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Der jetzige Hertha-BSC-Präsident Gegenbauer zog sich als designierter WM-OK-Chef zurück © getty

Bei der Schmierenkomödie von Nairobi verloren, viel Personal verschlissen: Erst im zweiten Anlauf bekommt Berlin den WM-Zuschlag.

München - Dem Triumph von Helsinki ging das von einer Schmierenkomödie begleitete Debakel von Nairobi voraus: Berlin musste zwei Anläufe nehmen, um die Leichtathletik-WM ins Olympiastadion zu holen.

Erst am 4. Dezember 2004 setzte sich die deutsche Hauptstadt im Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF mit 24 Stimmen klar gegen Valencia (2) und Split (0) durch.

Deutschland wurde zum zweiten Mal nach Stuttgart 1993 zum WM-Gastgeber erkoren. Die Chronologie:

15. Februar 2002: Das DLV-Präsidium beschließt, sich mit Berlin um die WM 2005 zu bewerben. Sie ist zu vergeben, weil der ursprüngliche Gastgeber London kurzfristig einen Rückzieher gemacht hat. München und Stuttgart verlieren das nationale Rennen gegen Berlin.

12. April 2002: Das Traditions-Sportfest ISTAF in Berlin stellt einen Insolvenzantrag.

13. April 2002: In Nairobi überbieten sich die sechs WM-Kandidaten Moskau, Brüssel, Rom, Budapest, Helsinki und Berlin mit Millionen-Offerten für "sportliche Entwicklungshilfe". Damit sollen Stimmen der Drittwelt-Mitglieder des Councils des Weltverbandes IAAF gewonnen werden.

14. April 2002: Die Berliner Bewerbung um die WM 2005 scheitert. Helsinki setzt sich bei der Abstimmung des IAAF-Councils als Ersatzkandidat für London durch. Berlin und Budapest verlieren im vierten Wahlgang.

April 2002: Berliner Geschäftsleute um Werner Gegenbauer und Gerhard Janetzky retten das ISTAF vor dem Aus und übernehmen einen Schuldenberg von rund 500.000 Euro.

24. Februar 2003: Der DLV beschließt, sich um die Leichtathletik-WM 2009 zu bewerben

30. Juni 2004: Der DLV und Berlin übergeben ihre 200-seitigen Bewerbungsunterlagen der IAAF. Als Gegner stehen Brüssel, Split und Valencia fest.

12. September 2004: 62.000 Zuschauer beim ISTAF im renovierten Olympiastadion bringen Rückenwind für die Berliner WM-Bewerbung.

5. Dezember 2004: Berlin setzt sich bei der Abstimmung des IAAF-Councils mit 24 Stimmen gegen die beiden einzigen verbliebenen Rivalen Valencia (2) und Split (0) durch.

20. April 2005: Es wird bekannt, dass Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und DLV-Präsident Clemens Prokop Präsidenten des WM-OK werden. Der designierte Chef Werner Gegenbauer zieht sich aus "persönlichen Gründen" zurück.

4. Oktober 2005: Das WM-OK eröffnet seine Geschäftsstelle im Olympiapark nahe des Olympiastadions. Heiner Henze soll dort als Geschäftsführer tätig sein, Heinrich Clausen als sein Event Manager.

5. Juli 2007: Heiner Henze verkündet seinen Rückzug als Geschäftsführer des WM-OK zum 30. September.

August 2007: Michael Mronz wird mit seiner Kölner Agentur für die Vermarktung und Promotion angeheuert.

31. August 2007: Das WM-OK gibt bekannt, dass DLV-Generalsekretär Frank Hensel und Heinrich Clausen ab 1. Oktober gemeinsam die Geschäfte führen werden.

26. Oktober 2007: Handstreichartig wird der Aufsichtsrat verkleinert und umbesetzt. Kritische Köpfe wie ISTAF-Chef Gerhard Janetzky müssen ausscheiden. Offizielle Begründung: Das Gremium ist so groß, dass es schwer war, gemeinsame Termine zu finden.

