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Usain Bolt hat sie alle abgehängt - Weltrekord in 9,58 Sekunden © getty

Usain Bolt hat Worten und Gesten Taten folgen lassen. Gay und Powell können trotz starker Zeiten nichts gegen ihn ausrichten.

Berlin -Usain Bolt tanzte mit einer Jamaika-Flagge freudetrunken auf der blauen Piste im Olympiastadion, zeigte voller Stolz auf die Rekord-Anzeigentafel und bedankte sich bei den 50.000 fassungslosen Zuschauern:

Auf den Tag genau ein Jahr nach seinem Olympiasieg setzte sich der Jamaikaner auch bei der WM in Berlin die Sprint-Krone über 100 m mit einem Fabel-Weltrekord auf und lief wie ein Mann von einem anderen Stern, als er den US-amerikanischen Titelverteidiger Tyson Gay um 21.45 Uhr vom Thron stieß.

In sagenhaften 9,58 Sekunden bei 0,9 m/s Rückenwind blieb der 22-Jährige elf Hundertstel unter seiner in Peking aufgestellten Bestmarke (9,69). Zudem trug sich "Blitz" Bolt als erster jamaikanischer Sprint-Weltmeister in die Geschichtsbücher ein.

Gay ist fast schon der erste Verlierer

Anders als in Peking trudelte der Mann von der Karibik-Insel auf den letzten Metern nicht aus, sondern zündete nach traditionell schwachem Start den Turbo und stürmte unwiderstehlich ins Ziel.

"Ihr habt mir Energie gegeben. Danke für eure Unterstützung", sagte Bolt nach seinem Wunderlauf ins Mikrofon an die Fans gerichtet.

Aus dem im Vorfeld zum "Giganten-Duell" ausgerufenen Kräftemessen der beiden Superstars Bolt und Gay wurde eine "One-Man-Show", in der Gay trotz starker 9,71 Sekunden nur die Rolle des ersten Verlierers blieb. Bronze holte Bolts Landsmann Asafa Powell (9.84).

"Ich will eine Legende werden"

Bolt hielt auch in einen erlesenen Zirkel Einzug: Zuvor durften sich nur Carl Lewis und Maurice Greene (beide USA) zeitgleich Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler über 100 m nennen.

Sein großes Ziel ist aber das WM-Triple.

Bereits vor einem Jahr bei Olympia war ihm das Kunststück von drei Siegen über 100, 200 und 4x100 m geglückt.

"Ich will beweisen, dass das letzte Jahr kein Witz war. Ich will eine Legende werden", sagte der 1,93 m große Schlacks: "Das Spiel hat erst begonnen".

Wird Gay seine Titel verteidigen?

Die 160.00 Dollar (112.700 Euro) Prämie für Sieg und Weltrekord nahm der Ausnahmeläufer aber auch gerne mit.

Es bleibt abzuwarten, ob der 27-Jährige Gay tatsächlich wie geplant am Donnerstag die Revanche gegen Bolt im Finale über 200 m angehen wird oder sich vielleicht nur auf die 4x100-m-Staffel am Samstag konzentriert.

Gay, der über leichte Leistenschmerzen klagt, ist in beiden Wettbewerben Titelverteidiger.

"Usain ist eine Attraktion"

Bolt vs. Gay - ein Duell der Gegensätze.

Auf der einen Seite der langbeinige Faxenmacher Bolt, der mit seinen Gegnern spielt und dabei nicht selten arrogant wirkt.

Auf der anderen Seite der kräftige Gentleman Gay, der sich vom Scheinwerferlicht fernhält und lieber mit seiner Familie den Gottesdienst besucht.

"Ich bin eher das, was viele langweilig nennen würden. Usain dagegen ist eine Attraktion", sagte Gay.

Gay kündigt Weltrekord an

Kurz vor der WM hatten aber beide Superstars den verbalen Schlagabtausch gesucht.

Dabei war Bolts Mundwerk oft genauso schnell wie seine Beine: "Ich weiß, was ich tun muss, um Champion zu werden. Ich habe keine Angst." Gay widerrum hatte gar forsch einen Weltrekord angekündigt.

Ein unbesiegbarer Gegner

Doch es gibt einen Gegner, dem Bolt wohl nicht so einfach davonlaufen kann: dem Dopingverdacht.

Bei den nationalen Meisterschaften Jamaikas wurden fünf für das WM-Team vorgesehene Athleten positiv auf das Stimulans Methylxanthin getestet.

Zwei von ihnen sollen Yohan Blake (19) und Marvin Anderson (27) sein, die Bolts Trainingsgruppe, dem "Racers Track Club", angehören. "Jetzt wird alles hinterfragt, was von Jamaika kommt", weiß Bolt.

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