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Irina Mikitenko wiederholte beim London-Marathon 2009 ihren Erfolg vom Vorjahr © imago

Nach der überraschenden WM-Absage von Irina Mikitenko ruhen die Hoffnungen nun auf Ariane Friedrich und Robert Harting.

München/Berlin - Deutschlands Leichtathleten gehen vor dem WM-Auftakt am Samstag in Berlin die Stars aus.

Nach dem plötzlichen WM-Verzicht von Marathon-Ass Irina Mikitenko bleibt Hochspringerin Ariane Friedrich (LG Frankfurt) die einzige Gold-Hoffnung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.

Dieser weist angesichts der Formschwäche der Titelverteidigerinnen Betty Heidler (Hammer) und Franka Dietzsch (Diskus) sowie der Olympiadritten Christina Obergföll (Speer) mehr unsichere Kandidatinnen als Trümpfe auf.

Friedrich und Harting als Hoffnungsträger

"Die Absage von Irina Mikitenko schwächt unser Team erheblich. Wir bleiben aber optimistisch", sagte ein sichtlich betroffener DLV-Sportdirektor Jürgen Mallow bei Verkündung der Hiobsbotschaft beim Sportfest in Cottbus.

"Wir werden dennoch eine starke WM-Mannschaft haben. Neben Ariane Friedrich wird auch Diskuswerfer Robert Harting eine gute Rolle spielen", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop nach dem Verzicht der Wattenscheiderin, an deren Stelle Europameisterin Ulrike Maisch ins Marathon-Team rückt.

Beileid vom IAAF-Präsident

Auch IAAF-Präsident Lamine Diack reagierte betroffen auf die WM-Absage von Mikitenko.

"Das ist eine schmerzliche Nachricht. Wir möchten ihr unser herzliches Beileid aussprechen", sagte der Senegalese.

Er bedauere es sehr, dass Mikitenko fehlen werde und ihre Goldchance nicht wahrnehmen könne. (zum WM-Zeitplan)

Prokop trotz Mikitenkos Ausfall optimistisch

Mallow gab in Cottbus auch den WM-Verzicht von 400-m-Hürdenläufer Thomas Goller (Muskelfaserriss) bekannt. Auf 90 Athleten reduzieren könnte sich das Team durch den drohenden Ausfall des zweimaligen Kugelstoß-Europacupsiegers Peter Sack. (zum WM-Aufgebot)

Prokop zu den Rückschlägen und der deutschen Minus-Bilanz von Cottbus: "Einer misslungenen Generalprobe ist oft eine erfolgreiche Premiere gefolgt."

Noch nicht in WM-Form

Der Vater der zweimaligen London-Marathonsiegerin Mikitenko war vor zwei Wochen gestorben.

"Irina hat es danach nicht geschafft, im Höhentrainingslager in St. Moritz in WM-Form zu kommen", sagte Mallow zur Situation der gebürtigen Kasachin, die oft gesagt hatte, sie träume davon, durch Gold an ihrem 37. Geburtstag die Enttäuschung des Vorjahres zu verarbeiten.

Hoffen auf das große Geld

2008 musste die Olympia-Favoritin den Peking-Start absagen, gewann dann aber Wochen später beim Berlin-Marathon die mit 500.000 US-Dollar dotierte Wertung der World Marathon Majors (WMM).

Dazu hätte Olympia genau so gezählt wie nun die Berliner WM. Auch 2009 kann sie ungeachtet des WM-Verzichts auf die halbe Million hoffen.

Bei Heidler läuft es noch nicht

Enttäuschende WM-Generalproben erlebten Hammer-Weltmeisterin Betty Heidler und Speerwurf-Europameisterin Steffi Nerius.

Heidler unterlag mit 73,76 m der Jahres-Weltbestleistung werfenden Polin Anita Wlodarczyk (77,20). "Ich will gar nicht viel sagen. Man merkt, dass es bei mir nicht flüssig läuft", sagte Heidler, deren Vereinskollegin Kathrin Klaas sich auf 73,75 steigerte.

Nerius unterliegt Südafrikanerin

Nerius, die bei der WM ihren letzten großen Wettkampf bestreiten wird, zog mit 62,21 gegen die Südafrikanerin Sunette Viljoen (63,02) den Kürzeren. "Eine perfekte Generalprobe sieht anders aus", sagte Nerius.

Wegen Formschwäche hatte die Weltranglisten-Erste und Olympiadritte Christina Obergföll ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt und stattdessen Training eingeschoben. Obergföll führt die Jahres-Weltbestenliste mit 68,59 an, Nerius ist mit 66,82 Vierte, gilt aber wie Obergföll als Medaillenkandidatin.

Deutsche Siege gab es im Stabhochsprung durch WM-Teilnehmer Björn Otto (5,65 m) und Kugelstoß-Europameister Ralf Bartels (Neubrandenburg) mit 20,41.

US-Frauen verpassen Uralt-Weltrekord

In Cottbus verzichtete Dreifach-Weltmeister Tyson Gay wegen einer zwickenden Leiste auf den Start. "Bis zur WM bin ich wieder 100 Prozent fit. Ich wollte heute kein Risiko eingehen", sagte der 27-Jährige.

Die 4x100-m-Staffel der USA lief auch ohne ihn (Terrence Trammell, Mike Rodgers, Shawn Crawford und Darvis Patton) starke 37,85 Sekunden.

Den großen Glanz verbreiteten aber die US-Frauen, die mit Lauryn Williams, Allyson Felix, Muna Lee und Carmelita Jeter in Jahres-Weltbestzeit von 41,58 den Uralt-Weltrekord einer DDR-Staffel aus dem Jahr 1985 nur um 0,21 Sekunden verfehlten.

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