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Sebastian Coe wird wohl nicht mehr zum Fürsprecher von Ex-Doper Dwain Chambers werden © getty

Sebastian Coe gibt den politisch korrekten Funktionär und schweigt. Dem Londoner Olympia-Chef wird vorgeworfen, ein Ehebrecher zu sein.

München - Viele Worte will Lord Sebastian Coe zu Ex-Doper Dwain Chambers nicht verlieren, doch seine Gelassenheit trotz pikanter Vorwürfe klingt wenig überzeugend.

"Ich habe keine Ahnung, was er über mich oder irgendwen anders geschrieben hat, ich lese das nicht", sagte der Chef des Olympia-Organisationskomitees von London 2012 zum Vorwurf aus Chambers jüngst erschienenem Buch, er sei ein Ehebrecher ("Er wirft Handgranaten auf Sebastian Coe").

Wenn das Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF mit Coe als Vize-Präsidenten nun am Wochenende in Berlin berät, ob Chambers erneut gesperrt werden sollte, weil er ausstehende Prämien-Rückzahlungen noch nicht geleistet hat, wird er in Coe keinen Fürsprecher haben.

Beim Thema Sport gesprächsbereit

Doch öffentlich gibt der ehemalige 800-m-Weltrekordler noch den politisch korrekten Funktionär: "Es ist kein Thema, zu dem ich mich jetzt äußern sollte."

Ganz anders ist das, wenn es um Sport geht. Er glaube fest daran, trotz afrikanischer Übermacht auch heute noch 1500-m-Olympiasieger werden zu können.

"Schauen Sie sich die Zeiten an. Sie sind heute kaum besser als meine von früher", meint Coe, dessen 800-m-Bestleistung von 1981 (1:41,73 Minuten) nur von Wilson Kipketer (Dänemark/1:41,11) unterboten wurde.

Trainer als Problem

"Ich widerspreche vehement Behauptungen, dass es für europäische Läufer physisch oder psychisch nicht möglich wäre, auf irgendeiner Strecke jeden Gegner auf der Welt zu schlagen. Aber natürlich gab es früher nicht so viele afrikanische Läufer", erklärte Coe, der 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles olympisches Mittelstrecken-Gold geholt hatte.

Das Problem seien hierzulande nicht die Athleten, sondern die Trainer: "Sie wirken auf mich müde. Sie sagen, es sei unmöglich mit einem Afrikaner Seite an Seite zu laufen. Das glaube ich nicht."

Coe, der jüngst Veränderungen in der Leichtathletik angemahnt hatte, da die Sportart sonst zu Grunde gehen würde, präsentierte sich in dem Gespräch als zurückhaltender Reformer. "Wir dürfen nicht unser Erbe und unsere Philosophie verkaufen. Bei allen Veränderungen wird die Leichtathletik kompliziert bleiben."

Fragwürdige Rekorde

Auch bei der Streichung von umstrittenen Weltrekorden gab er sich vorsichtig. Es gäbe zweifellos fragwürdige Rekorde.

Er halte aber nichts von willkürlichen Urteilen über Rekorde, "die wir nur in Frage stellen, weil sie von Athleten aus bestimmten Ländern aufgestellt worden sind. Wenn wir keine Beweise haben, können wir nicht handeln".

Überzeugt ist der Chef von Olympia 2012 in London vom Erfolg der WM im Berliner Olympiastadion (15. bis 23. August): "Leichtathletik war in Deutschland immer gut organisiert. Ich erinnere nur an die herausragende EM 2002 in München."

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