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Usain Bolt gewann in Moskau seine WM-Medaillen acht, neun und zehn © imago

Trotz drei WM-Medaillen endet für Bolt mit dem Sieg in Brüssel eine nur mäßige Saison. Der Doping-Vorwurf wiegt schwer.

Brüssel - Der schnellste Mann der Welt wollte ganz schnell in den Urlaub.

"Ich möchte jetzt nur noch nach Hause, meine Freunde und meine große Familie sehen, nichts als entspannen", sagte Usain Bolt, nachdem der Jamaikaner beim Diamond-League-Meeting in Brüssel mit einem Sprint in 9,80 Sekunden seine Saison beendet hatte.

Eine Saison, die viele Fragen offen ließ.

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Bolt trotz Titeln unzufrieden

48.000 Fans im König-Baudouin-Stadion feierten den Superstar, und Bolt besänftigte die Massen mit nur halbherzig vorgeführten Mätzchen.

Deutlich wurde dadurch vor allem eines: Für den Sprinter-König war es ein Jahr, mit dem er trotz der drei WM-Titel von Moskau nicht zufrieden sein kann.

Ein Jahr, in dem seine Lockerheit erstarb.

"Es war keine perfekte Saison", sagte Bolt denn auch: "Sicherlich nicht die beste meiner Karriere."

Bolt nicht mehr außerirdisch

2013 ist für Bolt ein Jahr des Rückschritts gewesen.

Auf höchstem Niveau zwar, aber dennoch wurde klar: Seinen eigenen Rekorden wird Bolt wohl bis ans Ende seiner Karriere hinterher laufen. Dem Weltrekordler fehlt die Leichtigkeit früherer Jahre, er gewinnt zwar, dominiert aber nicht mehr uneingeschränkt.

Der Außerirdische, das merken die Verfolger, ist irdisch geworden. Bolt registriert dies, schraubt seine Faxen auf ein Minimum zurück, wirkte über das Jahr geradezu ernst.

Kaum Fortschritt

Bolts Krise, wenn man diesen Ausdruck benutzen will, lässt sich mit Zahlen verdeutlichen:

Seit seinem Durchbruch 2008 war er nur 2010 langsamer über 100 m - damals lag sein Spitzenwert bei 9,82, jetzt bei 9,77. Addiert man seine Saisonbestzeiten über 100 und 200 m, war es gar seine schlechteste Saison seit 2007.

Doping allgegenwärtig

In den vergangenen sechs Jahren war Bolt zuvor nur einmal nicht der schnellste Mann über 100 m. 2010, ein Übergangsjahr ohne WM und Olympia, lag Tyson Gay vor ihm.

Der US-Sprinter ist auch 2013 die Nummer eins der Weltrangliste (9,75).

Nur: Gay entpuppte sich wie auch Bolts Landsmann Asafa Powell als Dopingsünder.

"Ich möchte dominieren"

Spätestens seitdem läuft Bolt gegen den Generalverdacht an:

Warum sollte ausgerechnet der schnellste Mann der Welt sauber sein, wenn sich jeder andere als Betrüger erweist?

Wo immer Bolt lief, stand diese Frage im Raum. Der Jamaikaner, gegen den nichts vorliegt außer der Tatsache, dass er schneller ist als jeder andere, reagierte mit Saisonverlauf zunehmend verschnupft auf Nachfragen.

"Ich bin immer noch in großartiger Form", sagt Bolt: "Ich möchte dominieren, bis ich meine Karriere beende."

Reichen Medaillen noch?

2016 soll dies sein, nach Olympia in Rio. Bis dahin wird Bolt die Konkurrenz ohne Frage domieren können.

Seinen Zenit indes hat er wohl überschritten, seine Weltrekorde scheinen selbst für ihn außer Reichweite.

Kann Bolt, der neue Herausforderungen wie den Weitsprung oder die 400 m mittlerweile ausgeschlossen hat, allein die Hatz nach immer neuen Medaillen befriedigen?

Es ist die spannendste Frage, welche die Leichtathletik zu bieten hat.

Lange Saison zehrt kaum

Offenkundig wurde in Brüssel, dass die lange Saison an den Topkräften aus Übersee kaum Spuren hinterlassen hat.

Bolt lief an seine Jahresbestzeit heran, Landsfrau Shelly-Ann Fraser-Pryce stampfte bei Gegenwind 10,72 auf die Bahn. Rechnet man dies auf neutrale Verhältnisse hoch, ist sie auf einem Niveau wie die verstorbene Weltrekordlerin Florence Griffith-Joyner.

Beängstigend, zumal in Sherone Simpson und Veronica Campbell-Brown die nächstschnellsten Jamaikanerinnen in diesem Jahr als Betrügerinnen aus dem Verkehr gezogen wurden.

Deutsche nicht mehr in Form

Und die Deutschen? Mit denen war in Brüssel nichts mehr los.

Kugel-Weltmeister David Storl sagte ab, er war mit seinem Kräften am Ende.

Sechs-Meter-Springer Björn Otto wurde mit 5,60 m Vierter, WM-Triumphator Raphael Holzdeppe und der WM-Fünfte Malte Mohr hatten sich verletzungsbedingt bereits aus der Saison verabschiedet.

Die anderen, von Speerwurf-Queen Christina Obergföll bis zu Diskus-Dominator Robert Harting, waren schon in den winterlichen Ruhestand geeilt.

Urlaub, das wurde in Brüssel beim Finale einer irrsinnigen Meeting-Hatz mehr als deutlich, hatten sie alle bitter nötig.

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