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Nadine Kleinert gewann bereits vor zehn Jahren eine WM-Medaille © getty

Nadine Kleinert bekämpft bei ihrem Silber-Triumph "weiche Knie" und Kreislaufprobleme und lässt Top-Star Usain Bolt warten.

Berlin - Nein, Usain Bolt schien es nicht gefallen zu haben, als Deutschlands Silbermädchen Nadine Kleinert und Jennifer Oeser ihren Freudentanz in die Länge zogen 140874(Die Bilder des zweiten Tages) und dann im Jubelbad der Menge auch noch eine Ehrenrunde drehten.

"Er war schon etwas angepisst, weil er wegen uns acht Minuten auf den 100-m-Start warten musste. So ein bisschen haben wir ihm die Show gestohlen", frohlockte Nadine Kleinert, die mit ihren 1,90 m Länge angesichts zuvor nie erreichter 20,20 m im Kugelstoßring noch über sich hinauswuchs .

Dabei war die 33 Jahre alte Magdeburger Sportsoldatin "mit weichen Knien und zitternd" zum ersten Versuch in den Ring getreten.

Persönliche Bestleistung im ersten Versuch

"Aber angesichts meiner guten Trainingsleistungen und des wieder intakten Ellbogens dachte ich mir: Du blöde Kuh, du kannst das." Und dann flog die 4-Kilo-Kugel gleich so weit wie im bislang besten Wettkampf ihres Lebens (20,06).

"Damit habe ich der Weißrussin Natalja Michnewitsch den Zahn gezogen und Olympiasiegerin Valerie Vili geschockt. Ich hörte, sie hatte Tränen in den Augen, weil sie nicht so gut in Form war und die Niederlage fürchtete", erzählte Kleinert.

Vili habe später gesagt, sie wäre überwältigt gewesen vom Publikum im Stadion und habe sich verloren wie ein kleines Kind gefühlt.

Kreislaufprobleme bei Kleinert

Erst im dritten Versuch gelang Neuseelands 140-Kilo-Frau mit 20,25 m der Konter. Kleinert antwortete mit Bestleistung von 20,20 m, die 30.000 Dollar Prämie brachten.

"Dabei sah ich nach dem Abstoß Vögelchen. Ich hatte einen Kreislaufkollaps, weil ich wohl zu lange die Luft anhielt. Ich musste mich hinlegen, war einen Moment weg. Erst als mein Name zum nächsten Versuch aufgerufen wurde, konnte ich mich wieder zusammenreißen." (alle WM-News)

"Einfach nur geil"

19,61 m im vierten Durchgang folgten zwei ungültige Versuche zum Abschluss. Doch die anderen waren geschlagen, Vili steigerte sich indes noch einmal auf 20,44 m.

"Nach dem Olympiasilber von Athen, das einen ganz besonderen Stellenwert hat, war dieses dritte WM-Silber nach 1999 und 2001 das Schönste. Eine Medaille bei dieser Heim-WM zu gewinnen, ist das Größte. Die Stimmung in diesem Stadion ist einfach nur geil. Ich habe mich von einer Welle tragen lassen."

Die Glückwunsch-Orgie hörte auch in der Nacht nicht auf. "Ich konnte eh nicht schlafen, bin aufgestanden und zweimal ums Hotel gelaufen, habe vielleicht drei Stunden geschlafen", sagte sie am anderen Morgen.

Keine Box-Karriere

Was die Zukunft bringt? "Jetzt noch ein paar Wettkämpfe inklusive Welt-Finale in Thessaloniki. Nächstes Jahr schaue ich mir die Hallen-EM an und entscheide, ob ich weitermache. Aber so schnell höre ich nicht auf, ich muss noch ein Haus abbezahlen", berichtet Kleinert von ihren weiteren Plänen.

"Irgendwann werde ich spontan entscheiden. Aber die mal angedachte Box-Karriere wird es nicht geben und Olympia 2012 im Londoner Regen tue ich mir auf keinen Fall an", so die Silbermedaillengewinnerin.

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