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Sabrina Mockenhaupt (10000 Meter, 33 Jahre, LG Sieg). Als eine der ältesten Athletinnen im Team ist Mockenhaupt schon seit 2001 immer wieder auf nationaler Ebene erfolgreich ? und gerade 2014 läuft es bei der Sportsoldatin: Beim Berliner Halbmarathon wird sie Dritte, bei der deutschen Meisterschaft im Juli holt sie über die 5000-Meter-Distanz den Titel
Sabrina Mockenhaupt belegte mit 2:30:09 Stunden Platz zehn in Boston © imago

Um 12 Uhr war sie im Ziel, um 15 Uhr wurden dort drei Menschen getötet. Läuferin Mockenhaupt schildert ihre Eindrücke aus Boston.

Von Stefan Moser

München/Boston - Gegen 12 Uhr Ortszeit überquerte Sabrina Mockenhaupt erschöpft, aber glücklich die Ziellinie.

Platz zehn beim renommierten Boston Marathon, ihr erstes großes Rennen in den USA, ein gutes Ergebnis. Die Welt war in Ordnung.

Knapp drei Stunden später war sie es nicht mehr. Um 14.50 Uhr (20.50 Uhr MEZ) explodierten im Abstand von 15 Sekunden zwei Bomben im nördlichen Teil der Boylston Street.

Genau dort, im Zielbereich, wo Mockenhaupt eben noch mit den Armen in den Hüften um Luft gerungen hatte, rangen nun plötzlich mehrere Menschen mit dem Tod. (BERICHT: Die Reaktionen zur Boston-Tragödie).

"Draußen werden Verletzte weggetragen"

"Draußen werden jetzt die Verletzten weggetragen. Sie wurden erst in das weiße Zelt gebracht, durch das ich vor wenigen Minuten nach meiner Zielankunft noch durchgelaufen bin. Unglaublich. Unfassbar. Ich bin total geschockt", twitterte die 32-Jährige kurz nach den Explosionen aus ihrem Hotelzimmer.

Nach letzten Meldungen kamen bei dem Attentat auf eine der größten Sportveranstaltungen in den USA drei Zuschauer ums Leben, mindestens 144 weitere wurden verletzt. Mockenhaupt kam mit dem Schrecken davon, wie alle Topathleten hatte sie die Strecke bereits verlassen.

"Plötzlich war alles anders"

"Ich bin okay", gab die deutsche Langstreckenläuferin sofort über ihren Facebook-Account Entwarnung: "Aber es ist schrecklich, was hier passiert ist. Ich bin nach dem Rennen in mein Hotelzimmer unter die Dusche gegangen. Als ich wieder zurück in die Hotellobby kam, war plötzlich alles anders."

Die Kenianerin Rita Jeptoo hatte kurz zuvor in 2:26:25 Stunden den ältesten Stadtmarathon der Welt gewonnen. Für das Sportliche aber interessierte sich nun niemand mehr.

Auch Mockenhaupt nicht: "Ich bin total aufgedreht, mein Rennen ist total weg und daran denke ich gar nicht mehr! Ich realisiere immer mehr, was hier passiert ist! Es ist wirklich traurig und ich frage mich immer noch warum!? Wo soll das noch hinführen...!" (EINWURF: Verstörend).

[kaltura id="0_l78u7dr5" class="full_size" title="Video: Die Tragödie von Boston"]

"Alle schauen die Bilder auf CNN"

Was wirklich geschehen ist, realisieren auch die Behörden erst nach und nach. Das FBI geht mittlerweile von einem gezielten Anschlag auf den Marathon aus. Die Hintergründe sind noch unklar, die Bilder vom Ausmaß der Tragödie jedoch werden immer dramatischer. Helfer berichten von amputierten Gliedmaßen und zahlreichen Schwerverletzten, die noch in Lebensgefahr schweben.

"Hier sitzen alle vor dem Fernseher, schauen die Bilder auf CNN. Ich will nur noch nach Hause! Da wurden noch Bomben gefunden, die nicht hoch gegangen sind! Warum müssen unschuldige Menschen bluten?", fragte Mockenhaupt, die in ihren Gedanken bei den Opfern und deren Angehörigen ist.

Hobby-Läufer unter den Opfern

Betroffen sind neben Zuschauern vor allem Hobby-Läufer, die lange nach den Spitzenathleten ins Ziel kamen. Wie US-Medien berichten, soll sich unter den Toten auch ein achtjähriger Junge befinden, der zusammen mit Mutter und Schwester auf den Zieleinlauf seines Vaters gewartet hatte.

Mockenhaupt bittet

"Eine Sache muss ich noch los werden, bevor ich versuche, irgendwie Schlaf zu bekommen...", verabschiedete sich Mockenhaupt denn auch von ihren Followern: "Warum realisieren die Menschen nicht, dass wir nur Gäste auf dieser Erde sind und total kleine Lichter! Geld können wir bekanntlich auch nicht mit ins Grab nehmen, also lebe doch bitte jeder sein Leben und lasse andere ihr Leben leben, aber bitte lasst unschuldige Kinder nicht Teil von politischen Kämpfen sein! Bitte nicht!"

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