Dass ein großes Sportereignis Zielscheibe tödlicher Gewalt wird, schockiert. Der Sport steht vor schwierigen Fragen.

Eine Tragödie wie die Bombenexplosionen beim Boston Marathon reißt auch Journalisten aus ihrem Alltag, Sportjournalisten besonders.

Plötzlich befasst man sich nicht wie üblich mit Toren, Tabellenständen und Bestmarken. Man prüft auf einmal Opferzahlen, wie viele Verletzte, wie viele Tote.

Dass ein Sportereignis Schauplatz eines solchen Ereignisses wird, bei dem unbeteiligte Menschen offensichtlich zur Zielscheibe tödlicher Gewalt werden, hat etwas besonders Verstörendes.

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Der Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno hat es für sich mit folgenden Worten auf den Punkt gebracht:

"Bomben bei einer Sportveranstaltung? Das erste, was Menschen jeder Nation, Religion und Herkunft zusammenbringt? Das ist widerlich."

Frodeno hat einerseits Recht, allerdings muss man etwas hinzufügen.

Denn widerlich ist es immer, wenn ein Akt der Gewalt unschuldige Menschen aus ihrem Leben reißt.

Egal ob sie bei einem Sportereignis sind, in einer Disco, in einem Hotel, in einem Bus, an ihrem Arbeitsplatz.

Es kann ein flaues Gefühl auslösen, nun eine besondere Tragik der Tatsache zu betonen, dass es den Sport getroffen hat und die gesellschaftlich verbindenden Werte, die er verkörpern will.

Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Tragödien an anderen Orten weniger tragisch wären - auch wenn Frodeno und andere eine solche Botschaft nicht beabsichtigen.

Als Verantwortlicher für sportliche Ereignisse in den kommenden Tagen steht man nun vor Fragen, auf die es keine gute Antwort gibt.

Soll es als Reaktion nun Absagen geben, aus Respekt vor den Toten? Oder heißt es: "The Games must go on"?

Letztendlich wird - in Boston später, anderswo früher - das Leben weitergehen, das sportliche wie das gesellschaftliche.

Es sollte nur auf eine Weise weitergehen, die das Andenken an die Opfer von Boston respektiert.

Denn zu dem Leben, das für andere weitergeht, wird ihr Tod dazugehören.

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