Die Boston-Tragödie versetzt weitere Marathon-Veranstalter in Alarmbereitschaft. Olympia-Ausrichter Russland will handeln.

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Boston/Berlin - Die Veranstalter des Berlin-Marathons haben mit Entsetzen auf die Explosionen in Boston reagiert und eine Überprüfung des eigenen Sicherheitskonzeptes angekündigt. (BERICHT: Terror bei Boston-Marathon)

"Wir stehen in ständigem Austausch mit den anderen Organisatoren und werden alles für die Sicherheit tun. Wir müssen das genau hinterfragen, aber 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht", sagte Organisationsschef Jürgen Lock bei "Sky Sport News HD".

Lock war zum Zeitpunkt der Explosionen in Boston: "So etwas Schreckliches ist schwer zu beschreiben." (EINWURF: Verstörend).

Mindestens drei Tote

Berlin gehört mit Boston, London, Chicago, New York und Tokio zu den World Marathon Majors (WMM), den wichtigsten Marathonläufen der Welt. Ende September soll in Berlin die 40. Auflage stattfinden.

Bei zwei Detonationen im Zielraum des ältesten Städtelaufs der Welt waren am Montagabend in Boston mindestens drei Personen getötet und über 100 Menschen verletzt worden. (703784DIASHOW: Die Bilder der Boston-Tragödie)

Knapp 27.000 Läufer waren an den Start gegangen, über 500.000 Zuschauer standen an der Strecke.

Keine Sicherheitsdebatte in Deutschland?

Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), verurteilt die Anschläge auf den Boston Marathon scharf.

Zudem hofft der 61-Jährige, dass der Anschlag möglichst schnell aufgeklärt wird: "Jetzt muss erst herausgefunden werden, was die Hintergründe der Tat sind."

An eine Sicherheitsdebatte in Deutschland glaubt Vesper aber nicht.

"Wir haben einen hohen Sicherheitsstandard. Man kann solche Ereignisse wahrscheinlich nie bis ins Letzte schützen. Es ist noch viel zu früh, über Konsequenzen nachzudenken."

"Kein erhöhtes Risiko"

Beim Hamburg-Marathon am kommenden Sonntag wird es nun verschärfte Sicherheitsvorkehrungen geben.

"Die Laufstrecke wird ständig überprüft", sagte Frank Thaleiser, Sprecher des zweitgrößten deutschen Laufes mit rund 12.000 Läufern und 750.000 Zuschauern, in einem Gespräch mit "Spiegel Online".

An eine Absage der Veranstaltung denkt Thaleiser noch nicht: "Der Hamburg-Marathon wird stattfinden, trotz der schrecklichen Geschehnisse in Boston. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Am Dienstagmorgen haben Polizei, Innenbehörde und Verfassungschutz getagt, ihrer Ansicht nach besteht kein erhöhtes Sicherheitsrisiko für unseren Lauf."

"Lassen uns den Sport nicht kaputt machen"

Nach Auskunft der Organisatoren in der Hansestadt wird derzeit geprüft, ob die Veranstaltung durch zusätzliche Maßnahmen gesichert werden kann.

"Die Laufstrecke wird die Woche über ganz genau überwacht. Aber wir können am Wochenende nicht die ganze Stadt mit Bombenspürhunden durchkämmen oder während des Wettkampfs an jeder Stelle der 42 Kilometer einen Polizei- oder Sicherheitsbeamten postieren", sagte Thaleiser: "Vielleicht würde es das subjektive Sicherheitsgefühl erhöhen, wenn wir im Zieleinlauf 100 Polizisten aufstellen würden. Doch wirklich geholfen ist damit niemandem."

"Für sie und die Athleten auf der ganzen Welt soll unser Marathon ein Hoffnungsschimmer sein: Wir lassen uns unseren Sport und die damit verbundenen Werte von so etwas nicht kaputtmachen", erklärt Thaleiser.

London-Marathon findet statt

Wie in Hamburg werden auch die Läufe in London und Nagano trotz der Bostoner Tragödie am Sonntag stattfinden.

Allerdings haben die beiden Detonationen die Organisatoren des Laufs in der britischen Metropole in Alarmbereitschaft versetzt.

"Wir werden die Sicherheitsvorkehrungen in Zusammenarbeit mit den Organisatoren neu bewerten", teilte Julia Pendry von der Metropolitan Police mit.

Fast 50.000 Sportler am Start

Die Veranstaltung in Großbritanniens Hauptstadt werde aber definitiv stattfinden, sagte Nick Bitel, Vorsitzender des London Marathons. In London werden rund 36.000 Teilnehmer an den Start gehen, darunter auch der zweimalige Olympiasieger Mo Farah aus Großbritannien.

Die Veranstalter in Nagano rechnen mit 10.000 Läufern. Um die Sicherheit der Aktiven zu gewährleisten, wird das Organisationsteam eng mit der Polizei und den Sicherheitskräften zusammenarbeiten.

Russland versteht Bomben-Explosionen als Warnung

Rund zehn Monate vor Eröffnung der Winterspiele in Sotschi ist Ausrichter Russland nach den Bomben-Explosionen in Boston gewarnt. (BERICHT: Die Reaktionen zur Boston-Tragödie).

"Für Russland, das bald einige sportliche Großereignisse ausrichten wird, ist das eine ernstzunehmende Warnung", wird Sportminister Witali Mutko von der russischen Nachrichtenagentur "RIA Nowosti" zitiert.

Sportminister Mutko ist besorgt

Russland richtet im kommenden Jahr vom 7. bis 23. Februar erstmals Olympische Winterspiele aus. 2018 veranstaltet das größte Land der Erde die Fußball-WM.

Mutko sei sehr besorgt über die Sicherheit bei beiden Veranstaltungen. Russland werde diesem Thema besondere Aufmerksamkeit einräumen, hieß es.

Auch die Veranstalter der Olympischen und Paralympischen Spiele 2016 in Rio bekräftigten, dass die Sicherheit immer oberste Priorität genieße.

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