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Christina Obergföll gewann 2005 und 2007 jeweils WM-Silber © getty

Wenige Tage vor der WM stecken Christina Obergföll und Franka Dietzsch in schlimmen Formkrisen. Das Problem liegt wohl im Kopf.

Wattenscheid - Der Körper ist wieder fit, doch der Kopf spielt nicht mit.

Eineinhalb Wochen vor dem Auftakt der WM in Berlin (15. bis 23. August) sind zwei Stars der deutschen Leichtathletik die großen Sorgenkinder. (zum WM-Zeitplan)

"In dieser Form muss ich um den Einzug ins Finale bangen", sagt die dreimalige Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch.

Speerwerferin Christina Oberföll, die bei Olympia 2008 in Peking mit Bronze die totale Pleite der deutschen Leichtathleten verhindert hatte, sagt trotzig: "Und ich schaffe den Endkampf."

Obergföll: Beine spielen nicht mit

Die 27-Jährige aus Offenburg hat eine Zerrung im Rückenbereich und Probleme mit der Hüfte überwunden.

"Ich merke, dass ich Power habe ohne Ende. Nur: Ich muss den Speer treffen", sagt Christina Obergföll, die sich inzwischen schon nicht mehr bemüht, ihre innere Unruhe zu verbergen.

Nervös spielt sie unentwegt an ihren Fingern, während sie Sätze sagt wie diese: "Diese 60,33 m sind indiskutabel. Meine Beine spielen einfach nicht mit." (Alles zur Leichtathletik-WM)

Noch immer Weltranglistenerste

Nach dem Startverzicht von Europameisterin Steffi Nerius, die am Freitag das dritte Duell der letzen Wochen mit 66,82 zu 63,11 m in Leverkusen klar gewonnen hatte, endete für Obergföll ausgerechnet im schwächsten Saisonwettkampf eine Serie von vier Niederlagen. (Offene Planstellen für die WM)

Im Mai und Juni hatte die zweimalige WM-Zweite (2005 und 2007) noch groß aufgetrumpft, in sechs Wettkämpfen fünfmal mit Weiten von 66,88 bis hin zu jenen 68,59 überzeugt, mit denen sie noch immer an der Spitze der Weltrangliste steht.

Trainer beschwichtigt

Doch dann folgte der Abstieg: Inklusive der deutschen Meisterschaften Anfang Juli erlitt die Ex-Europarekordlerin (70,20) vier Niederlagen in Serie, kam dabei nicht über die Leverkusener 63, 11 m hinaus.

Auch Trainer und Manager Werner Daniels kann nur noch auf ein Wunder oder auf die Hilfe vom Psychologen hoffen, beschwichtigt die Situation zumindest nach außen: "Es geht einfach darum, dass sie technische Sicherheit erhält. In Berlin fängt alles bei null an."

Dietzsch's Weiten reichen nicht für Top 10

Oder es endet mit null Erfolg. Das muss auch Franka Dietzsch von Woche zu Woche mehr fürchten.

62,50 erzielte sie am 17. Juni beim mit Abstand bestenr Saisonwettkampf, doch auch damit wäre die 41 Jahre alte Neubrandenburgerin nur Nummer 17 der Weltrangliste, mit ihrem einzigen gültigen Wattenscheider Wurf (58,73) nicht unter den besten 50.

"Weiß nicht, woran es liegt"

"Ich bin niedergeschlagen. Im Training fühle ich mich gut. Ich weiß nicht, woran es liegt. Aber ich werde in Berlin starten", sagt sie ein Jahr nach ihrem Olympiaverzicht von Peking.

Franka Dietzsch will sich unter Erfolgscoach Dieter Kollark, der mit seinen Athletinnen seit der Wende zwölf Goldmedaillen bei Olympia, WM und EM gewann, nun ohne weiteren Wettkampf gezielt auf die WM vorbereiten.

Christina Obergföll hofft dagegen am Samstag in Cottbus noch auf eine gute WM-Generalprobe: "Ich weiß, dass ich viel mehr drauf habe, ich muss es einfach mit mehr Lockerheit und weniger mit der Brechstange versuchen."

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