Nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon erhöht sich die Opferzahl, Deutsche sind wohl nicht betroffen. Das FBI ermittelt.

[kaltura id="0_l78u7dr5" class="full_size" title=""]

Boston - Nach den Bomben-Explosionen beim traditionellen Boston-Marathon hat sich die Zahl der Todesopfer erhöht.

Drei Menschen sind dabei nach offiziellen Angaben der Bostoner Polizei ums Leben gekommen, darunter offenbar ein achtjähriger Junge.

Nach amerikanischen Medienberichten gibt es rund 140 Verletzte, es traf überwiegend Zuschauer. Der "Boston Globe" berichtet von etwa 30 Fällen lebensbedrohender Verwundungen.

Um 14.50 Uhr Ortszeit (20.50 Uhr MESZ) war es am Montag unweit des Zieleinlaufs im Abstand von etwa 15 Sekunden zu zwei Bomben-Explosionen gekommen (EINWURF: Verstörend).

Das FBI hat die Ermittlungen übernommen, die Sicherheitsvorkehrungen wurden landesweit verschärft, zahlreiche Sportpersönlichkeiten, Prominente und Politiker aus aller Welt sprachen wie Mockenhaupt den Opfern ihre Anteilnahme aus (BERICHT: Die Reaktionen zur Boston-Tragödie).

Keine Hinweise auf deutsche Opfer

"Nichts rechtfertigt einen so heimtückischen Angriff auf Menschen, die sich zu einer friedlichen Sportveranstaltung zusammengefunden hatten", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstagmorgen.

Auch Außenminister Guido Westerwelle zeigte sich "zutiefst schockiert".

Hinweise auf deutsche Opfer gibt es nach Angaben des Auswärtigen Amts allerdings nicht.

Obama-Sprecher spricht von "Terrorakt"

Auch US-Präsident Barack Obama drückte den betroffenen Familien in einer Ansprache sein Beileid aus und versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen: "Wir werden herausfinden, wer das getan hat. Wir werden herausfinden, warum. Jede verantwortliche Person, jede verantwortliche Gruppe wird das volle Gewicht der Gerechtigkeit spüren."

Er vermied aber, das Wort "Terror" in den Mund zu nehmen.

Allerdings äußerte ein Sprecher des Weißen Hauses, dass ein Angriff mit mehreren Sprengsätzen ein "Terrorakt" wäre und als solcher behandelt würde.

Kein Verdächtiger in Gewahrsam

Über "strafrechtliche Ermittlungen und mögliche Terrorermittlungen" spricht der leitende FBI-Ermittler Rick DesLauriers. Ein islamistischer Hintergrund wird ebenso nicht ausgeschlossen wie die Möglichkeit, dass ein einheimischer Radikaler verantwortlich ist.

Es gibt Berichte über eine bereits erfolgte Wohnungsdurchsuchung in Boston, zudem schreibt die "New York Post" über einen Mann aus Saudi-Arabien, der mit Splitter-Wunden in einem Krankenhaus identifiziert und befragt worden sei. Er soll sich aber kooperativ gezeigt haben und wird nicht als Verdächtiger behandelt.

Polizeisprecherin Cheryl Fiandaca betonte in der Nacht, dass niemand in Gewahrsam sei. Ihr Chef Ed Davis spricht von "Leuten, mit denen wir uns unterhalten".

Sprengsätze selbstgebaut

Wie Davis während einer Pressekonferenz bestätigte, detonierten zwei kleine selbstgebaute Bomben keine 100 Meter voneinander entfernt im nördlichen Teil der Boylston Street.

Zuvor war berichtet worden, die Sprengsätze seien in Mülleimern deponiert worden - am Unfallort wurde Sprengstoff gefunden.

Noch weitere Bomben-Funde

Zudem gab es Verwirrung um eine angeblich dritte Explosion in der John-F.-Kennedy-Bibliothek in einem anderen Bostoner Stadtteil.

Später erklärte der Direktor der Bücherei, dass es sich nur um ein Feuer gehandelt habe, das in keinem Zusammenhang zu den Explosionen stehte.

Medien berichten von bis zu fünf weiteren Sprengsatz-Funden, Behörden kommentierten diese Berichte nicht.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen

US-Präsident Obama wurde von FBI-Direktor Robert Mueller und der Heimatschutzministerin Janet Napolitano über den Vorfall benachrichtigt, dazu evakuierten die Behörden in Boston Schulen, sperrten Teile des Luftraums.

In New York und Washington wurden zudem erhöhte Sicherheitsvorkehrungen getroffen, Hotels und bekannte Gebäude bewacht, das Weiße Haus in Washington abgeriegelt.

Wie "NBC" berichtete, wurden Teile des Luftraums über Boston gesperrt, dazu wurden die Mobilfunkverbindungen unterbrochen, um mögliche Fernzündungen zu unterbinden.

Mockenhaupt dabei

Die Top-Athleten hatten zum Zeitpunkt der Explosion bereits die Strecke verlassen, die deutsche Läuferin Sabrina Mockenhaupt war als Zehnte ebenfalls bereits rund drei Stunden vorher im Ziel.

Über den Kurznachrichtendienst "twitter" gab die 32-jährige Läuferin der LG Sieg Entwarnung: "Ich bin okay! Es ist schrecklich, was hier passiert ist."

"Ich bin nach dem Rennen in mein Hotelzimmer unter die Dusche gegangen. Als ich wieder zurück in die Hotellobby kam, war plötzlich alles anders", sagte Mockenhaupt der "WAZ".

Spielabsagen in NBA und NHL

Beinahe 27.000 Läufer waren beim ältesten Städtelauf der Welt, der seit 1897 ausgetragen wird, an den Start gegangen.

Mehr als 500.000 Menschen hatten in Boston die Straßen gesäumt. Die ersten Läufer hatten das Rennen bereits mehrere Stunden zuvor beendet. In Gedenken an die Opfer des Amoklaufs in Newtown im vergangenen Dezember hatten die Läufer vor dem Start eine Schweigeminute abgehalten.

Die nordamerikanische Eishockey-Profiliga NHL sagte die Begegnung zwischen den Boston Bruins um den deutschen Verteidiger Dennis Seidenberg und den Ottawa Senators kurzfristig ab, die Basketball-Liga NBA strich die Partie zwischen Rekordmeister Boston Celtics und den Indiana Pacers ersatzlos.

Die Marathonläufe in London und Nagano am kommenden Sonntag finden dagegen statt.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel