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Der Boston Marathon wird bereits seit 1897 ausgetragen © imago

"Boston ist unverwüstlich": Die Organisatoren kündigen an, den Event trotz der Anschläge auch 2014 durchführen zu wollen.

Von Stefan Moser

München - Auf die Fassungslosigkeit nach dem Bombenterror folgt der Trotz: Die Organisatoren des Boston-Marathon wollen die traditionsreiche Veranstaltung auch 2014 fortführen.

"Wir setzen uns dafür ein, diese Tradition mit dem 118. Boston-Marathon in 2014 aufrechtzuerhalten", sagt Thomas Grilk, Chef der Boston Athletic Association, am Dienstag.

Die Stadt werde sich von den Anschlägen erholen, da ist Grilk sicher: "Boston ist stark. Boston ist unverwüstlich. Boston ist unser Zuhause. Und Boston hat uns in den vergangenen 24 Stunden sehr stolz gemacht."

Die aufrichtenden Worte spiegeln die Stimmung wider, die Boston am Tag nach den Bombenexplosionen, bei denen drei Menschen getötet wurden und über 170 teils schwer verletzt wurden.

Ein Hobbyläufer als Symbolbild

Am Tag nach den Anschlägen auf den Boston-Marathon wich der Schock allmählich einer wachsenden Trotzreaktion.

Das Bild dazu lieferte der Hobby-Läufer Bill Iffrig. Ein Video ging um die Welt, das den 78-Jährigen zeigt, wie er kurz vor der Zielgeraden von der Druckwelle der Explosion umgerissen wird, sich wieder aufrappelt und den Marathon zu Ende läuft.

Der trotzige Text dazu kam von der "New York Times" in ihrem Kommentar: "Der Marathon wird kommendes Jahr wieder stattfinden, egal wie viele Sicherheitsvorkehrungen nötig sind - und die Zuschauer sollten doppelt so laut schreien. Kein Terrorakt ist stark genug, um eine Tradition zu zerstören, die zu unserer Geschichte gehört".

Ähnlich äußerten sich mittlerweile auch die Veranstalter der kommenden Großereignisse. "Wir lassen uns unseren Sport und die damit verbundenen Werte nicht kaputtmachen", sagte etwa Frank Thaleiser, Organisator des Hamburg Marathons, im Interview mit "Spiegel online". Der Lauf soll am Sonntag wie geplant starten.

Die symbolische Dimension ist für Thaleiser klar: "Wir erwarten 750.000 Zuschauer entlang der Strecke. Für sie und die Athleten auf der ganzen Welt soll unser Marathon ein Hoffnungsschimmer sein."

Marathon nicht mit Fußall vergleichbar

Schwieriger zu beantworten aber ist die Frage nach der Sicherheit. Die deutschen Behörden sehen die Lage zwar unverändert, die Bedrohung in der Bundesrepublik sei abstrakt vorhanden, konkrete Hinweise auf eine Gefährdung gebe es allerdings keine.

Gerade offene Laufwettbewerbe aber bieten eine kaum überschaubare Angriffsfläche. "So ein Marathonlauf ist eine Veranstaltung im öffentlichen Raum. Das lässt sich nicht mit einem Fußballspiel vergleichen, bei dem die Zuschauer durch Einlasskontrollen müssen. Jeder kann zuschauen und nah dabei sein. Das macht diesen Sport doch aus, dafür ist auch Boston berühmt", sagt Thaleiser.

Die Veranstalter prüfen und überarbeiten zwar die Sicherheitskonzepte, aber: "Wir können am Wochenende nicht die ganze Stadt mit Bombenspürhunden durchkämmen oder während des Wettkampfs an jeder Stelle einen Polizei- oder Sicherheitsbeamten postieren."

Auch London findet statt

Ein Problem, mit dem sich auch die Organisatoren in London auseinandersetzen. Auch dort wird der Marathon am Sonntag stattfinden, wie Chef-Organisator Nick Bitel am Montag der "BBC" bestätigte.

36.000 Läufer werden dabei quer durch die Innenstadt laufen, rund eine halbe Millionen Zuschauer säumen jährlich die traditionsreiche Strecke. Ein lückenloses Sicherheitskonzept kann es dabei nicht geben. (EINWURF: Verstörend).

Das gilt für London genau wie für Boston, Hamburg oder Berlin. Dort findet das Laufspektakel Ende September statt. Auch dort werden Sicherheitskonzepte geprüft ? und auch dort kann niemand 100-prozentige Sicherheit garantieren.

Schärfere Maßnahmen in Moskau

Um zumindest das subjektive Gefühl der Sicherheit zu erhöhen, kündigten auch die Organisatoren der Leichtathletik-Weltmeisterschaft im August in Moskau zusätzliche Maßnahmen an.

Valentin Balachnitschjow, Präsident des russischen Leichtathletikverbands sprach bereits wenige Stunden nach dem Anschlag von Boston von verschärften Sicherheitssystemen. Die Veranstalter würden das Konzept des Boston-Marathons untersuchen und "Schlüsse daraus ziehen".

Schlüsse, aus denen sich auch unmittelbare Folgen für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi ergeben würden, so Balachnitschjow. In erster Linie werde es dabei "bereits im Vorfeld zusätzliche Kontrollen der Besucher sowie der Stadien und Hallen geben".

Die lückenlose Überwachung von 42 Kilometer Laufstrecke aber können auch die russischen Behörden nicht leisten.

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