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Tobias Unger hält mit 20,20 Sekunden den deutschen Rekord über 200 Meter © getty

Die fünf positiven Dopingproben von Usain Bolts Trainingskollegen lassen den 30-Jährigen am Kontrollsystem zweifeln.

Berlin - Die deutschen Sprinter Tobias Unger und Alexander Kosenkow trauen 100-m-Weltrekordler Usain Bolt und seinen jamaikanischen Sprintkollegen nicht über den Weg.

"Wenn man sieht, wie spielerisch diese Leute 100 Meter unter zehn Sekunden laufen, besteht schon der Verdacht, dass das unmenschlich ist. Klar, dass ich das hinterfrage", sagte der Wattenscheider Kosenkow zwei Wochen vor der Leichtathletik-WM in Berlin (15. bis 23. August) bei "derwesten.de" (Der vorläufige WM-Kader).

Bei den jamaikanischen Meisterschaften waren fünf Sprinter, darunter zwei Trainingspartner von Bolt, positiv getestet worden.

"Ein richtiges Dopingsystem"

Unger zeigte sich in der "Südwestpresse" von den positiven Dopingproben besorgt: "Das Erstaunliche: Es sind viele aufgeflogen, alle mit dem gleichen Mittel. Das muss ein richtiges System sein."

Dennoch ist der deutsche Rekordsprinter über 200 Meter vom Kontrollsystem nicht überzeugt. "Wenn fünf auf einmal erwischt werden, haben sich die Kontrollen zunächst mal gelohnt", sagte Unger.

"Es wird allerdings gemunkelt, dass alle davonkommen. Entweder ist es eine verbotene Substanz und man wird zwei Jahre gesperrt - oder man kann das Ganze auch gleich sein lassen. Wenn?s keine Folgen hat, sind Kontrollen hinausgeworfenes Geld", führte der 30-Jährige aus.

"Vielleicht ist ja auch der Trainer nicht so schlecht: Yohan Blake ist 2008 noch 10,20 über 100 Meter gelaufen, jetzt schafft er im Regen 9,93. Wirklich interessant."

Unger glaubt an Bolt-Weltrekord in Berlin

Zugleich erwartet Unger jedoch Großes vom dreifachen Olympiasieger Bolt, der trotz schlechter Bedingungen in diesem Jahr schon 9,78 Sekunden über 100 m rannte und dessen Weltrekord bei 9,69 Sekunden liegt.

"Ich traue ihm zu, dass er eine Weltrekordzeit unter 9,60 Sekunden hinlegt", meinte der Kornwestheimer, der in Berlin über 100 m qualifiziert ist und dort auf Bolt treffen wird (Zum Zeitplan).

Harsche Kritik nach 100-Meter-Finale

Bei den Olympischen Spielen im Vorjahr in Peking hatte der 30-Jährige mit einer 100-m-Bestzeit von 10,16 Sekunden die Leistungen von Bolt bereits als "Riesenverarschung" bezeichnet.

Unger schied damals im Zwischenlauf aus, während der Rivale im Finale trotz Jubelpose 20 m vor dem Ziel zum Weltrekord stürmte.

"Hätte es genauso gemacht"

"Als er da so viel Vorsprung hatte, sich umdrehte und gestikulierte, fand ich das ein bisschen überheblich", sagt Unger nun deutlich differenzierter: "Heute denke ich, ich hätte es vielleicht auch so gemacht. So voller Adrenalin in so einem Finale, da kann man es einem letztlich doch nicht krumm nehmen."

Sein Weltrekord sei sensationell gewesen und habe der Leichtathletik an sich gut getan.

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