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Dwaine Chambers gewann bei der Hallen-WM 2008 Silber über die 60 m © getty

Dwain Chambers könnte durch seine Biographie auch den Londoner Olympia-Chef belasten. Er selbst berichtet von dauerhaftem Doping.

London - Das neue Enthüllungsbuch des einstigen Dopingsünders Dwain Chambers schlägt in England hohe Wellen.

"Es wird Großbritannien und die Leichtathletik-Welt ins Mark treffen", schreibt das Boulevard-Blatt "Daily Mail".

Und der "Daily Telegraph" urteilt über das Werk des Mannes, der am Sonntag bei den Hallen-Europameisterschaften in Turin Goldfavorit über 60 m ist:

"Er wirft Handgranaten auf Sebastian Coe und Kelly Holmes."

Coe und Holmes im Fokus

Offenbar muss der Organisationschef der Olympischen Sommerspiele 2012 in London und Vizepräsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF Doping-Anschuldigungen aus seiner Vergangenheit fürchten.

Ähnlich Holmes, die wie Coe (1980/84) ebenfalls zweimal Olympiagold gewann (2004). Beide gelten als prominente Befürworter einer lebenslänglichen Sperre für Dopingsünder.

"Menschen, die im Glashaus sitzen, sollten nicht mit Steinen werfen", sagt Chambers, dessen Autobiografie am Tag nach der Hallen-EM (9. März) unter dem Titel "Race against me: My story" erscheinen soll. Ihm gehe es darum, "etwas Balance in die bisher so einseitig dargestellte Geschichte zu bringen", sagt Chambers im "Guardian".

Schulden in sechsstelliger Höhe

Den 30-Jährigen, der 2008 WM-Zweiter in der Halle werden durfte, aber wegen seiner Dopingvergangenheit bei Olympia und den meisten Sportfesten nicht starten darf, belasten Schulden in sechsstelliger Höhe, weil er nach seinem Dopinggeständnis über Jahre zu Unrecht erhaltene Prämien an die IAAF zurückzahlen muss.

51 Meeting-Veranstalter hatten 2008 beschlossen, keine ehemaligen Doper starten zu lassen.

Somit kann Chambers auch die aktuellen, offenbar sauber gewonnenen Medaillen nicht versilbern. "Es bedrückt mich sehr, dass ich derzeit vor allem auf die Einkünfte meiner Lebensgefährtin angewiesen bin", sagt Chambers mit Blick auf die Mutter seiner beiden Kinder.

"Fast jeden Tag auf Drogen"

Der Staffel-Europameister hat in seinem Buch gestanden, während seiner Dopingzeit mehr als 300 verschiedene Drogen pro Jahr konsumiert zu haben.

Chambers war 2003 positiv auf die zuvor kaum nachzuweisende Designer-Droge THG getestet und dann gesperrt worden. Seine zwischen Januar 2002 und Herbst 2003 erzielten Resultate wurden annulliert.

"Ich war zu diesem Zeitpunkt fast jeden Tag auf Drogen, praktisch ein wandelnder Junkie. Ich bin immer routinemäßig kontrolliert worden, im Zeitraum des Gewinns meines EM-Titels 2002 gleich zehnmal. Nie wurde ich positiv getestet", schreibt Chambers.

Bestzeit um eine Zehntelsekunde verbessert

Der Londoner gibt an, mental ein Wrack gewesen zu sein: "Im Oktober nahm ich 21-mal Drogen. Nicht nur THG, EPO und HGH, auch Testosteron, um meinen Cholesterolspiegel zu senken und damit ich schlafen konnte. Ich habe mir auch Insulin in den Magen gespritzt, nach einer Gewichtsreduzierung."

Seine Bilanz für den Zeitraum von einem Jahr ist erschreckend: "Es waren mehr als 300 verschiedene Substanzen in einem Jahr. Die Kosten dafür betrugen 30.000 Pfund (heute 33.750 Euro). Dafür habe ich meine persönliche Bestzeit in einem Jahr mit schlaflosen Nächten, Angstzuständen, Krampfschmerzen sowie andauernden Blutchecks, um Schlag- oder Herzanfälle zu verhindern, von 9,97 auf 9,87 Sekunden gesteigert."

Der Grund für die Torturen seien finanzielle Aspekte gewesen. In einem mit 200.000 Pfund (225.000 Euro) dotierten Vertrag mit einem Sportartikelhersteller habe es eine Klausel gegeben, "dass die Bezüge halbiert würden, wenn ich nicht in mehr zu den ersten Drei der Rangliste gehöre. Deshalb habe ich zu Dopingmitteln gegriffen", schreibt Chambers.

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