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Heike Henkel hielt bis zum 14. Juni 2009 mit 2,05 den Deutschen Hochsprung-Rekord © SPORT1

Heike Henkel sieht der WM in Berlin pessimistisch entgegen. Ariane Friedrich rechnet die Ex-Weltmeisterin jedoch gute Chancen aus.

Von Rainer Nachtwey

München - Ariane Friedrich strebt bei der Leichtathletik-WM in Berlin vom 15. bis 23. August den großen Coup an (zum Zeitplan).

Die Hochspringerin gilt gemeinsam mit ihrer kroatischen Konkurrentin Blanka Vlasic als heißeste Anwärterin auf die Goldmedaille.

Die letzte deutsche Weltmeisterin im Hochsprung, Heike Henkel, glaubt an die 25-Jährige. "Sie ist für mich eine Goldkandidatin", sagt die Titelträgerin von 1991 bei Sport1.de.

Im Interview der Woche spricht Henkel über Friedrichs Chancen, die deutschen Medaillenhoffnungen und das Thema Doping.

Sport1.de: Frau Henkel, wie groß ist bei Ihnen bereits die Vorfreude auf die WM?

Heike Henkel: Vorfreude? Ich freue mich auf ein paar spezielle Wettkämpfe, natürlich auf den Hochsprung der Damen, aber ansonsten hält sich das sehr in Grenzen. Wir haben wieder ein paar Ausfälle und man muss jetzt abwarten, wer am Start ist und welcher Wettbewerb interessant werden könnte.

Sport1.de: Denken Sie so kurz vor dem Start an die letzte Heim-WM 1993 in Stuttgart zurück?

Henkel: Ich muss sagen, da habe ich nicht soviel miterlebt. Ich bin nicht über die Qualifikation hinausgekommen und bin dann relativ schnell nach Hause gefahren. Mein Mann (der ehemalige Zehnkämpfer Paul Meier, Anm. d. Red.) könnte da mehr erzählen. Der hat das miterlebt, wie das Publikum unheimlich gut mitgegangen ist. Aber die Stimmung war schon toll.

Sport1.de: Welche Chancen geben Sie Ariane Friedrich in Ihrer Disziplin, dem Hochsprung?

Henkel: Mit Blanca Vlasic hat sie natürlich eine unheimlich starke Gegnerin, die auch sehr motiviert ist, zu gewinnen. Die beiden sind für mich die Gold-Kandidatinnen.

Sport1.de: Kann noch eine Springerin in das Duell der beiden eingreifen?

Henkel: Hinten dran kommen ein paar. Das kann dann immer schnell den Rhythmus durcheinander bringen, wenn eine Springerin mal einen Supertag erwischt. Ich hoffe natürlich, dass Ariane ganz oben dabei ist.

Sport1.de: Ist durch den Ausfall von Irina Mikitenko die Last auf Ariane Friedrichs Schultern größer geworden? Ist das ein Vorteil für Vlasic?

Henkel: Nein, das glaube ich nicht. Wir haben noch ein paar gute Athleten im Wurfbereich und im Zehnkampf. Für die Goldmedaille ist der Druck natürlich schon groß, aber ich habe den Eindruck, dass Ariane ganz gut damit umgehen kann. Vielleicht spornt sie das sogar eher an.

Sport1.de: Wo sehen Sie gute Chancen auf Medaillen für die deutschen Athleten?

Henkel: Im Hochsprung ist auf jeden Fall eine drin, im Wurfbereich vielleicht auch. Im Zehnkampf ist der Beste ausgefallen. Im Weitsprung wissen wir auch nicht, wie es Sebastian Beyer mit seinem Fuß geht. Dadurch ist es recht schwer zu beurteilen ist. Man weiß auch immer nicht so genau, ob jetzt geblufft wird oder ob das tatsächlich alles Verletzungen sind (zum Kader).

Sport1.de: Wie viele deutsche Medaillen erwarten Sie bei der WM?

Henkel: Über eine bestimmte Zahl habe ich mir keine Gedanken gemacht. Aber generell finde ich Medaillenspiegel und Wünsche immer sehr schwierig. Für einen Außenstehenden ist das unheimlich schwierig zu sagen. Als Athletin ist mir das noch leichter gefallen, wenn man nahe dran ist. Mit Sicherheit wird es nicht so viele Medaillen wie in der Vergangenheit geben (2 Gold, 2 Silber, 3 Bronze bei der letzten WM in Osaka, Anm. d. Red.).

Sport1.de: Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Henkel: Dafür ist der Kader in der Leistungsdichte zu mau aufgestellt. Das wird sich mit Sicherheit auch nicht ändern. Ich rechne auch mit weniger Medaillen, da wir immer weniger Jugendliche oder generell Hochleistungssportler haben, die ganz vorne mitmischen können.

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews >>

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