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Bisher kein seltenes Bild in Berlin: Unbesetzte Plätze © getty

Neben Topleistungen gibt es bei der WM in Berlin auch leere Sitzreihen zu bestaunen. Die Veranstalter flüchten sich in Optimismus.

Von Sebastian Binder

München - Die Leichtathletik-WM in Berlin ist in vollem Gange. Die ersten großen Entscheidungen sind gefallen, allerortens wird von großartiger Stimmung erzählt.

"Das ganze Stadion hat getobt und hat mich wirklich die letzte Runde getragen", sagte Siebenkämpferin Jennifer Oeser gegenüber Sport1.de nach dem Gewinn ihrer Silbermedaille.

Und doch fällt dem aufmerksamen Zuschauer auf, dass längst nicht alle Plätze im Berliner Olympiastadion besetzt sind.

Leere Ränge beim Gigantenkampf

Das Finale über die 100 Meter, der Kampf zwischen Usain Bolt und Tyson Gay. Es war das Duell der Superlative, der Höhepunkt, auf den angeblich alles gewartet hat.

Trotzdem entdeckt man leere Plätze und das nicht zu knapp. 50.000 Zuschauer sollen die spektakulärsten knapp zehn Sekunden des Jahres live verfolgt haben(140985DIASHOW: Die Bilder vom 100-m-Finale).

Doch warum war das Stadion bei diesem "Jahrhundertereignis" nicht ausverkauft?

Querelen im Vorfeld

Bereits vor Beginn der WM gab es Streit zwischen Sportlern und Verantwortlichen. Die Athleten bemängelten den ihrer Ansicht nach zu geringen Werbeaufwand für die WM.

Noch zwei Wochen vor Anfang der Wettkämpfe gab es außerhalb Berlins kaum Plakataktionen oder Radio- und Fernsehwerbung.

Die Athleten waren enttäuscht. "Ich habe den Eindruck, dass in Deutschland bei der breiten Masse nicht genug Werbung gemacht wird", so Hammerwerferin Betty Heidler im "kicker".

Mäßig besuchter Auftakt

Bei der Eröffnung blicken Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler noch auf halbleere Ränge.

Am Sonntag ist es schon besser, das Stadion aber dennoch nicht ausverkauft. DLV-Präsident Clemens Prokop hat folgende Erklärung dafür: "Das Zuschauerinteresse liegt vor allem auf der zweiten Hälfte der WM, weil es dort die Entscheidungen im großen Stil gibt."

Seltsam, der Titel "Schnellster Mann der Welt" fällt also nicht in diese Kategorie?

Ist das Stadion zu groß?

Weltverbands-Generalsekretär Pierre Weiss sieht das anders:

"Die Arena ist zu groß", erklärte der IAAF-Chef.

Weiss befürchtet ähnliche Probleme bei den nächsten beiden Weltmeisterschaften 2011 in Daegu/Südkorea und 2013 in Moskau, wo die Arenen 60.000 und 80.000 Besucher fassen.

"Wenn wir uns an Göteborg 1995 erinnern, dann war das ganz anders. Damals hatten wir nur 33.000 Zuschauer. "Das ist ideal gewesen."

Das Spiel mit den Zahlen

Bisher sind offiziell 330.000 von knapp 550.000 Tickets verkauft. Die Veranstalter setzen zudem darauf, dass der Berliner seine Tickets ohnehin lieber an der Abendkasse kauft.

Es gibt bei diesen Geschichten immer zwei Seiten: Die Organisatoren sprechen von "einem Riesen-Run" auf die Tickets, die leeren Plätze sind trotzdem nicht zu leugnen.

Organisationskomitee-Mitglied Frank Hensel sagte zu "Spiegel-Online" über die Zuschauerzahlen am Samstag: "Morgens waren es rund 25.000, abends etwa 42.000".

Insgesamt sollen somit über 67.000 Leute dagewesen sein. Etwas merkwürdig mutet diese Zählweise schon an, aber laut Hensel " geht es hier nicht um PR-Tricks".

Besser als Osaka

Für den schleppenden Vorverkauf könnten auch die ziemlich saftigen Ticketpreise verantwortlich sein. Die billigste Wochenkarte kostet 350 Euro.

Zum Vergleich: Bei der EM 2010 in Barcelona wird die günstigste Wochenkarte für 60 Euro zu haben sein. Insgesamt sollen durch den Ticketverkauf 14,85 Millionen Euro eingenommen werden.

Ob dieses Ziel erreicht wird, ist noch nicht klar. Zumindest mehr Tickets als 2007 in Osaka werden in Berlin wohl in jedem Fall verkauft werden.

Dort war das 60.000 Menschen fassende Nagai-Stadion meistens nur zur Hälfte gefüllt. Und es gibt noch eine weitere Erfolgsmeldung: Am Donnerstag ist das Stadion laut Veranstaltern ausverkauft.

Stimmung ist fantastisch

Das soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stimmung sehr gut ist.

Nadine Kleinert sagt dazu: "Die Euphorie im Stadion, das war wie eine Welle auf der ich einfach nur mitgeschwappt bin, das hat einfach nur Spaß gemacht. Den letzten Wurf hab ich dann nur für die Zuschauer gemacht, da wusste ich sofort, dass der nichts mehr wird."

Und Kugelstoßer Ralf Bartels, der Bronze gewann, bedankte sich beim Publikum: "Bronze ist Bronze, ich bin einfach nur überglücklich. Danke Berlin!"

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