2. April 2008: 500 Tage vor dem WM-Auftakt startet der Ticketverkauf für die Titelkämpfe. Ziel ist es, 500.000 Karten abzusetzen.

10. April 2008: Bundespräsident Horst Köhler übernimmt die Schirmherrschaft für die WM.

17. April 2008: Das WM-OK gibt bekannt, dass bereits 100.000 Tickets verkauft sind.

15. August 2008: Ein Jahr vor dem WM-Auftakt sind nach offiziellen Angaben 145.000 Eintrittskarten vergriffen.

21. Oktober 2008: Es wird bekannt, dass zusätzlich rund fünf Millionen Euro vom Land Berlin für die Herrichtung des Olympiastadions bereitgestellt werden müssen. Die Infrastrukturkosten belaufen sich damit auf rund 13,3 Millionen Euro. Hinzu kommt eine Ausfallbürgschaft für 20 Millionen Euro.

22. Januar 2009: Ein Bär namens "Berlino" wird als WM-Maskottchen präsentiert.

6. Februar 2009: Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt Mitglieder des WM-OK und potenzielle Sponsoren zu einem Mittagessen und bekundet ihre Unterstützung für die WM.

9. März 2009: Es werden 17 Athleten als Gesichter der WM vorgestellt, die für das Großereignis werben sollen.

23. März 2009: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück übergibt an Innenminister Wolfgang Schäuble und DLV-Präsident Clemens Prokop Münzen und Sonderbriefmarken mit Motiven zur Leichtathletik-WM. Der Münzverkauf soll zwei Millionen Euro einbringen. Das Geld ist für das Kulturprogramm vorgesehen.

27. April 2009: 100 Tage vor dem WM-Auftakt startet eine Roadshow durch 60 der größten deutschen Städte, mit der auf die WM aufmerksam gemacht werden soll.

26. Mai 2009: Der Deutsche Leichtathletik-Verband nominiert die ersten zwölf Athleten für die WM. Sie werden von Goldkandidatin Irina Mikitenko angeführt.

10. Juni 2009: Der Deutsche Leichtathletik-Verband kündigt für den Fall des Rückzugs des ISTAF aus dem Olympiastadion im Jahr 2010 an, ein eigenes Meeting in der neuen Diamond League auf die Beine stellen zu wollen.

15. Juni 2009: Die IAAF lässt den DLV mit seinen Plänen für die Diamond League abblitzen. Für die Zeit nach der WM droht jetzt der Auszug der Leichtathletik aus dem überdimensionierten Olympiastadion. Das ISTAF geht voraussichtlich in den Jahnsportpark.

15. Juni 2009: Der Aufbau des WM-Containerdorfes beginnt am Olympiastadion. Dort wird während der Titelkämpfe das Fernsehzentrum sein.

23. Juni 2009: Sechs Mehrkämpfer werden vom DLV für die WM nominiert, wobei Götzis-Sieger Michael Schrader später verletzt absagen muss.

6. Juli 2009: Die IAAF sorgt sich um den Ticketverkauf für die WM. Präsident Lamine Diack bespricht in Berlin mit dem WM-OK neue Promotionmaßnahmen.

7. Juli 2009: Bei einer Pressekonferenz nominiert der DLV 74 Athleten für Berlin, darunter die bereits feststehenden 18 Läufer, Geher und Mehrkämpfer.

14. Juli 2009: Der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) sorgt sich um die geringe Auslastung vieler Häuser während der WM. Derweil verkündet das WM-OK den Verkauf von 250.000 Tickets.

17. Juli 2009: Es wird bekannt, dass der Verkauf der Logen im Olympiastadion erhebliche Probleme bereitet. Ein Experte kritisiert die Vermarktung der WM durch die japanische Agentur Dentsu.

18. Juli 2009: Der "Tagesspiegel" berichtet, dass sich die Senatsverwaltung und das WM-OK intensiv auf mögliche Schweinegrippe-Fälle während der Titelkämpfe vorbereiten.

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