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Haile Gebrselassie holte 1996 und 2000 Olympia-Gold über die 10.000 Meter © getty

Äthiopiens Lauf-Idol wird auch im fortgeschrittenen Alter nicht müde. Ex-Fußballer Ronaldo gibt Gebrselassie zusätzlichen Antrieb.

München - Der Mann, der fast immer strahlt, ist seit Montag in seiner Grundstimmung traurig.

"Haile war nicht in Boston, aber der Bombenterror hat ihn sehr getroffen", sagt Jos Hermens, niederländischer Manager des Läuferstars.

Irgendwie war Boston auch ein Anschlag auf Hailes heile Welt - drei Tage vor seinem 40. Geburtstag (703784DIASHOW: Die Bilder der Bostoner Tragödie).

"Was dort passiert ist, ist schrecklich. Meine Gedanken sind bei jedem Einzelnen", sagte Äthiopiens Lauf-Idol, das längst als lebende Legende gilt.

Dabei läuft er noch immer.

Gebrselassie: Nicht so werden wie Ronaldo

Einen Tag vor den schrecklichen Ereignissen beim ältesten Stadtmarathon der Welt gewann der Mann, der in seiner Karriere 27 Weltrekorde lief, zweimal Olympiasieger und viermal Weltmeister wurde, in hochkarätigen 1:01:14 Stunden zum dritten Mal in Folge den Halbmarathon in Wien.

Hermens: "Am 18. Mai läuft er in Berlin, am 26. in Manchester. Haile hat so viel Spaß am Laufen, er kann einfach nicht aufhören."

Auch Brasiliens Fußball-Star Ronaldo ist ein Antrieb für ihn, immer weiterzumachen.

Vor einem Jahr hat er ihn im Fernsehen gesehen. "Unglaublich, wie dick der geworden ist! So möchte ich nie sein. Wirklich nicht! Darum höre ich nicht auf zu laufen, darum laufe ich weiterhin Wettkämpfe, auch wenn ich irgendwann ein Veteran sein werde."

Geburtstag in der Heimat nicht so wichtig

Mit den großen Highlights hat es zuletzt nicht mehr geklappt.

Im Kampf gegen die große Schar äthiopischer Talente verpasste der 39-jährige Gebrselassie 2012 trotz guter 27:20,39 Minuten über 10.000 m Olympia in London.

Im Dezember musste er beim Fukuoka-Marathon in Japan aussteigen.

Hermens: "Jetzt trainiert er schon wieder für den nächsten Lauf, auch an seinem Geburtstag. Der ist in Äthiopien ohnehin nicht so wichtig wie bei uns in der westlichen Welt, er wird fast nicht gefeiert."

Erfolgreicher Geschäftsmann in Äthiopien

In seiner Heimat gehört Gebrselassie längst zu den erfolgreichsten Geschäftsleuten.

Er hat zwei große Hotels, drei Bürogebäude, einige Wohnblocks, ein Kino, drei Fitness-Center, inzwischen auch eine Kaffeeplantage und ist Importeur eines südkoreanischen Autoherstellers.

Äthiopien ist dafür ein riesiger Markt, es gibt nur 600.000 Fahrzeuge in diesem großen Land.

Präsident werden? "Warum nicht"

Gebrselassie ist quasi zum Erfolg verurteilt.

"Ich kann gar nicht aufhören, immer wieder neue Projekte zu bauen, sonst sind ein paar Hundert Leute arbeitslos", sagt Gebrselassie und macht deutlich, dass es ihm nicht so sehr um Besitz und Reichtum geht.

Er hat für sein Land auch schon zwei Schulen gebaut.

Gebrselassie denkt weiter. "In zwei Jahren will ich in die Politik gehen, ich möchte Mitglied des Parlaments werden", sagt der Erfolgsmensch.

Vielleicht einmal Präsident seines Landes? "Warum nicht", entgegnet er lachend. Zuzutrauen wäre es ihm.

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