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Jesse Owens stellte innerhalb von 45 Minuten fünf neue Weltrekorde auf © imago

Der Olympia-Held von 1936 ist in Berlin ganz präsent. Doch die US-Amerikaner dürfen seine Initialen bei der WM nicht auftragen.

Berlin - 73 Jahre nach dem vierfachen Olympiagold von Jesse Owens bei den Sommerspielen 1936 lebt der Mythos der amerikanischen Sportlegende wieder auf.

"Rückkehr nach Berlin", lautet das Motto der USA-Leichtathleten, die bei den 12. Weltmeisterschaften (15.-23. August) erneut den Medaillenspiegel dominieren wollen.

Einen wie Owens haben sie nicht im Team. Der war so einmalig, dass nur Carl Lewis bei Olympia 1984 in Los Angeles den Vierfach-Triumph über 100, 200, 4x100 m und im Weitsprung wiederholen konnte.

"Jesse Owens - eine Sportlegende"

Der 1980 im Alter von nur 66 Jahren verstorbene James Cleveland Owens, Sohn eines Baumwollpflückers, ist 29 Jahre nach seinem Tod in Berlin noch ganz präsent:

Seit 1986 trägt nahe des Olympiastadions eine Straße den Namen des damals 22-Jährigen, der zur historischen Figur wurde durch seinen Triumh über die Rassenideologie der Nationalsozialisten und ihres Führers Adolf Hitler.

An den Mann, der am 25. Mai 1935 in Ann Arbor/US-Bundesstaat Michigan durch sechs Weltrekorde erstmals Sportgeschichte geschrieben hatte, erinnert nicht nur während der WM eine Ausstellung nahe des Olympiastadions: "Jesse Owens - eine Sportlegende" (26. Juli - 31. Januar 2010).

Sie entstand ohne Mittel aus dem Kulturetat des WM-Organisationskomitees (2,0 Mio. Euro), sondern durch Geld von Sportmuseum Berlin und Privatleuten.

Owens-Töchter zur WM

Der US-Leichtathletik-Verband wollte seine Athleten bei der WM mit den Initialen "J.O." auf dem Hemd ins Rennen schicken. Doch der Leichtathletik-Weltverband IAAF erteilte dieser Idee eine Absage.

Hoffnung besteht dagegen, dass die WM-Organisatoren eine Anregung der Amerikaner aufgreifen und die Töchter von Jesse Owens und die Nachfahren des 1943 im Krieg gefallenen Olympiazweiten Luz Long die Weitsprung-Siegerehrung vornehmen.

Dem NSDAP-Parteimitglied und dem Sklaven-Enkel aus Alabama war nach den Spielen eine jahrelange Sportfreundschaft angedichtet worden, die offenbar in dieser Form nicht existierte, auch durch keinen Brief belegt ist.

Kritik am Mann der Stunde

Owens schrieb in seinen Memoiren zum Kapitel Long: "Es kostete viel Mut, sich vor den Augen Hitlers mit mir anzufreunden. Hitler muss wahnsinnig geworden sein, als er uns umarmen sah. Das Traurige an der Geschichte ist, dass ich Long nie mehr gesehen habe. Er wurde während des Zweiten Weltkriegs getötet."

Falsch dargestellt wurde offenbar auch Vieles, was Jesse Owens und seine Begegnungen mit Adolf Hitler betraf. Angeblich versagte der Führer Owens bei einigen Wettkämpfen die Anerkennung für herausragende Leistungen.

In seiner Biografie schrieb Owens jedoch: "Als ich am Kanzler vorbeikam, stand er auf, winkte mir zu und ich winkte zurück. Ich denke, die Journalisten zeigten schlechten Geschmack, als sie den Mann der Stunde in Deutschland kritisierten."

Hitler reichte ihm nicht die Hand

Auch die Version vom verweigerten Handschlag Hitlers scheint nicht politisch korrekt. Er hat Owens offenbar tatsächlich nicht wirklich persönlich gratuliert.

Aber dies war wohl Folge dessen, dass das Internationale Olympische Komitee Hitler kritisiert hatte, nachdem er am ersten Tag der Spiele nur die deutschen Athleten beglückwünscht hatte.

Laut IOC sollte er aus Gründen der Neutralität allen Gewinnern oder keinem gratulieren. Hitler entscheid sich für Letzteres und reichte somit auch Owens nicht die Hand.

Bundestverdienstkreuz für Owens

Owens fühlte sich jedoch vom damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt verletzt, der damals im Wahlkampf steckte und offenbar Reaktionen aus den Südstaaten fürchtete, falls er Owens ehren würde.

Der Star der Berliner Spiele bemerkte später dazu: "Hitler hat mich nicht brüskiert, sondern Roosevelt. Der Präsident hat mir nicht einmal ein Telegramm geschickt."

Owens erhielt 1973 das Bundesverdienstkreuz - für seinen Einsatz für internationale Verständigung und seine Bemühungen, nach dem 2. Weltkrieg Fehlvorstellungen über das deutsche Volk zu korrigieren.

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