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Bei der WM 2007 hatte Tyson Gay (r.) im 200- m-Finale die Nase gegen Usain Bolt vorne © getty

Tyson Gay geht vor dem 100-m-Showdown bei der WM in Berlin in die Offensive. Rivale und Olympiasieger Bolt spuckt große Töne.

Berlin - Erst warf Weltmeister Tyson Gay seinem Widersacher Usain Bolt den Fehdehandschuh hin und forderte ihn zum großen Showdown heraus, dann konterte der Olympiasieger bei seinem humorvollen Auftritt.

Kurz vor dem Giganten-Duell der Leichtathletik-WM in Berlin um die Sprint-Krone über 100 m am Sonntag sind die "Rivalen der Rennbahn" zumindest verbal schon in Hochform (Der WM-Zeitplan) .

"Ich habe eine Zeit von unter 9,69 im Kopf. Ich will schnell rennen und gewinnen, und wenn dass nur mit Weltrekord geht, dann muss ich den eben brechen", sagte der Amerikaner Gay bei seiner ersten Pressekonferenz nach seiner Ankunft in Berlin im Radisson Blue.

Der Dreifach-Weltmeister war gemächlichen Schrittes erschienen, seine Trainingsjacke hatte mit goldenen Streifen schon einmal die richtige Farbe, die schwarze Sonnenbrille hing lässig auf seinem Kopf.

Gay demonstrierte Lockerheit und strahlte Selbstvertrauen aus: "Ich freue mich auf das Rennen. Wahrscheinlich wird der schnellste Sprinter aller Zeiten ermittelt."

Bolt kontert umgehend

Bolts Konter ließ nicht lange auf sich warten. "Ich denke, dass ich schneller sein werde. Ich bin bereit. Ich weiß, was ich tun muss, um Champion zu werden", sagte der dreimalige Olympiasieger von Peking bei seiner PK im Reggea-Klub Yaam am Berliner Ostbahnhof.

Er ergänzte: "Ich kann das Rennen gegen Tyson kaum erwarten. Vor ihm habe ich großen Respekt."

"Thunder-Bolt" ein Spaßvogel

Der 22-Jährige sorgte für Lacher, als er die Bühne mit zwei künstlichen Schaumstoff-Armen betrat, die die Siegerpose des Superstars nachstellten. "Ich werde immer bedrängt: Mach' die Pose, mach' die Pose! Die Bolt-Arme sparen Energie", witzelte Bolt.

Solche Aktionen gab es bei Gay vier Stunden zuvor nicht zu sehen.

"Ich bin vielleicht das, was Sie langweilig nennen würden. Ich mache keine Muskelspiele", meinte Gay. Rivale Bolt sei für die Unterhaltung zuständig: "Er ist eine aufregende Person, das beweist er auch immer wieder auf der Bahn."

Schock bei Müller-Wohlfahrt

Über den Weg gelaufen sind sich die beiden Superstars in diesem Jahr erst einmal: In der Arztpraxis von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München. "Das war ein kleiner Schock", erklärte Gay: "Das ganze Jahr sehe ich ihn nicht und dann renne ich beim Arzt fast in ihn hinein. Es war cool."

Bolt soll eine Rückgratverkrümmung leichte Beschwerden bereitet haben. Gay leidet seit geraumer Zeit an Leistenbeschwerden, weswegen er am Wochenende seinen Start beim Cottbuser Meeting abgesagt hatte. Bei der WM werde ihn das aber nicht behindert, versicherte Gay.

Auf der Bahn hat es in dieser Saison noch kein Kräftemessen gegeben. Beim bislang einzigen Duell der beiden über 100 m am 31. Mai 2008 in New York hatte Bolt die Nase vorn. Damals ging dessen Stern durch seinen Weltrekord in 9,72 Sekunden auf. Gay: "Ich bin dieses Mal der Underdog. Aber damit fühle ich mich wohl."

Chaos in Jamaikas Team

Fraglich ist, wie Bolt das Chaos in seinem eigenen Team wegsteckt. Er selbst sieht darin angeblich kein Problem: "Wir haben ein gutes Team. Alles ist in Ordnung, alle sind hier."

Am Mittwoch waren zunächst sechs jamaikanische Top-Sprinter, darunter Ex-Weltrekordler Asafa Powell und Olympiasiegerin Shelly-Ann Fraser vom nationalen Verband JAAA von der WM ausgeschlossen worden.

Der Weltverband IAAF intervenierte jedoch und die Suspendierung wegen der Nichtteilnahme am Vorbereitungslehrgang in Herzogenaurach wurde zurückgenommen. Eine endgültige Entscheidung soll in Kürze fallen.

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