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Jennifer Oeser verlor bei ihrem Sturz fast ihre Startnummer © getty

Trotz des Sturzdramas sprintet Jennifer Oeser im Siebenkampf zu Silber. Ihr Trainer will ihr nun einen lebendigen Talisman schenken.

Berlin - Das "Stehauf-Frauchen" hat einen ständigen Begleiter.

Doch am Sonntagabend schien das "Schwein vom Rhein" als Glücksbringer für Siebenkämpferin Jennifer Oeser kurzzeitig nicht aufgepasst zu haben.

Als die 25-Jährige 450 Meter vor dem Ziel des abschließenden 800-m-Laufes zu Fall kam und die Rivalinnen im Kampf um die WM-Medaillen davoneilen sah, half auch das rosa Plüschtier am Laufbahn-Rand nicht weiter.

Oeser selbst beschrieb den Moment so: "Ich habe nur dieses Raunen im Publikum gehört und gedacht: Das kann es jetzt nicht gewesen sein. Los, aufstehen und weiterlaufen."

"Bestleistung mit Turneinlage"

Mit ihr erhoben sich 50.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion. "Das ganze Stadion hat getobt und hat mich wirklich die letzte Runde getragen", sagte Oeser zu Sport1.de. "Die letzte Runde - das war Adrenalin pur."

Die verzweifelte Verfolgungsjagd fand ein silbernes Happy End. Obendrauf gab es 6493 Punkte 140874(Die Bilder des zweiten Tages).

"Bestleistung mit Turneinlage", sagt Oeser: "Als Siebenkampf-Vizeweltmeisterin kann ich stolz sein, dass ich alles ein bisschen kann. Aber eben keine Disziplin richtig."

Braun zieht den Hut

Es ist das Schicksal der Mehrkämpfer.

So ging es schon anderen Großen der Zunft wie Sabine Braun, die 1997 als Weltmeisterin in Athen die letzte deutsche Siebenkampf-Medaille bei einer WM gewonnen hatte und vor Oeser den Hut zieht:

"Das war Dramatik pur. Dieser Sturz wird die Erinnerung an sie lange am Leben halten."

"Jetzt bloß nicht abkacken"

Bloß gut, dass Oesers Ausbildung zur Bundespolizistin noch nicht allzu lange zurückliegt.

"Da mussten wir Judorollen zur Selbstverteidigung üben." Sonst hätte sie auf der blauen Laufbahn womöglich ihr blaues Wunder erlebt, von dem sie vorher so etwas wie eine Art Vorahnung hatte.

"Vor dem Lauf habe ich gesagt, nur noch ein Sturz kann mich stoppen. Und plötzlich lag ich. Dann bin ich nur noch gerannt und habe mir gesagt: 'Jetzt bloß nicht abkacken'."

Die Feierstimmung verdarb anschließend nur die Anordnung der Kampfrichter, das "Danke Berlin"-T-Shirt wieder auszuziehen. Eine Regel des Weltverbandes IAAF verbietet dies.

Lob für die Siegerin

Überlegene Weltmeisterin und Thronfolgerin der nach drei WM-Titeln zurückgetretenen Siebenkampf-Königin Carolina Klüft (Schweden) wurde die Britin Jessica Ennis (6731) (alle WM-News).

"Jessica ist eine sympathische Nachfolgerin für Carolina", meinte Oeser anerkennend.

Bronze ging an die Polin Kamila Chudzik (6471), die von der deutschen Konkurrentin noch vom mit 30.000 Dollar dotierten Silberrang verdrängt worden war.

Lebendes Glücksschwein statt Plüschtier

"Soviel Geld habe ich noch nie gewonnen. Eigentlich bin ich ein Sparfuchs", sagt Deutschlands Vizeweltmeisterin, die sich demnächst vielleicht einen Stall anschaffen muss.

Denn das "Glücksschwein vom Rhein", das ihr die Trainingskolleginnen vor der EM 2006 in Göteborg geschenkt hatten (Platz vier) könnte einen lebenden Bruder bekommen.

"Mein Trainer Karl-Heinz Düe meinte, ich bekomme jetzt ein richtiges Schwein. Ich will aber keins. Ich habe nur eine Wohnung und keinen Garten."

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