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Franka Dietzsch holte bei den WM 1999, 2005 und 2007 (mit 66,61 m) Gold © getty

Die Gallionsfiguren Franka Dietzsch, Steffi Nerius und Charles Friedek sagen in Berlin ade. Diesmal sind ihre Ziele bescheiden.

Berlin - Zusammen holte das Trio in den vergangenen elf Jahren 16 Leichtathletik-Medaillen für Deutschland, die Hälfte davon in Gold.

Bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften standen Diskuswerferin Franka Dietzsch, Speerwerferin Steffi Nerius und Dreispringer Charles Friedek auf dem Podest. Bei der Heim-WM in Berlin nehmen sie nun Abschied von der großen Bühne. (Heike Henkel im Sport1.de-Interview)

Und Nerius träumt dabei sogar von ihrer siebten Medaille seit 2002. "Ich will den Wettkampf genießen und den für mich perfekten Wurf abliefern", sagt die 37 Jahre alte Europameisterin von Bayer Leverkusen.

2009 ein Spaßjahr

Bereits 1993 in Stuttgart war sie bei der ersten Leichtathletik-WM in Deutschland dabei. "Klar, eine Medaille wäre nochmal schön. Aber das liegt auch daran, wie stark die Konkurrenz ist."

Vor allem hinter der Form von Teamkollegin Christina Obergföll (Offenburg) steht ein Fragezeichen.

"Spaß haben", lautete Nerius' Motto für das Jahr 2009. Das gelang ihr zuletzt oft, sie gewann vier ihrer zehn Saisonwettkämpfe und wurde zum sechsten Mal seit 2001 deutsche Meisterin.

Dietzsch Weiten zu kurz

"Ich habe alle meine Ziele erreicht. Ich bin Europameisterin, habe Medaillen bei Olympia und Weltmeisterschaften gewonnen, die 68 m übertroffen und konstant über 65 geworfen."

Am 1. Oktober startet sie ihren Vollzeitjob als Trainerin bei der Behindertensport-Abteilung ihres Vereins.

Nerius verbindet viel mit Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch. "Ich zähle sie zu meinen besten Freundinnen", sagt Nerius, deren Weiten von der formschwachen Dietzsch mit dem Diskus zuletzt nicht erreicht worden sind.

"Als Mutter der Kompanie"

Die Neubrandenburgerin Dietzsch sagt: "Zu 98 Prozent wird das mein letzter großer Wettkampf sein. Die Jugend muss auch vorangetrieben werden. Darin sehe ich eine meiner Aufgaben bei dieser WM (zum Zeitplan), als Mutter der Kompanie", meint die 41 Jahre alte dreimalige Weltmeisterin.

Zwischen all den Athleten im Trainingslager in Kienbaum hatte sie zuletzt selbst das Gefühl, jung zu sein. "Aber wenn ich morgens aufwache, fühle ich mich nicht mehr so fluffig wie mit 20."

Noch einmal die Qualifikation zu überstehen, das wär's für die Grande Dame der deutschen Leichtathletik.

Preis als Abschieds-Omen

Geschichte schreibt sie ohnehin als erste Athletin, die zehn WM-Teilnahmen voll macht. "Das Finale wäre ein Erfolg, den mir einige gar nicht mehr zutrauen. Ich will beweisen, dass auch Frauen über 40 Jahren Weltklasseleistungen zeigen können."

Anders als die gute Freundin und regelmäßige Zimmerkollegin Steffi Nerius spricht Dietzsch noch nicht über ihre Zukunftspläne: "Ich weiß, was ich machen möchte und was nicht. Aber das erzähle ich euch beides nicht", antwortet die Neubrandenburgerin auf neugierige Journalistenfragen.

Die beiden Werferinnnen haben wie Dreispringer Charles Friedek bereits den Rudolf-Harbig-Preis erhalten, mit dem der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) seine erfolgreichsten Athleten auszeichnet. Ein sicheres Zeichen, dass der Abschied bevorsteht.

"Danach will ich vor allem leben"

Es vergehe kein Tag, an dem er nicht auf sein Alter angesprochen werde, sagte der streitbare 37-jährige Friedek jüngst im Interview. "Das nervt."

Als er bei der Team-EM den 25. Nationalmannschafts-Einsatz seiner Karriere erlebte, sei er beim Applaus schon sentimental geworden.

"Da stand Pippi in den Augen. Die Leichtathletik ist schließlich ein großer Teil meines Lebens." Nun wünscht er sich einen "versöhnlichen Abschluss": "Danach will ich vor allem leben."

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