vorsitzender des London-Marathons.

"Wir sind tief getroffen von den Vorkommnissen in Boston. Unser Sicherheitsplan wurde gemeinsam mit der Metropolitan Police entwickelt, wir haben sie sofort kontaktiert", sagte Bitel.

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