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Sergej Litvinov junior kam bei der U-23-EM 2007 auf den elften Rang © imago

Die vermeintlichen Sünden seines Vaters werfen Schatten auf Sergej Litvinov. Trotzdem will er sich nicht beunruhigen lassen.

Berlin - Er trägt einen großen Namen. Doch bei diesem werden in Deutschland schnell die Augenbrauen hochgezogen.

Und deshalb spricht Hammerwerfer Sergej Litvinov aus Frankfurt/Main eineinhalb Wochen vor der Weltmeisterschaft in Berlin (zum WM-Zeitplan) offensiv über seinen Kampf gegen Doping.

Denn sein gleichnamiger Vater, 1988 in Seoul Olympiasieger und zweimaliger Weltmeister, hat ein Dopingproblem namens Iwan Tichon.

Litvinov senior betreute in Weißrussland den nach seinem Olympiabronze in Peking disqualifizierten Ex-Weltmeister.

Litvinov von Medien fehlinterpretiert

"Das war für uns alle ein Schock", sagt Litvinov junior.

Der 23-jährige gebürtige Russe ist seit Juli 2008 für Deutschland startberechtigt und qualifizierte sich in diesem Jahr durch die Steigerung seiner Bestleistung auf 77,88 m für die Heim-WM.

Doch zuletzt fühlte er sich von den deutschen Medien fehlinterpretiert. Interviews gibt er deshalb nur noch, wenn sie hinterher zur Freigabe vorgelegt werden.

Tichon unter Doping-Verdacht

Seine Geschichte ist komplex. Sie handelt von Doping in Weißrussland, Vorverurteilung in Deutschland und menschlichen Beziehungen.

"Iwan ist ein Freund und war während meiner Trainingsphasen in Weißrussland ein Trainingspartner von mir", berichtet Litvinov. Wann immer er in den vergangenen Jahren den Vater in Minsk besuchte, traf er auch Tichon, der vor dem Sport-Gerichtshof CAS in Lausanne um seine Medaille kämpft.

Er wird des Testosteron-Dopings beschuldigt.

Sedych ist sein Vorbild

Doch nicht nur wegen seiner freundschaftlichen Beziehung zu Tichon und dem Trainer-Vater in Weißrussland wird Litvinov junior aufmerksam beäugt.

Auch die Aussage, Weltrekordler Juri Sedych (Russland/86,74 m) sei ein Vorbild "für mich und alle anderen Hammerwerfer", birgt Zündstoff.

"Hammerwerfer brauchen jemanden, an dem sie sich technisch orientieren. Sedych ist eines meiner Vorbilder, genauso wie mein Vater und Athen-Olympiasieger Koji Murofushi", sagt Litvinov.

Warum solle er auf der Suche nach der perfekten Technik nicht auch auf Athleten schauen, "die in einer anderen Zeit geworfen haben"?

"Angst, erwischt zu werden"

"Wenn ich dopen wollte, wäre ich doch in Weißrussland geblieben und würde jetzt nicht für Deutschland starten. Alles andere wäre hirnlos", meint der 23-Jährige, der von Bundestrainer Michael Deyhle betreut wird.

"Doping war und ist kein Thema für mich und wird auch keines werden."

Darin unterstütze ihn auch sein Vater. Fast wöchentlich werde er kontrolliert. "Wer will schon die ganze Zeit rumlaufen und Angst haben, erwischt zu werden."

Litvinov trainierte Lysenko nur in der Jugend

Viele kleine und große Fehler gab es angeblich in der Berichterstattung über ihn.

So hieß es auch, sein Vater habe die des Dopings überführte russische Hammerwurf-Weltrekordlerin Tatjana Lysenko trainiert.

"Stimmt nur für die Jugendzeit, er war ihr Bundestrainer als sie 17 gewesen ist. Das hat doch aber nichts damit zu tun, dass sie später geschnappt wurde", sagt Litvinov junior, der 2007 für Weißrussland U-23-EM-Elfter geworden war.

Die Aufregung ist groß

Sein Vater sei während der Zeit in Russland einer der wenigen gewesen, die sich gegen Doping gestellt hätten.

"Deshalb musste er nach einem Jahr auch wieder gehen." Die Aufregung rund um Litvinov junior ist groß.

Trotzdem will er sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und die 30-jährige Hammerwurf-Geschichte seiner Familie fortschreiben. Auch wenn an die 86,04 m des Vaters wohl kein Rankommen mehr scheint.

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