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Unter Druck: DOSB-Präsident Thomas Bach (l.) und Innenminister Wolfgang Schäuble © getty

Mit ihrer Erklärung zur Beteiligung am DDR-Dopingsystem beenden fünf Leichtathletik-Trainer ein 20-jähriges Versteckspiel.

Berlin - Die Dopingopfer sprechen von "politischer Perversion" und "Vertuschung", die Grünen im Bundestag von einer "Schwammdrüber-Mentalität":

Mit ihrer Erklärung zur Beteiligung am Dopingsystem der DDR haben fünf Leichtathletik-Trainer ein 20-jähriges Versteckspiel beendet und zugleich tiefe Gräben in der deutschen Sportpolitik sichtbar werden lassen (DLV-Quintett gesteht) .

Ohne Einbeziehung der Geschädigten sei zugunsten der genannten Trainer eine "Lösung" konstruiert worden, die "nicht dazu taugt, eine Annäherung von Tätern und Opfern herbeizuführen", schreiben die Dopingopfer Andreas Krieger und seine Frau Ute Krieger-Krause.

Sie richteten einen offenen Brief an Innenminister Wolfgang Schäuble, DOSB-Präsident Thomas Bach sowie DLV-Präsident Clemens Prokop.

Das Magdeburger Ehepaar wirft Schäuble und den beiden Sportpolitikern vor, sie unternähmen einen "durchsichtigen Versuch, ihren Anteil an der nunmehr zwei Jahrzehnte währenden Ignoranz gegenüber den Opfern, an der Duldung eines ebenso lange währenden Leugnens beteiligter Trainer, an mutmaßlichen jahrelangen Verstößen gegen die Antidopingklauseln in den Zuwendungsbescheiden des BMI an die Sportverbände, mithin an der missbräuchlichen Verwendung von Steuergeldern, zu vertuschen."

Geipel mit Brechreiz

Von einer "Vereinigung der Abnicker" sprach die frühere Leichtathletik-Weltrekordlerin (4x100 m Vereinsstaffel) Ines Geipel.

Erklärung und dazugehörige Pressemitteilung seien "Supertexte, bei denen man aufpassen muss, dass man sich nicht übergeben muss". Das Thema gehöre ins Parlament, forderte sie und kündigte an, sich von einem Juristen beraten zu lassen.

Bach will alle Einzelfälle prüfen

Winfried Hermann, Sportsprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, kritisierte das vom BMI akzeptierte Vorgehen von Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) und Deutschem Leichtathletik-Verband (DLV) als "Generalamnestie". (Alle Mehrsport-News)

Derweil versicherte DOSB-Präsident Thomas Bach, die Erklärung sei eben kein Persilschein: "Jeder Einzelfall wird von unserer unabhängigen Doping-Kommission geprüft."

Schneider hofft auf Ende der Debatte

Der Magdeburger Coach Klaus Schneider, der wie Maria Ritschel, Gerhard Böttcher, Rainer Pottel und Klaus Baarck die Erklärung unterschrieben hat, hofft durch den Schritt auf ein Ende der Debatte um DDR-Trainer.

Nie zuvor seien die Brücken von der Sportpolitik für die Betroffenen so sicher gebaut gewesen, "dass man sagen konnte, wir begegnen uns als gleichwertige Partner. Es bestand immer die Gefahr, dass man über die Klinge springt", sagte er. Nun sei eine völlig neue Situation entstanden.

"Nicht über die Geständigen herfallen"

Damit es der Beginn einer neuen Epoche in der Diskussion wird, müssen aus Sicht von Katrin Kunert, Sportsprecherin der Linkspartei, nun Outings von West-Trainern folgen.

"Voraussetzung für Geständnisse ist, dass wir nicht über die Geständigen herfallen", meinte Klaus Riegert von der CDU.

Detlef Parr von der FDP bezeichnete die Erklärung als "Signal für die Übernahme von Mitverantwortung".

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