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Florence Griffith Joyner wurde in Seoul 1988 dreifache Olympiasiegerin © getty

Vor 25 Jahren pulverisiert Griffith-Joyner Rekorde und betört Clinton. Zehn Jahre später nimmt sie ein Geheimnis mit ins Grab.

München - Die Diva ist tot, doch ihr Mythos lebt: Florence Griffith-Joyner war das Glamourgirl mit den 15 Zentimeter langen Fingernägeln, dem grellen, hautengen Outfit und der wehenden Mähne.

1988 verblüffte die US-Amerikanerin die Sportwelt erst mit dem 100-m-Fabel-Weltrekord von 10,49 Sekunden, wenig später rannte sie bei ihrem zweiten Olympia-Gold in Seoul die bis heute ebenfalls noch unangetastete 200-m-Zeit von 21,34.

Und zehn Jahre später schockte sie die Welt auf ganz andere Weise: Mit ihrem frühen Tod im Alter von nur 38 Jahren. Dabei nahm sie ein Geheimnis mit ins Grab.

Clinton schwärmt von Flojos Talent

Ihr Tod wurde in den USA ähnlich aufgenommen, als sei eine Hollywood-Diwa aus dem Leben geschieden.

Bill Clinton, der US-Präsident, sagte damals: "Wir waren betört von ihrer Geschwindigkeit, eingenommen von ihrem gesegneten Talent und gefangen von ihrem Stil."

Es war die frühere Trainingspartnerin Lorna Boothe, die Tage nach Flojos Tod deren Mythos gefährdete: "1987 habe ich eine Krankenschwester getroffen, die in einem kalifornischen Hospital arbeitete und mir bestätigte, dass Flo-Jo regelmäßig mit anabolen Steroiden und Testosteron behandelt wurde."

Keine Spuren von Dopingmissbrauch

Doch Fakten, die dies belegen, fanden sich nicht bei Flojo, die von Ehemann Al Joyner, dem Dreisprung-Olympiasieger, morgens im gemeinsamen Haus im kalifornischen Mission Viejo leblos im Bett gefunden worden war.

Gerichtsmediziner stellten fest, dass Flojo an einer angeborenen vaskulären Malformation im Gehirn starb.

Sie schlossen Herzprobleme, früheren Drogenmissbrauch oder Doping aus. Spuren verbotener Substanzen wurden bei Dopingtests nicht gefunden.

Unter Kersee ins Zwielicht

Doch dies sagt gar nichts. Auch ihre Nachfolgerin Marion Jones, die wegen Meineids im Gefängnis landete, oder das gefallene Radsport-Idol Lance Armstrong wurden nie überführt.

Das lag entweder an unzulänglichen Kontrollsystemen oder der Existenz noch unentdeckbarer Mittel wie Wachstumshormonen.

Zweifel blieben allerdings. Sie wurden durch vieles genährt. Denn die Leistungsexplosion bei Flojo, die lange nur auffiel durch Outfit und Fingernägel, kam ganz plötzlich nach dem Wechsel zum zwielichtigen Trainer Bob Kersee, der auch ihre Schwägerin Jackie Joyner-Kersee in Seoul zu Gold und Fabel-Weltrekord führte:mit ebenfalls bis heute unerreichten 7291 Punkten im Siebenkampf.

Um Welten schneller als die DDR-Legenden

Bei Olympia 1984 in ihrer Heimatstadt Los Angeles gewann Flojo zwar in 22,04 Sekunden Silber, bei der WM 1987 in Rom mit deutlich entwickelter Muskulatur in 21,96 erneut, dazu Gold im 4x100-m-Quartett.

Doch erst 1988 trugen sie muskelbepackte Beine zu Zeiten, die die Sprint-Welt revolutionierten: Mit ihren 10,49 lag Flojo 0,27 Sekunden unter dem damaligen Weltrekord von Evelyn Ashford (ebenfalls USA) - wobei die Windmessung (0,0) Zweifel aufwarf, weil zeitgleich nebenan im Weitsprung enormer Rückenwind herrschte.

In Seoul rannte sie dann bei normalem Wind in 21,34 um 0,37 Sekunden schneller als zuvor Marita Koch und Heike Drechsler (beide DDR) bei ihren Weltrekorden von 21,71.

"Dieser Tod war vorhersehbar"

Zweifel ließ auch ihr bald folgender Rücktritt aufkommen. Dieser fiel in eine Phase, in der ihr Marktwert auf 50 Millionen Dollar geschätzt wurde und nach dem Doping-Skandal um Kanadas gefallenen 100-m-Star Ben Johnson die Ankündigung von verschärften Kontrollen folgte.

Nach der Geburt ihrer Tochter Mary Ruth am 15. November 1990 kündigte die Weltrekordlerin mehrfach ein Comeback an, dieses scheiterte 1996 vor Olympia in Atlanta an Achillessehnenproblemen, noch im gleichen Jahr folgte ein leichter Schlaganfall.

Danach stellte der Dopingexperte und Molekularbiologe Werner Franke fest: "Es gibt 50 Arbeiten, die belegen, dass selbst geringer Anabolikakonsum zu dramatischen Folgeschäden führen kann."

Auch ein Schlaganfall sei "eine typische Folge von Anabolika-Mißbrauch. Dieser Tod war vorhersehbar".

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