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Dwain Chambers gewann bei der Hallen-EM in Turin unangefochten Gold über 60 m © getty

Der IAAF plant die Politur: Start-Zocker sollen ausgeschlossen, der WM-Zeitplan verändert werden. Chambers darf weiterlaufen.

Berlin - Ex-Doper Dwain Chambers darf weiterlaufen, Fehlstarter dagegen bald nicht mehr:

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat sich bei seiner Council-Sitzung am künftigen WM-Schauplatz Berlin (15.-23. August) gegen eine neue Strafe für den Briten ausgesprochen und gleichzeitig dem Kongress vorgeschlagen, Mitte August in der deutschen Hauptstadt die Zockerei mit den Fehlstarts zum 1. Januar 2010 zu verbieten.

Festgehalten werden soll dagegen am bisherigen WM-Format mit neun Tagen und 47 Disziplinen. Reformiert wird nur der Zeitplan.

Drei Chambers-Exemplare liegen aus

An Abenden sind in kompakten Drei-Stunden-Programmen mehr Finals vorgesehen, Qualifikationen und Vorkämpfe werden in die Vormittage verlagert.

Am meisten gelesen waren im IAAF-Council aber drei Exemplare des Chambers-Buches "Race against me". In diesem rechnet der Vize-Weltmeister und Hallen-Europarekordler über 60 m mit seinem Sport ab. ("Er wirft Handgranaten auf Sebastian Coe")

"Jeder, der sich darin angegriffen fühlt, kann gegen ihn vor Gericht ziehen. Die IAAF wird es nicht tun", erklärte Generalsekretär Pierre Weiss.

Weiss sähe lieber andere vorn

Stattdessen wolle die IAAF die Anhörung des britischen Leichtathletik-Verbandes UK Athletics abwarten, der Chambers für Montag einbestellt hat.

Das Council hätte die Macht gehabt, den 30-Jährigen wegen Rufschädigung umgehend aus dem Verkehr zu ziehen, wäre aber ein großes juristisches Risiko eingegangen.

Damit wird der umstrittene Doping-Sünder wohl auch bei der WM in Berlin (15. bis 23. August) gegen 100-m-Weltrekordler Usain Bolt um Gold kämpfen. "Ich würde aber lieber sehen, dass die Medaillen an Leute gehen, die immer sauber waren", gestand Weiss.

Die Schulden werden abgestottert

Ganz vom Tisch ist mittlerweile die Überlegung, Chambers das Laufen zu verbieten, weil er seine als Doper kassierten Prämien noch nicht zurückgezahlt habe.

Da verlaufe alles so wie vertraglich vereinbart, sagte Weiss. Rund die Hälfte der ursprünglichen Summe von 240.000 US-Dollar sei abbezahlt.

Um als olympische Kernsportart fernsehtauglich und zuschauerfreundlich zu bleiben, plant die IAAF ein umfassendes Reformprogramm, das beim 47. Kongress am 13./14. August in Berlin von 213 Mitgliedsnationen verabschiedet werden soll.

Bald Verfolgungsrennen?

Ab 2010 würden dann Fehlstarts die sofortige Disqualifikation des Verursachers zur Folge haben, so Weiss. Vorbild sei die Ein-Start-Regel des Schwimmens: "Das Council steht einstimmig dahinter."

Bei einer ersten IAAF-Abstimmung 2005 hatten sich noch die Traditionalisten durchgesetzt, doch mittlerweile scheint die Reformbereitschaft deutlich gewachsen.

Über 100 Vorschläge auf Regeländerungen sollen in knapp fünf Monaten diskutiert werden, darunter auch noch einmal der des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Verfolgungsrennen am Ende der Mehrkämpfe einzuführen. Dies soll schon in naher Zukunft getestet werden.

"Mittlerweile tun wir alles"

Mit viel Lob bedachten die 27 Council-Mitglieder die Organisatoren der WM in Berlin. "Berlin ist heiß, das spürt man", meinte IAAF-Vize Sebastian Coe, zugleich Chef des Londoner Olympia-OK's für 2012. ("Was Chambers schreibt, lese ich nicht")

Die Zukunft der Leichtathletik wird in der deutschen Hauptstadt beginnen - das ist schon jetzt klar. Denn mit Neuerungen wie der Verlagerung von Marathon und Geh-Wettbewerben ans Brandenburger Tor werden neue Wege beschritten.

"Vor acht Jahren wäre das noch unvorstellbar gewesen. Mittlerweile tun wir alles, um unsere Wettkämpfe medien- und zuschauerfreundlich zu machen", sagte der Australier Bill Bailey, der als technischer Delegierter der IAAF die WM-Vorbereitungen überwacht.

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