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Irina Mikitenko durchbrach als erste Deutsche die Barriere von 2:20 Stunden © imago

Deutschlands größte Goldfavoritin Irina Mikitenko geht aus privaten Gründen nicht bei der Heim-WM in Berlin an den Start.

Cottbus - Deutschlands Leichtathletik-Nationalteam ist eine Woche vor Beginn der Heim-WM (zum WM-Zeitplan) in Berlin (15. bis 23. August) von der Absage der größten deutschen Goldfavoritin Irina Mikitenko geschockt worden.

Die Läuferin des TV Wattenscheid, die zuletzt zweimal den London-Marathon gewann, werde aus familiären Gründen nicht an der WM teilnehmen, erklärte DLV-Sportdirektor Jürgen Mallow in Cottbus.

Für sie rückt die als Ersatzläuferin nominierte Europameisterin Ulrike Maisch (Rostock) ins Team das sich durch den Ausfall von Hürdenläufer Thomas Goller wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade auf 91 Athleten reduzierte.

"Die Absage von Irina Mikitenko schwächt unser Team erheblich. Wir bleiben aber optimistisch", sagte Mallow. Mikitenkos Vater war vor zwei Wochen verstorben. "Irina hat es danach nicht geschafft, im Höhentrainingslager in St. Moritz in WM-Form zu kommen."

Der Familienbetrieb der zweimaligen London-Marathon-Siegerin, die in 2:22:11 Stunden die Weltrangliste anführt, ist ins Stocken geraten.

"Es ist wieder ein leichter Faserriss"

Auch 400-m-Hürden-Läufer Thomas Goller kann wegen einer Wadenverletzung nicht bei der WM starten.

Diese erlitt er beim Sportfest in Cottbus. "Es ist wieder ein leichter Faserriss, der innerhalb einer Woche nicht hinzubekommen ist", meinte der Wattenscheider, durch dessen Ausfall sich das WM-Team auf 91 Athleten reduziert.

Ernsthaft in Gefahr ist zudem der Einsatz von Kugelstoßer Peter Sack (Leipzig) wegen einer Kapselverletzung an der Hand.

Verletzung verhinderte Olympia-Teilnahme

Kein deutscher Leichtathlet hatte so gute Goldchancen wie die 36-Jährige, die ihren 37. Geburtstag im WM-Rennen am 23. August mit der Goldmedaille krönen und damit auch die Enttäuschung des Vorjahres verarbeiten wollte.

2008 musste die Favoritin auf Olympiagold kurz vor den Sommerspielen in Peking verletzungsbedingt absagen.

Vier 42,195-km-Rennen hat die in Kasachstan geborene und 1996 nach Deutschland gekommene Mikitenko in ihrer steilen Marathon-Karriere erst bestritten und dabei schon so ziemlich alles erreicht.

"Berlin ist meine Glücksstadt"

Drei Siege, ein zweiter Platz, der Gewinn der World-Marathon-Majors, der mit 500.000 US-Dollar dotierten Champions League des Marathons, sowie den deutschen Rekord von 2:19: 19 Stunden.

In Berlin hätte die "Marathon-Königin" ihre Erfolge vergolden können.

"Klar träume ich von WM-Gold an meinem Geburtstag", sagte sie immer wieder, erklärte aber auch: "Entscheidend ist, bis zum Schluss verletzungsfrei zu bleiben."

Zudem hatte sie noch nie schlechte Erfahrungen an der Spree gemacht: "Berlin ist meine Glücksstadt." Nun kam der Schicksalsschlag dazwischen.

Erst Mittelstrecke, dann Marathon

1999 war "Miki", wie sie in der Laufszene genannt wird, auf der Bahn WM-Vierte über 5000 m.

Doch in die absolute Weltklasse stieg sie erst mit ihrem Wechsel zum Marathon im Herbst 2007 auf, als sie bei der Premiere über 42,195 km in Berlin auf Anhieb Rang zwei belegte.

Es folgten 2008 Siege in London und Berlin sowie 2009 erneut in London. In der aktuellen Wertung der World Marathon Majors kann sie unabhängig vom WM-Verzicht erneut auf eine halbe Million Euro hoffen.

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